Jakob Lorber Deutsch    Jakob Lorber english    

Die Gebote Gottes, warum aus den neun Geboten 10 Gebote wurden

Leseproben des Propheten Jakob Lorber

Die Erklärung der Gebote Gottes

Warum aus den neun Geboten, 10 Gebote wurden.

 [GEJ.07_035,04] Sagte Ich: "Anfangs, Meine liebe Helias, wahrlich nur neun; später dann, als er gezwungen war, die zerbrochenen ersten steinernen Gesetzestafeln wieder durch neue zu ersetzen, hat er selbst das letzte Gebot in zwei abgeteilt, um das ehebrecherische Begehren nach eines Nächsten Weibe - was die Juden in Ägypten sich sehr zu eigen gemacht hatten und dadurch in beständigem Hader und fortwährender Zwietracht lebten und sich gegenseitig zu Todfeinden wurden - recht anschaulich zu machen, und am Ende setzte er auf den Ehebruch sogar die leibliche Todesstrafe, weil das noch so weise Wort bei den in alle Sinnlichkeiten versunkenen Juden nichts fruchtete.
 [GEJ.07_035,05] Und so weißt du nun, wann, wie und warum aus dem letzten, neunten Gebot ein für sich bestehendes zehntes entstand.

 [GS.02_097,15] Das äußere bildliche [10.] Gebot ist bekannt, [ "Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib!" innerlich heißt es: Habe kein Verlangen nach der Liebe deines Bruders oder deiner Schwester! .
 [GS.02_097,16] Warum wird denn hier dieses inhalts- und lebensschwere Gebot in das Bild des nicht zu begehrenden Weibes gehüllt? .
 [GS.02_097,17] Ich mache euch bei dieser Gelegenheit nur auf einen Ausspruch des Herrn Selbst aufmerksam, in dem Er Sich über die Liebe des Mannes zum Weibe also äußert, da Er spricht: "Also wird ein Sohn seinen Vater und seine Mutter verlassen und seinem Weibe anhangen". .
 [GS.02_097,18] Was will der Herr dadurch anzeigen? Nichts anderes als: des Menschen mächtigste Liebe auf dieser Welt ist die zu seinem Weibe. Denn was liebt der Mensch in seiner Ordnung mehr auf der Welt als sein liebes braves, gutes Weib? Im Weibe steckt somit des Mannes ganze Liebe, wie umgekehrt das Weib in seiner Ordnung sicher nichts mächtiger liebt als einen ihrem Herzen entsprechenden Mann.
 [GS.02_097,19] So wird denn auch in diesem Gebote unter dem Bilde des Weibes die ganze Liebe des Mannes oder des Menschen überhaupt gesetzt, weil das Weib im Ernste nichts anderes als eine äußere, zarte Umhüllung der Liebe des Mannes ist. .
 [GS.02_097,20] Wem kann nun bei dieser Erklärung entgehen, daß unter dem Bilde: "Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib" ebensoviel gesagt ist als: Du sollst nicht zu deinem Vorteil die Liebe deines Nächsten verlangen, und zwar die ganze Liebe, weil das Weib auf der Welt ebenfalls die ganze Liebe des Mannes in sich begreift.
 [GS.02_097,24] Wird unter dem, daß du die Liebe deines Nächsten nicht begehren sollst, und zwar seine ganze Liebe, nicht alles das verstanden, was er als lebensteuer in seinem Herzen trägt? Siehe, also sind auch im Ernste nicht nur das Weib und die Töchter deines Nächsten in dem Gebote deinem Verlangen vorenthalten, sondern alles, was die Liebe deines Bruders umfaßt.
 [GS.02_097,25] Aus diesem Grunde auch wurden uranfänglich die zwei letzten Gebote als ein Gebot zusammen gegeben. Sie sind nur dadurch unterschieden, daß im neunten Gebote des Nächsten Liebe mehr sonderheitlich zu respektieren dargestellt ist, im zehnten Gebote aber wird eben dasselbe im inwendigsten Sinne ganz allgemein zur respektierenden Beobachtung zusammen gefaßt dargestellt.

Das sechste Gebot

 [GEJ.07_032,01] Sagte die Helias: "O Herr und Meister, sieh, ich bin eine Maid und habe noch nie einen Mann erkannt; daher würde es sich etwa wohl nicht ganz besonders schicken, so ich über das sechste Gebot meine Bemerkungen machen würde! Ich möchte Dich darum bitten, daß Du, o Herr, mir erlassen möchtest, über dies sechste Gebot zu reden."
 [GEJ.07_032,02] Sagte Ich: "O du Meine liebe Tochter, so du geheim bei dir von diesem Gebote durchaus keine Kenntnis besäßest, so ließe Ich dich auch wahrlich nicht davon reden; aber weil du dieses Gebot wohl kennst, obwohl du mit einem Manne noch nie etwas zu tun gehabt hast, so kannst du geziemend schon auch von diesem Gebote reden. Und so rede du nur zu nach deiner Weise!"
 [GEJ.07_032,03] Sagte die Helias wieder ihren Spruch: "O Herr, wer Deinen Willen tut, der begeht keine Sünde! Und so will ich denn auch reden in wohl geziemender Weise. ,Du sollst nicht ehebrechen!', also lautet buchstäblich das sechste Gebot. Nach dem aber, wie es mir mein Rabbi lehrte, hieß es auch: ,Du sollst dich keusch und rein verhalten vor Gott und vor den Menschen; denn wer da unkeusch und unrein lebt und handelt, der ist ein Sünder so gut wie ein Ehebrecher, ein Unzüchtler und ein Hurer!' Das waren die Lehrworte meines Rabbi.
 [GEJ.07_032,04] Ich habe da nichts anderes zu bemängeln, als daß erstens Moses in der Aufstellung der Grundgebote in seinem zweiten Buche, 20. Kapitel, nur den Ehebruch verbietet, obwohl er dann im dritten Buche, etwa vom 18. Kapitel an, sehr ausführlich davon redet, - was ich aber auch noch nicht gelesen habe, weil mein Rabbi solches für mich nicht gut fand. Und zweitens gab Gott durch Moses dies Gebot wie mehrere andere dem (hebräischen) Wortlaute nach immer nur dem männlichen Geschlecht und gedachte nur selten des Weibes.
 [GEJ.07_032,05] Wer ist der ,Du', der nicht ehebrechen soll? Es ist im Gesetze das einzelne Gebot nur auf einen Menschen oder nur auf ein Geschlecht gerichtet, und das offenbar auf das männliche, und es ist des Weibes nicht gedacht. Man kann da freilich wohl sagen: Wenn der Mann nicht ehebrechen darf, so kann das auch kein Weib, weil es ohne einen Mann nicht sündigen kann. Aber meines Erachtens ist eben das Weib durch seine Reize das den Mann am meisten zum Ehebruch verlockende Element, und so sollte denn auch besonders zum Weibe gesagt werden, daß es keinen Mann zum Ehebruch verleiten und auch selbst die Ehe nicht brechen soll. Denn wo das Weib dem Manne völlig treu ist, da wird sicher bald allenthalben von einem Ehebruch keine Rede mehr sein. Aber im Grundgesetze bildet das Weib förmlich eine Ausnahme, und es wird seiner auch nur erst in den späteren Verordnungen Mosis gedacht.
 [GEJ.07_032,06] Ich möchte aber denn nun wissen, warum das also geschah! Und warum gedachte Moses im Gesetz um vieles seltener des Weibes als des Mannes? Gehört denn das Weib weniger zum Menschengeschlecht als der Mann?"
 [GEJ.07_032,07] Sagte Ich: "Nun, diese deine Bemängelung läßt sich noch hören, obwohl auch sie nur so neben der Wahrheit einherschreitet. Sieh, auch hier steckt schon wieder die wahre und reine Nächstenliebe im Vordergrunde, und diese betrifft das Weib ebenso wie den Mann!
 [GEJ.07_032,08] So zum Beispiel du das Weib eines ordentlichen Mannes wärst, - würde es dir wohl eine Freude machen, so das Weib deines Nachbarn deinen Mann begehrte und mit ihm triebe, was nicht recht wäre? Wenn du aber in deinem Herzen das sicher nicht wünschen könntest, daß dir so etwas geschehen solle, so mußt du auch gegen deine Nachbarin dich ebenso verhalten, wie du wünschest, daß diese sich gegen dich verhalten soll. Und was also da im Gesetze gesagt ist dem Manne, das gilt auch im gleichen Maße für das Weib.
 [GEJ.07_032,09] Gott gab nur darum dem (hebräischen) Wortlaute nach das Grundgesetz wie allein dem Manne, wie er dem Haupte des Menschen die Hauptsinne gab und durch sie den Verstand im Gehirn. Wie aber Gott vorerst nur zum Verstande des Menschen redet, so redet Er auch zum Manne, der fortan das Haupt des Weibes ist wie das Weib gewisserart des Mannes Leib. Wenn nun eines Menschen Haupt erleuchtet und sehr verständig ist, - wird da nicht auch im gleichen Maße mit verständig sein der ganze Leib?
 [GEJ.07_032,10] Wenn des Menschen Verstand wohl erleuchtet ist, so wird auch bald wohl erleuchtet werden des Menschen Herz, das sich der Ordnung des Verstandes gerne fügen wird. Das Weib aber entspricht auch dem Herzen des Mannes; und wenn also der Mann als das Haupt wohl erleuchtet ist, so wird auch das Weib als sein Herz ebenso wohl erleuchtet werden und sein.
 [GEJ.07_032,11] Es steht aber ja schon von alters her geschrieben, daß Mann und Weib seien ein Leib. Was sonach zum Manne gesagt ist, das ist auch gesagt zum Weibe.
 [GEJ.07_032,12] Und siehe, damit habe Ich dir nun auch die Nichtigkeit dieses deines Zweifels erwiesen und habe dir gezeigt das rechte Licht des Gesetzes, das du sicher gar wohl verstanden hast. Und da du solches wohl verstanden hast, so kannst du nun schon mit deiner Kritik weitergehen."

Das 6. Gebot im sechsten Saale - Was ist Unkeuschheit?

 [GS.02_079,01] Hier erblicken wir wieder eine Tafel in der Mitte des sechsten Saales. Auf der Tafel steht mit deutlich leserlicher Schrift geschrieben: "Du sollst nicht Unkeuschheit treiben, nicht ehebrechen". - Unverkennbar ist dies das sechste Gebot, welches der Herr durch Moses dem israelitischen Volke gegeben hat. Dieses Gebot ist sicher eines der schwierigsten, um es in seiner Grundbedingung zu erfassen und dann auch genau im Lebensgrunde zu beobachten. .
 [GS.02_079,02] Was wird eigentlich durch dieses Gebot verboten? - Und wen geht dieses Gebot überhaupt an, den Geist, die Seele oder den Leib? Wer soll da aus diesen drei Lebenspotenzen nicht Unkeuschheit treiben? Das wäre eine Frage. Was aber ist so ganz eigentlich die Unkeuschheit und was der Ehebruch? Ist die Unkeuschheit der gegenseitige Begattungsakt? Wenn das der Fall ist, so ist durch dieses Gebot auf jede Zeugung Beschlag gelegt; denn wir finden in dem einfachen Gebote durchaus keine bedingnisweise Ausnahme gestellt; es heißt einmal: "Du sollst nicht Unkeuschheit treiben" .
.  [GS.02_079,03] Wenn also der Akt der Begattung gewisserart als der Kulminationspunkt der Unkeuschheit angesehen wird, so möchte ich selbst denjenigen kennen, der unter der gegenwärtigen Gestalt der Dinge auf der Erde eine Zeugung ohne diesen verbotenen Akt bewerkstelligen könnte. Ob jetzt in der Ehe oder außer der Ehe, der Akt ist derselbe. Ob er wirklich in kinderzeugender Absicht begangen wird oder nicht, er ist derselbe. Zudem hat das Gebot selbst keine Bedingung in sich, durch welche eine geregelte Ehe von der Unkeuschheit ausgenommen wäre. .
 [GS.02_079,04] Andererseits betrachtet aber muß doch jedem Menschen einleuchtend sein, daß es dem Herrn an der Fortpflanzung des menschlichen Geschlechtes vorzugsweise gelegen ist und an einer weisen Erziehung desselben. Auf welchem Wege aber sollte sich das Menschengeschlecht fortpflanzen, wenn ihm der Zeugungsakt bei Strafe des ewigen Todes verboten ist? Ich meine, das kann ein jeder Mensch mit den Händen greifen, daß es hier offenbar einen Haken hat. .
 [GS.02_079,05] Dazu aber muß noch ein jeder sich notgedrungen selbst das Zeugnis geben, daß sicher bei keinem zu haltenden Gebote die Natur dem Menschen allgemein so mächtige Prügel unter die Füße wirft, über die er stolpern muß, als eben bei diesem. - Ein jeder Mensch, wenn seine Erziehung einigermaßen geordnet war, findet keinen Anstand, oder höchstens einen nur sehr geringen, in der Haltung der übrigen Gebote; aber bei diesem Gebote macht die Natur allezeit einen kräftigen Strich selbst durch die Rechnung eines Apostels Paulus! .
 [GS.02_079,06] Offenbar sehen wir eine Untersagung der fleischlichen Lust, welche mit dem Zeugungsakte unzertrennlich verbunden ist. Liegt also das Verbot nur an der fleischlichen Lust und nicht zugleich auch an dem Zeugungsakte, so fragt es sich, ob von dem ordnungsmäßigen Zeugungsakte die fleischliche Lust zu trennen ist? Wer aus euch kann solches erweisen und behaupten, die beiden gesetzlich geordneten Ehegatten empfänden beim Zeugungsakte nicht auch die zeitliche Lust? Oder wo ist dasjenige Gattenpaar, das da nicht wenigstens zur Hälfte durch die bevorstehende fleischliche Lust zum Zeugungsakte aufgefordert worden wäre? .
 [GS.02_079,07] Wir sehen aber nun daraus, daß wir mit diesem Gebote hinsichtlich der Unkeuschheit in Anwendung auf den leiblichen Zeugungsakt durchaus nicht aufkommen können. Entweder muß es einen reinen Zeugungsakt geben, der mit der Fleischeslust nichts zu tun hat, oder, wenn sich ein solcher Akt nicht erweisen läßt, muß der fleischliche Zeugungsakt nicht unter diesem Gesetze stehen und als eine freiwillkürliche, straflose Handlung des Menschen angesehen werden. - Denn solches ist schon bemerkt, daß sich das Gesetz schonungslos und jeder ausnahmsweisen Bedingung ledig ausspricht. .
 [GS.02_079,08] Das notwendige Bestehen der Menschen aber spricht sich laut gegen das Verbot dieses Aktes aus, sowie die allezeit schonungslos begehrende Natur. Denn da mag jemand sein, wes Standes er will, so wird er davon nicht freigesprochen, wenn er zu seiner Reife gelangt ist. Er müßte sich denn verstümmeln lassen und seine Natur töten, sonst tut es sich wenigstens in seiner Begierlichkeit dazu auf keinen Fall, wenn er auch durch äußere Umstände von der Aktivität abgehalten wird. .
 [GS.02_079,09] Also mit dem Fleische tut es sich auf keinen Fall. Vielleicht geht dieses Gesetz allein die Seele an? Ich meine, da die Seele durchaus das lebende Prinzip des Leibes ist und die freie Aktion desselben rein von der Seele abhängt, ohne welche das Fleisch tot ist, so dürfte es denn doch wohl schwerlich irgendwo einen Supergelehrten geben, der da im Ernste behaupten könnte, die Seele habe mit den freien Handlungen des Leibes nichts zu tun. .
 [GS.02_079,10] Der Leib ist ja doch nur das Werkzeug der Seele, künstlich eingerichtet zu ihrem Gebrauche; was soll es demnach mit einem Gebote allein für den Leib, der an und für sich eine tote Maschine ist? Wenn jemand mit einer Hacke einen ungeschickten Hieb gemacht hat, war da wohl die Hacke schuld oder seine Hand? Ich meine, solches wird doch niemand behaupten wollen, daß hier der Hacke der ungeschickte Hieb zuzuschreiben sei. .
 [GS.02_079,11] Ebenso wenig kann man auch den Zeugungsakt als eine sündige Handlung dem Leibe zuschreiben, sondern allein nur dem handelnden Prinzip, das hier die lebendige Seele ist. Also muß auch unsere bisherige kritische Beleuchtung dieses Gebotes bloß der Seele gelten, welche im Fleische denkt, will und handelt; und so ist eben die Seele nach dem verlaufenden Kriterium notwendig frei von diesem Gebote. Also mit der Seele geht es auch nicht; so wird es doch mit dem Geiste gehen? Wir wollen sehen, was sich da der Geist wird abgewinnen lassen. .
 [GS.02_079,12] Was ist denn der Geist? Der Geist ist das eigentliche Lebensprinzip der Seele, und die Seele ist ohne den Geist nichts als ein substantiell ätherisches Organ, welches wohl zur Aufnahme des Lebens alle Fähigkeit besitzt, aber ohne den Geist nichts ist als ein substantiell-geistig-ätherischer Polyp, der seine Arme fortwährend nach dem Leben ausbreitet und alles einsaugt, was seiner Natur entspricht. .
 [GS.02_079,13] Die Seele ohne den Geist ist also eine bloß stumme polarische Kraft, welche den stumpfen Sinn nach Sättigung in sich trägt, selbst aber keine Urteilskraft besitzt, daraus ihr klar würde, womit sie sich sättigt und wozu ihr die Sättigung dient. Sie ist zu vergleichen mit einem Erzkretin, der keine andere Begierde in sich verspürt als diejenige, sich zu sättigen. Womit und warum? Davon hat er keinen Begriff. Wenn er einen großen Hunger verspürt, so frißt er, was ihm unterkommt, ob Unrat oder ob Brot oder eine barste Kost für Schweine, das ist ihm gleich. .
 [GS.02_079,14] Sehet, dasselbe ist die Seele ohne den Geist. Und diese angeführten Kretins haben eben auch bloß ein seelisches Leben, das heißt, in deren Seele ist entweder ein zu schwacher Geist oder oft auch gar kein Geist vorhanden. Daß aber solches der Fall ist, dazu brauchet ihr nichts als nur einen Blick in die Welt der finsteren Geister zu werfen; was sind diese? Sie sind nach dem Tode fortlebende Seelen, die bei Leibesleben auf die leichtsinnigste und oft böswilligste Weise ihren Geist in sich so sehr geschwächt und niedergedrückt haben, daß er ihnen in solchem Zustand kaum die kargst zugemessene Lebenserregung zu verschaffen imstande ist, bei der aber alle Lebensvorteile nicht selten im ewigen Hintergrund bleiben müssen! .
 [GS.02_079,15] Wie aber gebärden sich solche Wesen jenseits gegenüber den seligen lebendigen Geistern? Nicht anders als pure Trottel, also geistige Kretins, in aller Weise noch mißgestaltet, so daß nicht selten von einer menschlichen Gestalt nicht die leiseste Spur mehr zu entdecken ist. Diese Wesen sind in der Geisterwelt in ihrer Handlungsweise so wenig mehr zurechnungsfähig wie die Trottel bei euch auf der Erde. Daraus aber geht nun hervor, daß nicht die Seele an und für sich, sondern nur im Besitze des Geistes, dem allein das freie Wollen innewohnt, zurechnungsfähig ist, im Grunde also nur der Geist. .
 [GS.02_079,16] Wenn aber das nun evident erwiesen ist, so fragt sich: Wie und auf welche Weise kann denn der absolute Geist Unkeuschheit treiben? Kann der Geist fleischliche Begierden haben? Ich meine, einen größeren Widerspruch dürfte es kaum geben als den, so sich jemand wollte im Ernste einen "fleischlichen Geist" denken, der notgedrungenermaßen materiell sein müßte, um selbst grobmaterielle Begierden in sich zu haben. .
 [GS.02_079,17] Wenn aber schon ein Arrestant an seinem Arreste sicher nicht das größte Wohlbehagen findet, so wird umso mehr der absolute Geist noch eine geringere Passion haben, sich mit seinem freiesten Wesen mit der groben Materie auf immer zu verbinden und an derselben seine Lust zu finden. In diesem Sinne ist also ein Unkeuschheit treibender Geist doch sicher der größte Unsinn, den je ein Mensch aussprechen kann. Nun fragt sich demnach: Was ist also die Unkeuschheit, und wer soll dieselbe nicht treiben, indem wir gesehen haben, daß sowohl der Leib als auch die Seele und der Geist für sich nicht Unkeuschheit treiben können, so wie wir sie bisher kennen?

Über zweierlei Liebe.

 [GS.02_080,01] Es dürften zwar einige sagen: Moses hat sich später darüber näher ausgesprochen, indem er den Zeugungsakt ordnungsmäßig nur zwischen den gesegneten Ehegatten erlaubt, andersartig aber verboten hat, und hat auf die andersartige Zeugung, besonders wenn ein verheirateter Mann mit dem Weibe eines anderen Mannes diesen Akt begehen möchte, verordnet, daß solch eine Tat als Ehebruch zu betrachten sei und die Ehebrecher sich beiderseits des Todes schuldig machen. Solches ist richtig, aber nachträgliche Verordnungen geben dem einfach im Anfange gegebenen Gesetze dennoch keine andere Gestalt. Wer sich daran binden will, muß im ersten Gesetze seinen Prozeß behaupten; denn weder die Unkeuschheit noch der Ehebruch sind darin auf eine bestimmte Art verboten.
 [GS.02_080,02] Wir haben bisher klar erläutert, was man allenfalls unter der Unkeuschheit verstehen könnte. Nachdem aber alles das auf den Zeugungsakt hinweist, so kann man auch die von uns bisher als bekannt angenommene Art der Unkeuschheit unmöglich durch dieses Gesetz als verboten ansehen. .
 [GS.02_080,03] Nun aber meldet sich ein in der Sache Wohlerfahrener, dieser spricht: Unter Unkeuschheit, die da verboten ist, wird bloß die leere Befriedigung des sinnlichen Triebes verstanden. Gut, sage ich; wenn aber ein Mann mit eines anderen Mannes Weibe, die von ihrem Manne nicht befruchtet werden kann, im Ernste ein Kind zeugt, frage, kann ihm das als sündiger Ehebruch angerechnet werden? Ich frage weiter: Wenn ein Jüngling, von seiner Natur getrieben, mit einem Mädchen ein Kind gezeugt hat, kann ihm das zur Sünde der Unkeuschheit angerechnet werden? .
 [GS.02_080,04] Ich frage weiter: Wenn ein Mann aus der Erfahrung weiß, daß sein Weib nicht befruchtungsfähig ist, er beschläft sie aber dennoch, weil sie ein üppiges Fleisch hat, das ihn reizt, er also doch offenbar seinen sinnlichen Trieb leer befriedigt; kann ihm dieser Akt zur Sünde der Unkeuschheit angerechnet werden? .
 [GS.02_080,05] Ich frage weiter: Es gibt besonders in dieser Zeit, wie es sie auch zu allen Zeiten gegeben hat, eine Unzahl Menschen beiderlei Geschlechtes, welche gar wohl zeugungsfähig sind und eine sie mächtig drängende Natur besitzen; aber sie sind vermöge politischer und dürftiger Verhältnisse nicht imstande, sich zu verehelichen. Wenn nun solche doppelt bedrängte Menschen den Akt der Zeugung begehen, sündigen sie wider dieses sechste Gebot? .
 [GS.02_080,06] Man wird sagen: Sie sollen ihren Trieb Gott aufopfern und sich nicht begatten, so werden sie nicht sündigen. Ich aber sage: Welch ein Richter kann solch einen Fehler als eine wirkliche Sünde erklären? Was hat denn der Reiche darum für ein Verdienst, daß er sich ein ordentliches Weib nehmen kann, vor dem Armen, der dieser Glückseligkeit entbehren muß? Soll somit der Bemittelte ein größeres Recht auf die Zeugung seinesgleichen haben als der Arme? Heiligt also das Geld die Zeugung darum, weil sich der Reiche in den ordentlichen Besitz eines Weibes setzen kann, was tausend Unbemittelten unmöglich ist?
 [GS.02_080,07] Dazu läßt sich noch fragen: Wer ist denn so ganz eigentlich schuld an der vielfachen Verarmung der Menschen? Sicher niemand anderer als der glückliche Reiche, der durch seine eigennützige Spekulation viele Schätze an sich zieht, durch welche nicht selten tausend Menschen sich für den ordentlichen Ehestand hinreichend befähigen könnten. Und dennoch sollte da der reiche Ehemann allein von der Sünde der Unkeuschheit frei sein, so er mit seinem ordentlichen Weibe Kinder zeugt, und der Arme allein sollte der Sündenbock sein, weil er sich eben kein Weib nehmen kann? Wäre das nicht geradeso geurteilt, als so man auf der Erde irgendeinen Wallfahrtsort bestimmen möchte und dazu ein Gebot gäbe, demzufolge niemand zu Fuß diesen Ort besuchen darf, um dort irgendeine sein sollende Gnade zu empfangen, sondern ein jeder, der diesen Ort besucht und eine Gnade empfangen will, muß in einer höchst eleganten Equipage dahin gefahren kommen?
 [GS.02_080,08] Wer ein solches Gebot für gerecht finden sollte, der müßte doch sicher im Ernste von einer solchen Welt sein, von welcher der Schöpfer Himmels und der Erde selbst nichts weiß, das heißt von einer Welt, die nirgends existiert; oder er müßte ein Abgeordneter des Satans sein! .
 [GS.02_080,09] Wir sehen aber nun aus diesen Betrachtungen, daß es sich mit der Erklärung unseres sechsten Gebotes durchaus nicht tut. Was werden wir denn anfangen, um diesem Gebote einen vollgültigen Sinn abzugewinnen? Ich sage euch im voraus: Es ist die Sache nicht so leicht, als es sich jemand vorstellen möchte. Ja, ich sage: .
 [GS.02_080,10] Um den richtigen Sinn dieses Gebotes zu gewinnen, muß man ganz tief greifen und die Sache in der Grundwurzel fassen; sonst wird man sich dabei immer in der zweifelhaften Lage befinden, in der man leichtlich das, was nicht im entferntesten Sinne eine Sünde ist, als Sünde betrachten wird, und was wirklich eine Sünde ist, kaum der Mühe wert halten, es als eine Sünde zu betrachten. .
 [GS.02_080,11] Wo aber ist diese Wurzel? Wir werden sie sogleich haben. Ihr wisset, daß die Liebe der Urgrund und die Grundbedingung aller Dinge ist. Ohne Liebe wäre nie ein Ding erschaffen worden, und ohne die Liebe wäre so wenig irgendein Dasein denkbar, als wie wenig sich je ohne die wechselseitige Anziehungskraft eine Welt nach dem Willen des Schöpfers gebildet hätte. Wer das etwa nicht fassen sollte, der denke sich nur von einer Welt die wechselseitige Anziehungskraft hinweg, und sobald wird er sehen, wie sich alle Atome einer Welt plötzlich voneinander trennen und sich verflüchtigen werden wie ins Nichts.
 [GS.02_080,12] Also ist die Liebe der Grund von allem und ist zugleich der Schlüssel zu allen Geheimnissen. .
 [GS.02_080,13] Wie aber läßt sich eben die Liebe mit unserem sechsten Gebot in eine erklärende Verbindung bringen? Ich sage euch, nichts leichter als das, indem bei keinem Akte in der Welt die Liebe so innig verwoben ist wie gerade bei dem, den wir zu den unkeuschsündigen rechnen. .
 [GS.02_080,14] Wir wissen aber, daß der Mensch einer zweifachen Liebe fähig ist, nämlich der göttlichen, welche aller Selbstliebe entgegen, und der Selbstliebe, welche aller göttlichen Liebe entgegen ist. .
 [GS.02_080,15] Nun fragt es sich: So jemand den Akt der Zeugung begeht, welche Liebe war da der Beweggrund, die Eigenliebe, unter deren Botmäßigkeit auch jegliche Genußsucht steht, oder die göttliche Liebe, welche nur mitteilen will, was sie hat, ihrer selbst gänzlich vergessend? Sehet, wir sind jetzt schon ziemlich dem eigentlichen Hauptkerne auf der Spur. .
 [GS.02_080,16] Setzen wir nun zwei Menschen: der eine begeht den Akt aus selbstsüchtiger Genußsucht, der andere aber in dankbarer Andacht für die Zeugungsfähigkeit, seinen Samen einem Weibe mitzuteilen, um in ihr eine Frucht zu erwecken. Welcher von den beiden hat denn gesündigt? Ich glaube, hier einen Richter zu machen und ein rechtes Urteil zu fällen, wird eben nicht schwer sein. .
 [GS.02_080,17] Damit uns aber die Sache völlig klar wird, müssen wir uns auch mit dem Begriffe "Unkeuschheit" näher vertraut machen. Was ist Keuschheit und was ist Unkeuschheit? Keuschheit ist derjenige Gemütszustand des Menschen, in welchem er aller Selbstsucht ledig ist, oder in dem er rein ist von allen Makeln der Eigenliebe. Unkeuschheit ist derjenige Gemütszustand, in welchem der Mensch nur sich selbst berücksichtigt, für sich selbst handelt und seines Nebenmenschen, besonders in Berücksichtigung des Weibes, gänzlich vergißt.
 [GS.02_080,18] Die Selbstsucht aber ist nirgends schmählicher, als wie gerade bei dem Akte, wo es sich um die Fortzeugung eines Menschen handelt. Warum denn? Die Ursache liegt am Tage. Wie der Grund, wie der Same, so auch wird die Frucht. Ist göttliche Liebe, also die Keuschheit der Same, so wird auch eine göttliche Frucht zum Vorschein kommen; ist aber Eigenliebe, Selbst- und Genußsucht, also der unkeusche Zustand des Gemütes der Same, welch eine Frucht wird da hervorgehen?
 [GS.02_080,19] Sehet, in dem liegt es, was durch das sechste Gebot verboten ist. Wäre dieses Gebot beobachtet worden, so wäre die Erde noch ein Himmel, denn es gäbe auf ihr keinen selbstsüchtigen und herrschsüchtigen Menschen! Aber dieses Gebot ist schon im Anbeginne der Menschen übertreten worden, und die Frucht dieser Übertretung war der eigennützige und selbstsüchtige Kain.
 [GS.02_080,20] Aus dem aber geht hervor, daß nicht nur die so genannte fälschlich bezeichnete "Unzucht", welche man besser "Genußsucht" nennen sollte, in die Reihe unserer zu behandelnden Sünde gehört, sondern jegliche Genußsucht, wie gestaltet sie auch immer sein mag, besonders aber, wenn ein Mann das ohnehin schwache Weib sich eigennützig zum genußsüchtigen Nutzen macht, ist als Sünde der Unkeuschheit zu betrachten. - Ein kurzer Verfolg wird uns die Sache noch klarer vor die Augen bringen.

Was ist Hurerei?

 [GS.02_081,01] Man könnte hier sagen, indem es im sechsten Gebote nur heißt: "Du sollst nicht Unkeuschheit treiben", daß da die Hurerei nicht als verboten angesehen werden kann, da es im sechsten Gebote nirgends heißt: Du sollst nicht Hurerei treiben. - Ich aber sage: Was ist die Hurerei, welcher Art sie auch sein mag, geistig oder fleischlich? Sie ist eine sichere Anbequemung des Lasters, und zwar auf folgende Weise: Man philosophiert sich über die sündige Möglichkeit hinweg, setzt alle Erscheinungen in das Gebiet "natürlicher Bedürfnisse". Wenn jemandem seine eigene Wesenheit die Forderung kundgibt, sie zu befriedigen, so tut der Mensch zufolge seines Verstandes und seiner Erfindungskraft ja nur etwas Lobenswertes und Ersprießliches, so er für alle zu fordernden Bedürfnisse seiner Natur Mittel zustande bringt, durch welche denselben Genüge geleistet werden kann. Das Tier muß zwar seine Bedürfnisse in der rohesten instinktmäßigen Art befriedigen, weil es keinen Verstand, keine Vernunft und keinen Erfindungsgeist hat. Dadurch aber erhebt sich ja eben der Mensch über das gemein naturmäßig Tierische, daß er allein den Anforderungen seiner Art auf eine raffinierte Weise Genüge leisten kann. Daher sagt der Verstand des Kulturmenschen:
 [GS.02_081,02] Wer kann einem Menschen zur Sünde rechnen, so er sich mit Hilfe seines Verstandes ein stattliches Haus zur Bewohnung erbaut, und somit ein ehemaliges Erdloch oder einen hohlen Baum mit demselben vertauscht? Wer kann einem Menschen zur Sünde anrechnen, so er die Baumfrüchte veredelt, aus den sauren Äpfeln und Birnen süße und wohlschmeckende erzeugt? Wer kann einem Menschen zur Sünde anrechnen, wenn er sich einen Wagen erbaut, das Pferd zähmt, und dann viel bequemer eine Reise macht als mit seinen eigenen schwachen, leidigen Füßen? Wer ferner kann noch dem Menschen zum Fehler anrechnen, so er sich die Naturfrüchte zu seiner Nahrung kocht und würzt und sie ihm wohlschmeckender macht? Oder sind die Dinge in der Welt für einen anderen als für den Menschen erschaffen worden, damit er sie zweckdienlich benützen sollte? - .
 [GS.02_081,03] Wie viel Schönes und Nützliches hat der Mensch zu seiner Bequemlichkeit und zu seiner Erheiterung! Sollte ihm das zum Fehler angerechnet werden, so er durch seinen Verstand seinem Schöpfer Ehre macht, ohne den der Weltkörper so unkultiviert dastände wie eine barste Wüste, auf der alles durcheinanderwüchse in chaotischer Unordnung wie Kraut, Rüben und Brennnesseln? .
 [GS.02_081,04] Wenn aber dem Menschen die verschiedenartige Kultivierung des Erdbodens doch unmöglich zu einem Fehler angerechnet werden kann, obschon sie in sich durchaus kein anderes Zweckdienliches enthält als den angenehmeren und bequemeren Genuß der Dinge in der Welt; so wird doch andererseits auch ein raffinierter Zeugungsgenuß dem Menschen mitnichten können zum Fehler angerechnet werden, indem sich sonst selbst der gebildetste Mensch in diesem Akte am wenigsten von dem Tiere unterschieden hat. Also auch dieser Trieb des Menschen muß auf eine veredeltere und raffiniertere Weise befriedigt werden können, und das aus demselben Grunde, aus welchem man sich bequeme Wohnhäuser erbaut, weiche Kleider verfertigt, geschmackvolle Speisen bereitet, u. dgl. Annehmlichkeiten mehr. .
 [GS.02_081,05] Man nehme nur den Fall, ein Mensch gebildeten Standes hat zu seiner Befriedigung die Wahl zwischen zwei Weibspersonen, die eine ist eine schmutzige, gemeine Bauernmagd, die andere aber als die Tochter eines ansehnlichen Hauses ist ein wohlerzogenes, sehr nett gekleidetes, am ganzen Leibe makelloses und sonst üppiges und reizendes Mädchen. Frage: Wonach wird der gebildete Mann greifen? Die Antwort wird hier kein Kopfzerbrechen brauchen; sicher nach Nr. 2, denn vor Nr. 1 wird es ihm ekeln. Also ist auch hier eine Verfeinerung sicher am zweckdienlichsten Platze, weil der Mensch durch sie beurkundet, daß er ein höheres Wesen ist, welches alles Unangenehme und Schmutzige zu reinigen und angenehmer darzustellen die volle Macht und Kraft in sich hat. .
 [GS.02_081,06] Da aber der Mann wie das Weib in dieser Hinsicht ein öfteres Bedürfnis sich zu befriedigen in sich stark wahrnehmen, wobei man doch nicht allezeit die Anforderung machen kann, ein Kind zu erzeugen, wird es da wider die Gebühr der Ausübung seiner Verstandeskräfte sein, wenn er die Mittel aufstellt, durch welche die Befriedigung dieses Triebes zuwege gebracht werden kann, sei es nur durch den blinden Beischlaf mit den Weibern oder durch Selbstbefriedigung oder im Notfalle durch die so genannte Knabenschändung? Denn dadurch unterscheidet sich ja eben auch der Mensch von dem Tiere, daß er diesen am meisten naturmäßigen Trieb auf anderen Wegen befriedigen kann als gerade auf jenen nur, auf die er von der rohen Natur angewiesen wurde. Und sonach sind ja ganz besonders wohlkonditionierte Bordellhäuser und dergleichen Anstalten mehr zu billigen, und können dem Verstande des Menschen keineswegs zur Unehre, sondern nur zur Ehre gereichen!?
 [GS.02_081,07] Sehet, was läßt sich, naturmäßig betrachtet, allem dem entgegen einwenden? Denn das ist richtig, daß das Tier dergleichen Kultivierungen und allerlei Nuancierungen in der Befriedigung seines Geschlechtstriebes nimmer zuwege bringen kann; und so ist darin gewisserart eine Meisterschaft des menschlichen Verstandes unleugbar zu entdecken. Das alles ist richtig, das Tier hat in allem dem seine Zeit, außer welcher es stumpf für die Befriedigung dieses Triebes bleibt. .
 [GS.02_081,08] Aber was ist alle diese Raffinesse? Das ist eine kurze Frage, aber ihre Beantwortung ist groß und gewichtig. - Diese Raffinesse hat doch sicher nichts anderes zum Grundmotive als die entsetzlich leidige Genußsucht. Die Genußsucht aber, wissen wir, ist ein unverkennbares Kind der Eigenliebe, welche mit der Herrschliebe ganz identisch einhergeht. .
 [GS.02_081,09] Es ist wahr, in einem stattlichen Hause läßt sich angenehmer wohnen denn in einer niedrigen Erdhütte. Betrachten wir aber die Einwohner! Wie stolz und hochtrabend sehen wir den Bewohner eines Palastes einhergehen, und wie zerknirscht beugt sich der schlichte Hüttenbewohner vor einem solchen glänzenden Palastherrn!  [GS.02_081,10] Betrachten wir die Bewohner einer großen Stadt und dagegen die eines kleinen Bauerndorfes. Die Bewohner der großen Stadt wissen sich vor lauter Genußsucht nicht zu helfen, alle wollen angenehm leben, alle sich unterhalten, alle glänzen und womöglich ein bißchen herrschen. Kommt ein armer Landbewohner in die große Stadt, so muß er wenigstens einen jeden Stiefelputzer usw. "Euer Gnaden" anreden, will er sich nicht irgendeiner Grobheit aussetzen. .
 [GS.02_081,11] Gehen wir aber ins Dorf, da werden wir noch Hausväter antreffen, nicht selten friedliche Nachbarn, welche sich nicht "Euer Gnaden" und "Herrn von" titulieren. Was ist da wohl vorzuziehen, wenn ein Bauer zum andern spricht: "Bruder!" oder wenn in der Stadt ein nur wenig Bemittelter einen etwas mehr Bemittelten "Euer Gnaden" und "Herr von" und dgl. mehr anspricht? .
 [GS.02_081,12] Ich meine, es wird kaum nötig sein, dergleichen unsinnige Ausgeburten der Raffinesse des menschlichen Verstandes noch weiter zu verfolgen, sondern wir können sogleich den Hauptspruch machen: Alle derartige genußsüchtige Verfeinerungen sind nach vorangehender Betrachtung nichts als Abgöttereien; denn sie sind Opfer des menschlichen Geistes an die äußere tote Naturmäßigkeit. .
 [GS.02_081,13] Sind sie aber Abgöttereien, so sind sie auch die barste Hurerei, und daß sie nicht in die Sphäre der Keuschheit aufgenommen werden können, beweist ihre Tendenz. .
 [GS.02_081,14] Warum wurde Babel eine "Hure" genannt? Weil dort jede erdenkliche Raffinerie zu Hause war. Also heißt auch "die Hurerei treiben" im eigentlichen Sinne: der Unkeuschheit dienen nach aller Lebenskraft. So ist ein reicher Ehemann, der sich des alleinigen Genusses wegen ein üppiges und geiles Weib genommen hat, nichts als ein barster Hurer und das Weib eine barste Hure. Und eben also wird auch hier diesen Kindern die Unkeuschheit in ihrem Fundamente gezeigt, wie sie nämlich eine allerbarste Selbst- und Genußsucht ist. .
 [GS.02_081,15] Es war notwendig, dieses Gebot für euch gründlicher zu beleuchten, weil sich der Mensch über kein Gebot so leicht hinwegsetzt wie über dieses. - Ich meine daher, daß ihr nun auch diesen Vortrag verstehet; ...

Nun folgt eine verkürzte Fassung aller Gebote:

Jesus erklärt die 10 Gebote (ausführliche Erklärung in der "Geistigen Sonne",Bd.2, Kap.73 bis 104.

Die ersten drei Gebote:

 [GEJ.07_028,05] (Jesus) Wenn Moses sagt:
1. ,Du sollst allein an einen Gott glauben und keine fremden und nichtigen Götter der Heiden neben dem rechten Gott haben!', da erfüllst du dieses erste Gebot Mosis ja dadurch mehr als vollkommen, so du Gott über alles liebst. Denn könntest du Einen Gott recht über alles lieben, wenn du zuvor nicht ungezweifelt von Ihm glaubtest, daß Er wahrhaft da ist?! So du aber durch deine Liebe zu Ihm mehr als tageshell und lebendig dartust, daß du an einen Gott glaubst, - wirst du aus deiner großen Liebe zu Ihm wohl imstande sein, Seinen Namen je irgend zu verunglimpfen, zu verunehren und zu entheiligen?

(2. Du sollst den Namen Gottes nicht eitel nennen) Sicher ewig nicht! Denn was ein Mensch im höchsten Grade lieb hat, das ehrt er auch stets am meisten, und er wird sogar gegen jeden bitter und sehr ernst auftreten, der es ihm gegenüber wagen würde, sein Allerliebstes irgend zu verunehren.
 [GEJ.07_028,06] Wenn du das nun so recht in dir betrachtest, so mußt du schon auf den ersten Blick darüber ganz im klaren sein, wie sowohl das erste als auch das zweite Gesetz Mosis in dem einen Gebote der Liebe zu Gott ganz enthalten sind.
 [GEJ.07_028,07] (Jesus) So du, Meine liebe Helias, (Jesus diskutiert hier mit einer jungen Jüdin über die zehn Gebote Mosis) nun Gott ganz sicher über alles liebst und eben darum auch über alles ehrst, - wirst du dich da nicht gerne, und das sehr oft, von dem weltlichen Tagesgeschäft zurückziehen und dich mit dem Gegenstand deiner heißesten Liebe beschäftigen? Ja, ganz ungezweifelt wahr und sicher! Und siehe, darin besteht ja auch die wahrste und rechteste und vor Gott allein gültige Feier des Sabbats, die Moses befohlen hat!

(3. "Du sollst den Sabbat heiligen.") Denn an dem Tage selbst liegt wenig oder auch gar nichts, sondern allein daran, daß du am Tage oder in der Nacht in der Liebe und Ruhe deines Herzens gern an Gott denkst und dich mit Ihm unterhältst. Und siehe, wie auch das dritte Gebot Mosis in dem einen Gebote der Liebe zu Gott enthalten ist! GEJ.07_028,08] Wer sonach Gott wahrhaft über alles lieb hat, der hat Ihn auch sicher erkannt und hat einen lebendigen Glauben, gibt Gott auch alle Ehre und wird Seiner sicher stets am meisten gedenken. Und wer das tut, der kann keine Sünde gegen Gott begehen. Oder kann wohl eine Braut gegen ihren Bräutigam, den sie über die Maßen lieb hat und von dem sie wohlwissentlich noch mehr geliebt wird, irgendeine Sünde begehen? Nein, das sicher nicht, weil beide in ihrem Herzen völlig eins geworden sind eben durch die Liebe! Wer aber Gott wahrhaft über alles liebt und also durch die Liebe eins geworden ist mit Ihm, der wird auch seine Nebenmenschen als ihm ebenbürtige Kinder Gottes ebenso lieben, wie er sich selbst liebt, und wird ihnen das tun, was er mit klarer Vernunft will, daß die Menschen ihm tun möchten."

Das vierte Gebot: "Ehre Vater und Mutter, auf daß du lange lebest und es dir wohl gehe auf Erden"
 [GEJ.07_029,01] (Jesus) "Siehe, im vierten Gebote ist den Kindern die Liebe gegen ihre Eltern geboten! Die Eltern sind auf der Erde wohl die ersten Nächsten ihrer Kinder und lieben sie überaus. Sie sind ihre Ernährer, Beschützer und Erzieher und verdienen darum auch sicher alle Liebe und Ehre von den Kindern.
 [GEJ.07_029,02] Wenn denn ein gut erzogenes Kind seine Eltern liebt und ehrt, so wird es auch bemüht sein, alles das zu tun, was den Eltern eine rechte Freude macht. Und so ein Kind wird sich darum auch ein langes und gesundes Leben und ein bestes Wohlergehen auf Erden bereiten; ein Kind, das seine Eltern liebt und ehrt, das wird auch seine Geschwister lieben und ehren und stets bereit sein, ihnen alles Gute zu tun.
 [GEJ.07_029,03] Ein Kind oder ein Mensch aber, der seine Eltern und seine Geschwister wahrhaft liebt und ehrt, der wird auch die anderen Menschen darum lieben, weil er weiß und erkennt, daß sie alle Kinder ein und desselben Vaters im Himmel sind. Aus der ursprünglichen wahren Liebe zu den Eltern wird der Mensch zur Erkenntnis Gottes, seiner selbst und zur rechten Erkenntnis auch seiner Nebenmenschen geleitet und sieht dann bald und leicht ein, warum Gott die Menschen erschaffen hat, und was sie alle werden sollen. Dadurch gelangt er dann stets mehr und mehr zur Liebe zu Gott und durch diese zur Vollendung seines inneren, wahren, geistigen Lebens.
 [GEJ.07_029,04] Wer aber also seine Eltern, Geschwister und auch die anderen Nebenmenschen liebt und ehrt und darum auch Gott über alles liebt und ehrt, - wird der wohl je gegen jemanden eine Sünde begehen können? Ich sage es dir: Nein, denn er wird niemanden beneiden, niemanden hassen und fluchen, niemanden töten, weder leiblich, noch durch ein Ärgernis seelisch. Er wird sich keusch und wohlgesittet gegen jedermann benehmen, wird jedem gerne das Seinige lassen, wird niemand belügen und betrügen, und ist er auf dem ordentlichen Wege der Mann eines Weibes geworden, oder die züchtige Jungfrau das Weib eines Mannes, so wird er kein Verlangen tragen nach dem Weibe seines Nächsten und sein Weib nicht nach dem Manne ihrer Nachbarin, und du kannst nun daraus für deinen Verstand schon ganz gut entnehmen, wie und auf welche Weise das Gesetz und alle die Propheten in den zwei Geboten der Liebe enthalten sind, und wie diese dir von Mir nun kundgegebenen zwei Gebote keine Aufhebung des Gesetzes Mosis und der anderen Propheten zulassen, sondern nur die volle Erfüllung derselben sind. - Verstehst du das nun?"

Das fünfte Gebot: "Du sollst nicht töten"

 [GEJ.07_031,10] (Jesus) Wenn du deinen Nächsten liebst wie dich selbst, so wirst du ihn nicht hassen, nicht anfeinden und ihm keinen Schaden zufügen; tust du das aber, so wirst du ihn um so weniger je irgendwann weder leiblich und noch weniger seelisch durch allerlei Ärgernisse töten wollen.
 [GEJ.07_031,11] Du sollst nicht töten! Das ist ganz richtig und wahr also gegeben im Gesetze. Aber warum? Weil unter ,töten' schon von uralters her Neid, Scheelsucht, Zorn, Haß und Rache verstanden ward.
 [GEJ.07_031,12] ,Du sollst nicht töten!' heißt demnach soviel wie: Du sollst niemanden beneiden, sollst den Glücklicheren nicht mit scheelen Augen ansehen und sollst nicht im Zorn erbrennen wider deinen Nebenmenschen; denn aus dem Zorn entsteht der Haß, und aus dem Haß geht die böse, alles verheerende Rache hervor!
 [GEJ.07_031,13] Es steht ja auch geschrieben: ,Mein ist der Zorn, und Mein ist die Rache, spricht der Herr.' [GEJ.07_031,14] Ihr Menschen aber sollet euch in aller Liebe achten, und es soll einer dem andern gute Dienste erweisen; denn ihr alle habt an Mir einen Vater und seid somit gleich vor Mir! Ihr sollet euch untereinander nicht ärgern und lästern und einer soll dem andern durch bösen Leumund nicht die Ehre abschneiden; denn wer das tut, der tötet die Seele seines Nebenmenschen!
 [GEJ.07_031,15] Und seht, alles das ist kurz in dem Bilde ,Du sollst nicht töten!' ausgedrückt! Und die ersten Juden, auch noch die zu den Zeiten Salomos, verstanden dieses Gesetz nicht anders, und die Samariter als die Altjuden verstehen es heutzutage noch also. Wenn aber dieses Gesetz vom Fundamente aus nur also zu verstehen ist, - wie kann jemand da annehmen, daß durch dieses Gesetz dem Menschen die Notwehr gegen böse Menschen und sogar gegen reißende Tiere untersagt sei?"

Das sechste Gebot: "Du sollst nicht Unkeuschheit treiben, nicht ehebrechen"

 [GEJ.07_032,08] (Jesus) So zum Beispiel du das Weib eines ordentlichen Mannes wärst, - würde es dir wohl eine Freude machen, so das Weib deines Nachbarn deinen Mann begehrte und mit ihm triebe, was nicht recht wäre? Wenn du aber in deinem Herzen das sicher nicht wünschen könntest, daß dir so etwas geschehen solle, so mußt du auch gegen deine Nachbarin dich ebenso verhalten, wie du wünschest, daß diese sich gegen dich verhalten soll. Und was also da im Gesetze gesagt ist dem Manne, das gilt auch im gleichen Maße für das Weib.

Das siebte Gebot: "Du sollst nicht stehlen!"

 [GEJ.07_033,02] Sagte Helias: "O Herr, bei diesem Gebote finde ich nun, nachdem ich von Dir das richtige Licht erhalten habe, gar keine Mängel und Lücken mehr! Es heißt: ,Du sollst nicht stehlen!' Da ist ja schon wieder die wahre Nächstenliebe von oben an in die volle Betrachtung zu ziehen! Denn was ich vernünftiger maßen durchaus nicht wünschen kann, daß es mir geschehe, das darf ich auch meinem Nächsten nicht tun;

Das achte Gebot: "Du sollst kein falsches Zeugnis geben" - oder was ebensoviel sagt: Du sollst nicht lügen!

 [GEJ.07_034,03] Sagte Helias mit einem äußerst liebfreundlichen Gesicht: "O Herr, wer Deinen Willen tut, der sündigt nicht, und so will ich denn reden! Das achte Gebot lautet ganz einfach: ,Du sollst kein falsches Zeugnis geben!' Denn das hat mir mein alter Rabbi gar sehr oft gesagt, daß die Lüge eine allerabscheulichste Sünde ist; denn von ihr stammt alle böse List, aller Betrug, aller Zwist, Zank, Hader, Krieg und Mord. Man soll allzeit die Wahrheit im Munde führen und reden, was man ganz bestimmt weiß und fühlt, und sollte das auch irgendwann zu unserem irdischen Nachteile gereichen! Denn ein wahres Wort hat vor Gott einen viel größeren Wert als eine ganze Welt voll Gold und Edelsteine.
 [GEJ.07_034,06] Du würdest zum Beispiel von irgendeinem Richter befragt werden, ob du ein geheimes, großes Verbrechen, das etwa ein dir sehr teurer und liebster Anverwandter begangen hätte und von dem du wohl eine Kenntnis haben könntest, nicht näher kennest, und ob du nicht angeben könntest, wo sich der Verbrecher aufhalte, weil man seiner noch nicht habe habhaft werden können. Nun setze Ich bei dir aber den Fall, daß du sowohl über das Verbrechen deines sehr nahen Anverwandten, wie auch über seinen verborgenen Aufenthalt in ganz genauer Kenntnis wärst! Was würdest du dem Richter sagen, der dich darum befragt hat?"
 [GEJ.07_034,07] Sagte ganz beherzt die Helias: "Herr, so auch dieses achte Gebot auf der reinen Nächstenliebe fußt, da man nur darum über niemand ein falsches Zeugnis geben soll, um ihm dadurch nicht zu schaden, so kann doch umgekehrt dieses achte Gebot nicht eine Bedingung aufstellen, daß man dann durch eine rücksichtsloseste Wahrheit seinem Nächsten schaden soll! In einem solchen Falle würde ich mit der Wahrheit ewig nicht zum Vorschein kommen! Denn wem kann ich dadurch nützen? Dem strafsüchtigen Richter sicher nicht, weil er dabei nichts gewinnen kann, ob er den armen Verbrecher in seine Hände bekommt oder nicht, und dem armen Verbrecher, der sein Verbrechen irgend bereut und sich ernstlich bessert, noch weniger! Denn so ich ihn in die Hände des Richters liefere, dann ist er verloren vielleicht für ewig, was ich sogar dem nicht wünschen würde, der an mir selbst ein Verbrechen begangen hätte. Also in dem Falle würde ich der Wahrheit offenbar den Rücken zuwenden und an dem armen Verbrecher selbst um den Preis meines Lebens keine Verräterin machen!
 [GEJ.07_034,08] Wenn nach Deiner Erklärung, o Herr, die Nächstenliebe darin besteht, daß man seinem Nächsten alles das tun soll, was man wünschen kann, daß er es auch unsereinem tun möchte, so kann mir selbst der aller gerechteste Gott nicht verargen, wenn ich sogar meinem größten Feinde das nicht antun möchte, was ich in seiner Lage sicher auch nicht wünschen könnte, daß ein anderer Nächster an mir einen Verräter machte. Zudem bedarf Gott, um irgendeinen groben Sünder zu züchtigen, weder eines weltlichen Richters und noch weniger eines verräterischen Leumundes. Er, der Allwissende, der Allergerechteste und Allmächtige, wird den Verbrecher schon auch ohne einen Weltrichter und ohne meinen Mund zu züchtigen verstehen! Es ist Ihm bis jetzt noch keiner durchgegangen, und so wird Ihm auch in der Folge keiner durchgehen!
 [GEJ.07_034,10] Ich bin nun der Meinung, daß, wenn Gott und Moses in dem achten Gebot keine Ausnahme gestellt haben, eben in diesem Gebote eine große Lücke offengeblieben ist, die allein durch Dein Gebot der Nächstenliebe ausgefüllt werden kann und auch ausgefüllt werden muß. - Habe ich recht oder nicht?"
 [GEJ.07_034,11] Sagte Ich: "Einesteils wohl, aber andernteils auch wieder nicht! Denn siehe, der Verbrecher wäre nach seiner Flucht kein besserer Mensch geworden, sondern würde, dir etwa nicht unbekannt, noch mehrere und größere Verbrechen zum Schaden vieler Menschen verüben! So du aber dann dem Gerichte kundtätest, wo sich der Verbrecher aufhält, damit dann das Gericht sicher nach ihm fahnden kann, so würdest du dadurch ja viele Menschen vor großem Unglücke retten und ihnen dadurch einen großen Liebesdienst erweisen. Was meinst du zu diesem sehr leicht möglichen Falle?"
 [GEJ.07_034,12] Hier stutzte die Helias und wußte nicht so ganz recht, was sie darauf erwidern sollte. Erst nach einer Weile tieferen Nachdenkens sagte sie: "Nun, wo eines schlechten und unverbesserlichen Menschen wegen viele Unschuldige leiden müßten, da sagt die Vernunft, daß es besser sei, so dieser eine wohl verdientermaßen leidet. Da ist es dann eben wieder infolge der wahren Nächstenliebe angezeigt, die Wahrheit, wenn sie verlangt wird, zu reden. Ob man aber bei solch einer Angelegenheit einen freiwilligen Verräter machen soll, das hast Du, o Herr, allein zu bestimmen!" [GEJ.07_034,13] Sagte Ich: "Dazu sei von Mir aus niemand (angehalten), sondern das steht euch frei!

9. "Du sollst nicht nach dem verlangen, was deines Nächsten ist, weder nach seinem Hause, nach seinem Ochsen, nach seinem Esel und nach seinem Grunde, noch nach allem dem, was auf demselben wächst."

10. "Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib!"

 [GEJ.07_036,02] (Jesus) Du kannst denken, was du willst, so kannst du dadurch nicht sündigen, so dein Herz an einem unordentlichen Gedanken kein Wohlgefallen findet. Findest du aber an einem schlechten Gedanken ein Wohlgefallen, so verbindest du auch schon deinen Willen mit dem schlechten, aller Nächstenliebe baren Gedanken und bist nicht ferne davon, solchen Gedanken, der einmal schon von deinem Wohlgefallen und von deinem Willen belebt worden ist, in die Tat übergehen zu lassen, wenn dir die Umstände günstig erscheinen und die Tat ohne äußere Gefahr zulassen. Daher ist die weise Überwachung der im Menschenherzen vorkommenden Gedanken durch das geläuterte Licht des Verstandes und der reinen Vernunft ja doch von der höchsten Wichtigkeit, weil der Gedanke der Same zur Tat ist, und es könnte die notwendige und weise Überwachung der Gedanken wahrlich nicht trefflicher ausgedrückt sein als eben dadurch, daß da Moses sagt: ,Laß dich nicht gelüsten nach diesem und jenem!' Denn so es dich einmal stark zu gelüsten anfängt, so ist dein Gedanke schon belebt durch dein Wohlgefallen und durch deinen Willen, und du wirst dann deine Not haben, solch einen belebten Gedanken in dir völlig zu ersticken. Der Gedanke, und die Idee, ist ja, wie früher gesagt, der Same zur Tat, die da die Frucht des Samens ist. Wie aber der Same, so dann auch die Frucht!
 [GEJ.07_036,03] Du kannst daher denken, was du willst; aber belebe keinen Gedanken und keine Idee eher zur Frucht, als bis du ihn vor dem Richterstuhle deines Verstandes und deiner Vernunft gehörig durchgeprüft hast! Hat der Gedanke da die Licht- und Feuerprobe bestanden, dann erst kannst du ihn zur Frucht oder Tat beleben, und es kann dich da dann schon gelüsten nach etwas Gutem und Wahrem; aber nach etwas Unordentlichem, das offenbar wider die Nächstenliebe geht, soll es dich nicht gelüsten! Und darin liegt das, was Moses in seinem letzten Gesetze ausgedrückt hat, und es liegt darin wahrlich wohl nie und nirgends der Widerspruch mit den inneren Lebensfunktionen, Was soll, ja was kann aus einem Menschen werden, wenn er nicht schon frühzeitig lernt, seine Gedanken zu prüfen, zu ordnen und alles Unreine, Böse und Falsche aus ihnen zu scheiden? Ich sage es dir, solch ein Mensch würde schlechter und böser werden denn ein allerreißendstes und bösestes Tier!
 [GEJ.07_036,04] In der guten und weisen Ordnung der Gedanken liegt ja der ganze Lebenswert eines Menschen. (Daher hat)Moses zur Regelung der Gedanken, Wünsche und Begierden auch ein Gebot (gegeben) und hat (deshalb) ein solches am allermeisten zu berücksichtigende (9. und 10.) Gebot (genau so wie ersten acht Gebote unmittelbar) vom wahren Geiste Gottes empfangen!


Seiteninhaber: Helmut Betsch   Bleiche 22   74343 Sachsenheim   Email: helmut.franz.sehel [aet] t-online.de

 Nach oben