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Gehirn und Seele, wie sich das Gehirn verbessern lässt

Leseproben des Propheten Jakob Lorber

Wie sich das Gehirn verbessern lässt

Gehirn und Seele

 [GEJ.04_227,01] (Großes Ev. Johannes) Sage Ich: "Ich habe es euch schon früher einmal gezeigt, wie eine Seele und am Ende der ganze Mensch durch eine verkehrte Erziehung um alle menschlichen, Mir ähnlichen Herrlichkeitsfähigkeiten kommt! Wenn du bei einem Kinde zuerst den Verstand einer gewissen Bildung unterziehst, und es ist das Gehirn noch nicht zu zwei drittel Teilen reif ausgebildet und wird dennoch belästigt, Worte, Bilder und Zahlen in einer Unzahl auf die noch sehr weichen und auch noch wäßrigen, in der besten Ausbildung begriffenen Gehirntäfelchen entsprechend bildlich aufzunehmen, so werden diese obbenannten Täfelchen einerseits zu sehr abgehärtet und anderseits durch zu starke Memorialanstrengungen in eine gänzliche Unordnung gebracht, infolgedessen dann solche Kindlein später als Jünglinge und noch später als Männer beständig von Kopfschmerzen geplagt sind, von denen sie zeitlebens nie völlig befreit werden können.
 02 Das ganze Gehirn wird schon lange vorher mit allerlei Zeichen überkleistert und für die Aufnahme der ganz subtilen Zeichen, die, aus dem Gemüte zuerst aufsteigend, sich den sehr empfänglichen Gehirntäfelchen einprägen sollen, ganz unempfänglich gemacht. Wird später der Seele auch etwas vom Gemüte, irgendeine höhere geistige Wahrheit, vorgetragen, so hat diese keine Haft irgend, und die Seele kann sie nicht fassen, weil diese Wahrheit der Seele nicht irgend mehr für länger als auf einen Moment nur beschaulich dargestellt werden kann.
 03 Zudem hat die Seele stets eine Menge der materiellen, groben Weltbilder wie einen dichten Wald vor sich und kann unmöglich durch diese die gar zarten, kleinen, endlos vielen, nur ganz schwach eingeprägten Zeichen erschauen. Erspäht sie auf Augenblicke die ganz leise aufgetragenen Dunstbilder, die aus dem Herzen aufgestiegen sind, so erscheint ihr das als ein Zerrbild, das sie unmöglich fassen und klar genug erschauen kann, weil die groben Materiebilder vor das geistige Bild zu stehen kommen und dasselbe zum Teile verdecken und zum Teile zerstören.
 04 Nun würdest du meinen und sagen: ,Ja, wozu muß denn die Seele gerade auf die Gehirntäfelchen sehen? Sie befasse sich nur gleich mit dem Herzen und gehe also ein in ihres Geistes Licht!‘ Wäre alles recht, wenn man nur gleich so, das Leben unbeschadet, die einmal gestellte Lebensordnung ganz umgestalten könnte!
 05 Wäre es denn nicht auch wohl füglich, so man jemandem, der durch was immer für Ursachen entweder schon im Mutterleibe oder nachher auf der Welt blind geworden ist, etwa am Kinn oder auf der Stirne oder auf der Nase ein paar Augen erschaffen würde? - Das wäre ganz gut, wenn so ein paar neue, anderorts angebrachte Augen nur nicht auch einen ganz andern Leibesorganismus benötigten!
 06 Denn beim Mechanismus des Menschenleibes besteht eine so strenge, mathematische Ordnung, dernach alles auf seinem Platze nicht um ein Haar verrückbar steht und ohne gänzliche Veränderung des ganzen Organismus des Leibes nicht verändert werden kann. Es ist demnach ganz unmöglich, jemandem ein Sinneswerkzeug an irgendeine andere Stelle des Leibes hinzusetzen, ohne den ganzen Leib total umzugestalten, ihm zu geben eine andere Form und eine ganz andere innere Einrichtung.
 07 Wie man aber dem Leibe keine anderortigen Sinne anstatt der schon rechtorts bestehenden aus dem wohl gezeigten Grunde hinstellen kann, so ist das auch bei der Seele, die ein noch viel zarterer, geistiger Organismus ist, um so mehr der Fall! Sie kann nur sehen und hören durch das Gehirn des Leibes; die andern Eindrücke, die aber stumpf und unerklärbar sind, kann die Seele freilich auch mit anderen Nerven wahrnehmen, aber sie müssen dennoch mit den Gehirnnerven in einer ununterbrochenen Verbindung stehen, da sonst der Gaumen keinen Geschmack und die Nase keinen Geruch hat."

Die rechte Bildung des Gehirns

[GEJ.04_228,01] (Der Herr:) "Solange die Seele den Leib bewohnt, ist und bleibt das Gehirn das Hauptsehorgan der Seele. Ist dieses recht gebildet, so wird die Seele die aus dem Gemüte dem Gehirn eingeprägten Lebensbilder gut und genau erschauen und wird auch danach denken, schließen und handeln; denn kann die Seele auch in gewissen entzückten Momenten durch die Auflegung der Hände eines Glaubens- und Willensstarken aus der Magengrube für sich allein helle sehen, wie euch unser Zorel ein Beispiel abgab, so nützt ihr das fürs reelle Leben wenig oder nichts, denn es kann ihr davon in der finstern Behausung ihres Fleischleibes auch nicht die allerleiseste Rückerinnerung bleiben.
 02 Wo bei irgendeinem Schauen und Wahrnehmen der Seele während ihres Leibeslebens das Gehirn des Hauptes nicht mitbetätigt ist, da bleibt der Seele keine Erinnerung, sondern höchstens nur eine dumpfe Ahnung; denn für das, was die Seele in ihres Hauptes Gehirn aufnimmt, hat sie ebensowenig irgendeine Sehe, als der Leib irgendeine Sehe hat, die inwendig das besehen könnte, was alles sich durch die Augen und durch die Ohren in die vielen Gehirntäfelchen bildlich eingeprägt hat. Solches kann nur die Seele beschauen, die inwendig alles Fleischlichen ist.
 03 Was aber dann entsprechend im seelischen Gehirne haften bleibt, das kann die Seele mit ihren Augen, die so wie die des Leibes nur nach außen gerichtet sind, nicht erschauen und mit ihren Ohren nicht vernehmen, sondern das kann nur der Geist in ihr, darum ein Mensch auch erst dann etwas rein Geistiges vollends erkennen kann, so der Geist, in der Seele vollauf erwacht, in diese übergegangen ist.
 04 Was aber inwendig im Geiste ist, das erkenne Ich und aus Mir dann wieder des Menschen Geist, der mit Mir oder mit Meinem Geiste identisch ist; denn er ist Mein Abbild in der Seele also, wie die Sonne ihr volles Abbild legt in einen Spiegel.
 05 Solange demnach eine Seele den Leib bewohnt, ist ihr ein recht gebildetes Leibesgehirn zum wahren, hellen Schauen unumgänglich nötig; aber ein verbildetes Gehirn nützt ihr fürs geistige Schauen gar nichts, wie ihr auch das Schauen durch die Magengrube nichts nützt, weil sie davon, wie es gezeigt wurde, keine Rückerinnerung behalten kann. Denn wenn solches auch in ihrem geistigen Gehirne haften bleibt für ewig, so hat sie dafür doch kein Auge und kein Ohr, was erst der in ihr erwachte Geist hat.
 06 Wenn sonach das Gehirn aus dem Herzen richtig und recht nach Meiner Ordnung gebildet wird und die geistigen Lebensbilder, welche ein Licht sind, sich den Gehirntäfelchen eher einprägen als die materiellen, so werden dann die darauf folgenden außenweltlichen durchleuchtet und dadurch leicht in allen ihren Teilen gar wohl verständlich und der wahren Weisheit nach begreiflich und faßlich. Und das daraus durchgehende Licht erfüllt dann nicht nur den ganzen menschlichen Organismus, sondern strömt in geistig hellen Strahlen noch weit über denselben hinaus und bildet so die Außenlebenssphäre, mit der ein Mensch dann, wenn sie mit der Zeit notwendig stets dichter und kräftiger geworden ist, in die Außenwelt auch ohne die Wiedergeburt des Geistes Wunderbares wirken kann, wie ihr solches bei unseren Mohren gesehen habt.
 07 Ist aber beim Menschen das Gehirn verkehrt gebildet und haften auf dessen Gehirntäfelchen nur matte Schattenbilder, zu deren Beschauung die Seele am Ende all ihr Lebenslicht verwenden muß, um sie nur höchst oberflächlich nach den äußersten Formumrissen zu erkennen, so kann die Seele selbst ja nie also leuchtend werden, daß sich aus ihrem überschwenglichen Lichte ein Außenlebenskreis bilden könnte.
 08 Nur durch eine rechte Demut, durch die mächtigste Liebe zu Gott und zum Nächsten und durch ein besonderes Streben nach geistigen Dingen werden die materiellen Bilder im Gehirne erleuchtet und dadurch in geistige verkehrt, und das Gehirn wird dadurch zu einiger Ordnung gebracht, - aber im Leibesleben dennoch nimmer zu derjenigen, wie ihr sie bei diesen Mohren ersehet.
 09 Aber es macht solches nichts; denn Mir ist ein Wiedergeborener aus euch lieber denn 99 solche naturvollkommenen Seelen, die noch nie einer Buße bedurft haben. Denn Meine rechten Kinder müssen aus ihrer Schwäche stark werden!
 10 Hast du, Mein Cyrenius, nun solches alles wohl verstanden, und sind deine Fragen nun wohl beantwortet?"

Cyrenius bittet um Verdeutlichung der Gehirnlehre

 [GEJ.04_229,01] Sagt Cyrenius: "Herr, aufrichtig gefühlt und gesprochen, um diese Deine Erklärung ganz richtig verstehen zu können, müßte man doch irgendeine Kunde vom Gehirn im Menschenkopfe haben, da man sich sonst doch unmöglich die Gehirntäfelchen, auf die entweder in der rechten Bildungsweise die seelisch-geistigen Bilder oder bei der schlechten und verkehrten Bildungsweise die materiellen, groben Weltbilder zuerst gezeichnet werden, irgend richtig vorstellen kann und noch weniger, wie auf solche Täfelchen die verschiedenartigen Lebensbilder gezeichnet werden.
 02 Wäre es Dir, o Herr, denn nicht genehm - da Dir doch alle Dinge möglich sind -, uns so ein Beispiel oder Ebenbild eines Gehirntäfelchens, sowohl des Vorderhauptes wie auch des Hinterhauptes, vorzustellen, auf daß wir dann auch eine richtige Vorstellung von dem, was Du Selbst als Wichtigstes zu erkennen angeraten hast, überkommen möchten?! Denn wenn man bei einer so ungeheuer wichtigsten Belehrung sich von einer dabei vorkommenden Sache keinen völlig richtigen Begriff machen kann, so muß dann offenbar auch das Ganze darunter leiden!
 03 Unsere Seele ist sicher noch viel zu lichtlos, um selbst des Hauptes Gehirntäfelchen sowohl ihrer Form als auch ihrer Brauchbarkeit nach richtig zu beurteilen oder gar hellseherisch zu beschauen, um sich selbst davon einen rechten Begriff zu schaffen. Es ist also notwendig, daß uns schwachseelischen Weißen wenigstens von jenem Organismus unseres Leibes eine richtige Kenntnis verschafft wird, von dessen gerechter Ausbildung des Menschen Lebenswohl oder -übel sozusagen nahezu ganz allein abhängt. Wenn, wie gesagt, o Herr, es Dir genehm wäre, so möchte ich wohl gerne so ein oder mehrere Gehirntäfelchen zu sehen bekommen; aber auch, wo tunlich, mit den rechten und dann mit den unrechten Zeichnungen!"
 04 Sage Ich: "Ich wußte es ja, daß Ich euch darauf hinbringen werde, wo ihr das Mangelnde an euch selbst erkennen und ein rechtes Bedürfnis fühlen würdet, die Lücken in euch auszufüllen; und siehe, dies dein Verlangen ist Mir lieber denn ein anderes, laut dessen du dich ehedem nahezu aufgehalten hast, als Ich zu erkennen gab, daß die Seele selbst eines völlig wiedergeborenen Menschen für sich in der materiellen Kreaturenwelt nimmer das Wunderbare leisten wird, das eine urunverdorbene Seele für sich und aus sich vollbringt!
 05 Ich sagte dir zwar wohl, daß ein Wiedergeborener das zu leisten vermöchte, was Ich Selbst zu leisten vermag, freilich nur in und durch Meine Ewigkeitsordnung; aber damit schienst du nicht so ganz zufrieden gewesen zu sein! Du beachtest aber dabei nicht, daß diese urvollkommenen Seelen sonst auch nichts vermögen als nur das, was in Meiner Ordnung zulässig und nutzbringend wohl möglich ist.
 06 Denn alles, was sie mit der Kraft ihrer seelischen Außenlebenssphäre als euch scheinend Wunderbares wirken, ist etwas, das ebenso natürlich ist, als wie natürlich es ist, daß hier dieser Boden mit Moos und Gras bewachsen ist und das Wasser dieses Binnenmeeres in der großen Grube stehen bleibt vermöge der ihm innewohnenden Schwere. Findest du aber diese beiden dir nun angeführten Naturerscheinungen in der Ordnung und vollen Natürlichkeit, so wirst du auch das ganz leicht in derselben Ordnung und Natürlichkeit finden, was diese urvollkommenen Seelen als für ihre irdische Lebenssphäre und für das von ihnen bewohnte Land notwendig zu leisten imstande sein müssen.
 07 Diese Mohren haben wohl eine sehr schwarze Haut, aber dafür eine desto lichtvollere Seele. Sie kennen auch zum größten Teile die wichtigsten Organe ihres inneren Hauptleibeslebensorganismus, und die Gehirntäfelchen sind ihnen wohlbekannt; denn ihre urvollkommenen Seelen können von innen heraus ihren Leib beschauen, und ist am selben etwas krank, so sehen sie die Stelle, wo das Übel sitzt, wie auch das, worin das Übel besteht.
 08 Mit ihrer Außenlebenssphäre, die in solchen Momenten sehr kräftig wirkt, finden sie auch bald das Kraut, durch dessen Gebrauch das Übel so oder so bald beseitigt wird. Nur wenn bei ihnen die Sehnen und Spannadern faul und schlaff werden und dicker das Blut, so glauben sie, daß es dann kein Kraut mehr gäbe, dem allgemeinen Gebrechen des alt und aus ganz natürlichen Gründen schwach und sehr müde und träge gewordenen Leibes abzuhelfen; dann sei es schon am besten, daß die Seele für sich sorge, sich zusammenraffe und den für weiterhin gänzlich unbrauchbar und häßlich gewordenen Leib verlasse und sich begebe, von allen irdischen Banden frei, in das Land der Wonne, das da sei zwischen Sonne, Mond und Erde für immerdar und ewig.
 09 Diese Menschen haben denn auch nicht die geringste Furcht vor dem Tode, wohl aber fürchten sie eine Krankheit des Leibes, weil dadurch die Seelenkräfte unnötigerweise in einen tätigsten Anspruch genommen würden und dadurch die Seele selbst nachher auf eine Zeitlang schwach und somit unvollkommen bleiben müßte."


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