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Jesus und die Wunder, Geburt des Herrn, Gespräch mit Gott, unbefleckte Empfängnis

Leseproben des Propheten Jakob Lorber

Jesus und die Wunder

Die Ankündigung der Geburt des Herrn durch einen Engel. Marias demutvolle Ergebenheit.

 [JJ.01_003,01= Jugend Jesu - Das Jakobus-Evangelium] An einem Freitage morgens aber nahm Maria abermals den Wasserkrug und ging hinaus, ihn mit Wasser zu füllen, und horch! - eine Stimme sprach zu ihr:
 [JJ.01_003,02] "Gegrüßet seist du, an der Gnade des Herrn Reiche! Der Herr ist mit dir, du Gebenedeite unter den Weibern!"
 [JJ.01_003,03] Maria aber erschrak gar sehr ob solcher Stimme, da sie nicht wußte, woher sie kam, und sah sich darum auch behende nach rechts und links um; aber sie konnte niemanden entdecken, der da geredet hätte.
 [JJ.01_003,04] Darum aber ward sie noch voller von peinigender Angst, nahm eiligst den gefüllten Wasserkrug und eilte von dannen ins Haus.
 [JJ.01_003,05] Als sie da bebend anlangte, stellte sie sobald den Wasserkrug zur Seite, nahm den Purpur wieder zur Hand, setzte sich auf ihren Arbeitssessel und fing den Purpur wieder gar emsig an fortzuspinnen.
 [JJ.01_003,06] Aber sie hatte sich noch kaum so recht wieder in ihrer Arbeit eingefunden, siehe, da stand schon der Engel des Herrn vor der emsigen Jungfrau und sprach zu ihr:
 [JJ.01_003,07] "Fürchte dich nicht, Maria, denn du hast eine endlos große Gnade gefunden vor dem Angesichte des Herrn; siehe, du wirst schwanger werden vom Worte Gottes!"
 [JJ.01_003,08] Als Maria aber dieses vernommen hatte, da fing sie an, diese Worte hin und her zu erwägen, und konnte nicht erfassen ihren Sinn; darum sprach sie denn zum Engel:
 [JJ.01_003,09] "Wie solle denn das vor sich gehen, bin ich doch noch lange nicht eines Mannes Weib und habe auch noch nie dazu eine Bekanntschaft mit einem Manne gemacht, der mich sobald nähme zum Weibe, auf daß ich gleich andern Weibern schwanger würde und dann gebäre ihnen gleich?"
 [JJ.01_003,10] Der Engel aber sprach zur Maria: "Höre, du erwählte Jungfrau Gottes! Nicht also solle es geschehen, sondern die Kraft des Herrn wird dich überschatten.
 [JJ.01_003,11] Darum wird auch das Heilige, das da aus dir geboren wird, der Sohn des Allerhöchsten genannt werden!
 [JJ.01_003,12] Du sollst Ihm aber, wann Er aus dir geboren wird, den Namen Jesus geben; denn Er wird erlösen Sein Volk von all den Sünden, vom Gerichte und vom ewigen Tode."
 [JJ.01_003,13] Maria aber fiel vor dem Engel nieder und sprach: "Siehe, ich bin ja nur eine Magd des Herrn; daher geschehe mir nach Seinem Willen, wie da lauteten deine Worte!" - Hier verschwand der Engel wieder, und Maria machte sich wieder an ihre Arbeit.

Marias kindlich-unschuldiges Gespräch mit Gott und die Antwort von oben.

 [JJ.01_004,01] Als aber darauf der Engel sobald wieder verschwand, da lobte und pries Maria Gott den Herrn und sprach also bei sich in ihrem Herzen:
 [JJ.01_004,02] "O was bin ich denn doch vor Dir, o Herr, daß Du mir solche Gnade erweisen magst? -
 [JJ.01_004,03] Ich solle schwanger werden, ohne je einen Mann erkannt zu haben; denn ich weiß ja nicht, was Unterschiedes da ist zwischen mir und einem Manne.
 [JJ.01_004,04] Weiß ich denn, was das so in der Wahrheit ist: schwanger sein? O Herr! siehe, ich weiß es ja nicht!
 [JJ.01_004,05] Weiß ich wohl, was das ist, wie man sagt: ,Siehe, ein Weib gebäret‘? - O Herr! siehe mich gnädig an; ich bin ja nur eine Magd von vierzehn Jahren und habe davon nur reden gehört - und weiß aber darum doch in der Tat nichts!
 [JJ.01_004,06] Ach, wie wird es mir Armseligen ergehen, so ich werde schwanger sein - und weiß nicht, wie da ist solch ein Zustand!
 [JJ.01_004,07] Was wird dazu der Vater Joseph sagen, so ich ihm sagen werde, oder er es etwa also merken wird, daß ich schwanger sei?!
 [JJ.01_004,08] Etwas Schlimmes kann das Schwangersein ja doch nicht sein, besonders wenn eine Magd, wie einst die Sara, vom Herrn Selbst dazu erwählet wird?
 [JJ.01_004,09] Denn ich habe es ja schon öfter im Tempel gehört, welch eine große Freude die Weiber haben, wenn sie schwanger sind!
 [JJ.01_004,10] Also muß das Schwangersein wohl etwas recht Gutes und überaus Beseligendes sein, und ich werde mich sicher auch freuen, wann mir das von Gott gegeben wird, daß ich schwanger werde!
 [JJ.01_004,11] Aber wann, wann wird das geschehen, und wie? - oder ist es schon geschehen? Bin ich schon schwanger, oder werde ich es erst werden?
 [JJ.01_004,12] O Herr! Du ewig Heiliger Israels, gebe mir, Deiner armen Magd, doch ein Zeichen, wann solches geschehen wird, auf daß ich Dich darob loben und preisen möchte!"
 [JJ.01_004,13] Bei diesen Worten ward Maria von einem lichten Ätherhauche angeweht, und eine gar sanfte Stimme sprach zu ihr:
 [JJ.01_004,14] "Maria! sorge dich nicht vergeblich; du hast empfangen, und der Herr ist mit dir! - Mache dich an deine Arbeit, und bringe sie zu Ende, denn fürder wird für den Tempel keine mehr gemacht werden von dieser Art!"
 [JJ.01_004,15] Hier fiel Maria nieder, betete zu Gott und lobte und pries Ihn für solche Gnade. - Nachdem sie aber dem Herrn ihr Lob dargebracht hatte, erhob sie sich und nahm ihre Arbeit zur Hand.

Die unbefleckte Empfängnis.

 [JJ.01_016,16] "Salome, Salome! komme und sehe mein Morgengesicht in der Wirklichkeit bestätigt! - Die Jungfrau hat in der Fülle der Wahrheit geboren, was die menschliche Weisheit und Natur nimmer zu fassen vermag!"
 [JJ.01_016,17] Die Salome aber sprach: "So wahr Gott lebt, kann ich eher nicht glauben, daß eine Jungfrau geboren habe, als bis ich sie werde mit meiner Hand untersucht haben!"
17. Kapitel - Der ungläubigen Salome Bitte an Maria. Salomes Zeugnis der unverletzten Jungfräulichkeit Mariens. Das Gottesgericht. Des Engels Weisung an Salome. Salomes Genesung. 26. August 1843
 [JJ.01_017,01] Nachdem aber die Salome solches geredet hatte, trat sie sobald hinein in die Höhle und sprach:
 [JJ.01_017,02] "Maria, meine Seele beschäftiget kein geringer Streit; daher bitte ich, daß du dich bereitest, auf daß ich mit meiner wohlerfahrnen Hand dich untersuche und daraus ersehe, wie es mit deiner Jungfrauschaft aussehe!"
 [JJ.01_017,03] Maria aber fügte sich willig in das Begehren der ungläubigen Salome, bereitete sich und ließ sich untersuchen.

[Gott hatte mit Seiner Allmacht nach Jesu Geburt den jungfräulichen Zustand der Maria wieder hergestellt!]

 [JJ.01_017,04] Als aber die Salome Marias Leib anrührte mit ihrer prüfenden Hand, da erhob sie sobald ein gewaltiges Geheul und schrie überlaut:
 [JJ.01_017,05] "Wehe, wehe mir meiner Gottlosigkeit wegen und meines großen Unglaubens willen, daß ich habe wollen den ewig lebendigen Gott versuchen! - denn sehet, sehet hierher! - meine Hand verbrennt im Feuer des göttlichen Zornes über mich Elende!!!"
 [JJ.01_017,06] Nach diesen Worten aber fiel sie sobald vor dem Kindlein auf ihre Knie nieder und sprach:
 [JJ.01_017,07] "O Gott meiner Väter! Du allmächtiger Herr aller Herrlichkeit! Gedenke mein, daß auch ich ein Same bin aus Abraham, Isaak und Jakob!
 [JJ.01_017,08] Mache mich doch nicht zum Gespötte vor den Söhnen Israels, sondern schenke mir meine gesunden Glieder wieder!"
 [JJ.01_017,09] Und siehe, sobald stand ein Engel des Herrn neben der Salome und sprach zu ihr: "Erhört hat Gott der Herr dein Flehen; tritt zu dem Kindlein hin und trage Es, und es wird dir darob ein großes Heil widerfahren!"
 [JJ.01_017,10] Und als solches die Salome vernommen hatte, da ging sie auf den Knien vor Maria hin und bat sie um das Kindlein.
 [JJ.01_017,11] Maria aber gab ihr willig das Kindlein und sprach zu ihr: "Es möge dir zum Heile gereichen nach dem Ausspruche des Engels des Herrn; der Herr erbarme Sich deiner!"
 [JJ.01_017,12] Und die Salome nahm das Kindlein auf ihre Arme und trug es kniend und sprach, sobald sie das Kindlein auf dem Arme hatte:
 [JJ.01_017,13] "O Gott! Du allmächtiger Herr Israels, der Du regierest und herrschest von Ewigkeit! - In aller, aller Fülle der Wahrheit ist hier Israel ein König der Könige geboren, welcher mächtiger sein wird denn da war David, der Mann nach dem Herzen Gottes! Gelobet und gepriesen sei Du von mir ewig!"
 [JJ.01_017,14] Nach diesen Worten ward die Salome sobald völlig wieder geheilt, gab dann unter der dankbarsten Zerknirschung ihres Herzens das Kindlein der Maria wieder und ging also gerechtfertigt aus der Höhle wieder.
 [JJ.01_017,15] Als sie aber draußen war, da wollte sie sobald laut zu schreien anfangen über das große Wunder aller Wunder und hatte auch ihrer Schwester sogleich zu erzählen angefangen, was ihr begegnet ist.
 [JJ.01_017,16] Aber sobald meldete sich eine Stimme von oben und sprach zur Salome: "Salome, Salome! verkündige ja niemandem, was Außerordentliches dir begegnet ist; denn die Zeit muß erst kommen, wo der Herr von Sich Selbst zeugen wird durch Worte und Taten!"
 [JJ.01_017,17] Hier verstummte sobald die Salome, und Joseph ging hinaus und bat die beiden Schwestern, nun wieder in die Höhle zurückzutreten nach dem Wunsche Marias, auf daß da niemand etwas merken solle, was Wunderbarstes in dieser Höhle nun vorgefallen sei. - Und die beiden traten wieder demütig in die Höhle.

Die Hochzeit zu Kana.

 [GEJ.01_010,01= Großes Evangelium Johannes] (Jesus spricht) Durch das hier gleich im Anfange des ersten Verses vom zweiten Kapitel vorkommende "Und" wird beurkundet, daß die beiden Kapitel ganz untereinander verbunden sind; denn es erhellt dies schon aus dem Umstand, daß diese Hochzeit in einer dem Hause Josephs sehr befreundeten Familie schon am erwähnten dritten Tage stattfindet, und zwar vom Tage an gerechnet, als Ich mit Meinen - bis zu dieser Begebenheit nur vier Jüngern Bethabara verließ und darauf einen vollen Tag in Gesellschaft dieser Meiner vier Jünger im Hause Josephs, der aber nicht mehr lebte, bei der Mutter Meines Leibes zubrachte, die sich mit Meinen andern Brüdern natürlich die größte Mühe und Sorgfalt nahm, uns nach Möglichkeit bestens zu bewirten.
 [GEJ.01_010,02] Denn Maria wußte es wohl in ihrem Herzen, daß nun Meine Zeit gekommen sei, als der verheißene Messias aufzutreten und zu wirken anzufangen; aber sie wußte die Art und Weise auch nicht, worin Mein Wirken bestehen werde. Auch sie glaubte vorderhand noch immer an die volle Vertreibung der Römer und an die Herstellung des mächtigen Thrones Davids und dessen darauf ruhenden, unverrückbaren und unbesiegbaren, göttlich herrlichen Ansehens, das von da an nimmer ein Ende nehmen werde.
 [GEJ.01_010,03] Die gute Maria und Meine ganze irdische Verwandtschaft stellte sich unter dem Messias auch noch gleichfort einen Besieger der Römer und anderer Feinde des gelobten Landes vor; ja, die Besten hatten von dem verheißenen Messias nahe dieselbe Vorstellung, wie in dieser Zeit viele aus der Zahl sonst ehrenhafter Menschen sich eine ganz verkehrte Vorstellung vom Tausendjährigen Reiche machen. Aber es war noch nicht an der Zeit, ihnen eine andere Vorstellung zu geben.
 [GEJ.01_010,04] Da alsonach Mein eigenes Haus, von der Maria angefangen, von solch einer Vorstellung vom künftigen Messias beseelt war, so ist es auch vollrechtlich anzunehmen, daß dann andere befreundete Familien keine bessere haben konnten.
 [GEJ.01_010,05] Aus eben dem Grunde aber ward Mir denn auch in vielen Familien die größte Aufmerksamkeit geschenkt, wie natürlich auch allen denen, die Ich als Meine Jünger bezeichnete, und es entschlossen sich daher auch Jakobus und Johannes, Meine Jünger zu werden, um dann mit Mir die Völker der Erde zu beherrschen! Denn sie hatten auch schon so manches vergessen, was Ich ihnen in Meiner Kindheit oft und so ziemlich deutlich vorausgesagt hatte.
Ev.Joh.2,2. Jesus aber und seine Jünger wurden auch auf die Hochzeit geladen.
 [GEJ.01_010,06] Da Ich alsonach als ein bald auftretender Befreier vom römischen Joche in nahe allen besseren Häusern der ganzen Umgebung von Nazareth, ja in nahe ganz Galiläa, in solchem Rufe stand - obschon erst seit etlichen Monden, in denen Ich wieder einige dahin deutende Vorkehrungen zu treffen angefangen hatte, wodurch, wie so manches seit achtzehn Jahren Eingeschlafene und Vergessene, auch an Meiner Person hängende Verheißungen in den befreundeten Häusern wieder ein Leben zu gewinnen begannen, - so wurde Ich auch mit Meinen Jüngern, Meiner Mutter Maria und einer Menge von andern Verwandten und Bekannten sogar nach Kana, einem alten Städtchen in Galiläa, das eben nicht sehr ferne von Nazareth lag, zu einer sehr ansehnlichen Hochzeit geladen, bei der es recht heiter und fröhlich zuging, so daß die vier Jünger aus Bethabara zu Mir die Bemerkung machten:
 [GEJ.01_010,07] "Herr! Hier lebt es sich bedeutend besser als in Bethabara! Der arme Johannes wäre vielleicht auch sehr froh, wenn er an Stelle seiner ganz verzweifelt schlechten Kost, die zumeist in etwas überbrühten Heuschrecken und dem Honig wilder Bienen besteht, so ein Mahl einmal in seinem Leben einnehmen könnte?!" (Es besteht in dieser Gegend wie auch in Arabien eine taubengroße Gattung von Heuschrecken, die so wie hierzulande die Krebse zubereitet und gegessen werden.)
 [GEJ.01_010,08] Worauf Ich ihnen antwortete: "Warum Johannes also leben muß, könnet ihr jetzt noch nicht fassen; denn er muß also leben, sonst würde die Schrift nicht erfüllt. Er wird aber bald in ein besseres Leben kommen. Jerusalem wird ihn nicht mehr lange in der Wüste sein Wesen treiben lassen; er wird von nun an abnehmen, damit dafür ein Anderer wachse!
 [GEJ.01_010,09] Was aber ist mit dem Jünger, der mit dir, Andreas, zuerst bei Mir war? Wird er nachkommen, oder wird er bleiben zu Bethabara?" Spricht Andreas: "Siehe, er kommt schon, er hatte noch manches zu ordnen." - Sage Ich: "Also ist es gut! Denn wo es einen Kephas gibt, da muß es auch einen Thomas geben." Spricht Andreas: "Ja, das ist sein Name! Eine ehrliche Seele, aber dabei stets voll Skrupel und Zweifel; was er aber einmal erfaßt, das läßt er auch nimmer fahren, obschon er von einem allerfreigebigsten Herzen ist. Wegen solcher seiner Freigebigkeit hat er auch diesen Beinamen bekommen. - Er kommt, Herr, soll ich ihn hereinrufen, diesen Zwieling?" Sage Ich: "Ja, tue das! - Denn wer in Meinem Namen kommt, soll bei der Hochzeit zu Gaste geladen sein!"
Ev.Joh.2,3. Und da es am Weine gebrach, spricht die Maria zu Jesus: "Sie haben keinen Wein!"
 [GEJ.01_010,10] Nach der damaligen Sitte sollte ein ankommender neuer Gast mit einem Becher Weines bewillkommnet werden. Maria aber hatte schon einige Zeit bemerkt, daß der Weinvorrat bereits aufgezehrt war, und also auch sah sie, daß man den neuangekommenen Gast nach ordentlicher Sitte gar nicht werde bewillkommnen können; deshalb sagt sie insgeheim zu Mir: "Aber mein lieber Sohn, das wird gewisserart eine schöne Geschichte werden! Sie haben keinen Wein mehr! Du könntest wohl einen schaffen (wenigstens für diesen Neuangekommenen)?"
Ev.Joh.2,4. Jesus spricht zu ihr: "Weib, was hast du mit Mir zu schaffen? Meine Stunde ist noch nicht gekommen."
 [GEJ.01_010,11] Worauf Ich der Maria eine sehr doppelsinnige Antwort vor allen Gästen, aber freilich in einer sehr sanften Sprache, gebe und ihr der damaligen, besonders um Nazareth üblichen Sitte wegen sage: "Weib (Mutter), was kümmert Mich und dich das?! - Ich als geladener Gast bin noch nicht an der Reihe, für den Wein Sorge zu tragen, Meine Zeit ist noch nicht gekommen!" - (In dieser Zeit und Gegend mußte nämlich ein jeder geladene männliche Gast der Hochzeit eine freiwillige Gabe von Wein zur Steuer bringen. Es war aber eine gewisse Ordnung darin zu beachten, dernach der ersten Anverwandten Gaben zuerst verzehrt wurden, und waren diese zu Ende, so wurden nach dem Range erst die Gaben der nicht blutsverwandten Geladenen hergenommen.) Maria aber wußte, daß bereits aller Weinvorrat aufgezehrt war; so wandte sie sich denn an Mich, besonders, da nun ein neuer Gast ankäme und zu dessen Bewillkommnung nun kein Tropfen Weines mehr vorrätig sei, und forderte Mich gleichsam auf, diesmal die übliche Ordnung zu überspringen! Denn die Mutter hielt bei solchen Gelegenheiten viel auf die alte übliche gute Sitte. Obschon Ich Mich aber dazu nicht besonders geneigt zeigte, so kannte sie Mich aber dennoch, daß Ich ihr nie etwas unerfüllt gelassen habe, was sie einmal gewünscht hatte.
Ev.Joh.2,5. Seine Mutter spricht zu den Dienern: "Was Er euch sagen wird, das tuet!"
 [GEJ.01_010,12] Und so wandte sie sich denn auch an die Tafeldiener in gutem Vertrauen auf Mich und sagte zu ihnen: "Was mein Sohn euch sagen wird, das tuet!" -
 [GEJ.01_010,13] Soweit geht das eigentlich Historische dieser Verse des zweiten Kapitels; innerhalb dieser historischen Begebenheit oder - wie man sagt - über solche Historie hinaus aber erwahrt sich schon ein geistiger und deshalb prophetischer Sinn, der aber bei innerem Denkvermögen sich überaus leicht finden läßt.
 [GEJ.01_010,14] Wem kann es entgehen, daß zwischen dieser Hochzeit, die am dritten Tage nach Meiner Rückkunft aus der Wüste Bethabara geschah, und zwischen Meiner Auferstehung, die eben auch am dritten Tage nach Meiner Kreuzigung geschah, eine der auffallendsten Entsprechungen obwaltet?
 [GEJ.01_010,15] Es ward alsonach durch diese Hochzeit im prophetischen Geiste angezeigt, was nach drei Jahren sich mit Mir ereignen werde, und eben also auch, im etwas weiteren Sinne, daß Ich nach drei Jahren mit allen Meinen Bekennern und wahren Liebhabern als ein ewiger Bräutigam eine wahre Hochzeit in ihrer Wiedergeburt zum ewigen Leben gewiß und sicher halten werde!
 [GEJ.01_010,16] Im allgemeinen praktischen Sinn aber bezeugt diese Hochzeitsgeschichte, die - wohlverstanden - drei Tage nach Meiner Rückkunft aus der Wüste erfolgte, auch die drei Stadien, die ein jeder Mensch durchzumachen hat, um zur Wiedergeburt des Geistes oder zu der ewigen Lebenshochzeit im großen Kana des himmlischen Galiläa zu gelangen.
 [GEJ.01_010,17] Die drei Stadien aber sind: zuerst die Bezähmung des Fleisches, dann die Reinigung der Seele durch den lebendigen Glauben, der sich natürlich durch die Werke der Liebe als lebendig erweisen muß, ansonst er tot ist, und endlich die Erweckung des Geistes aus dem Grabe des Gerichtes, wozu in der Erweckung des Lazarus sicher das vollsinnigst entsprechende Bild gegeben ist. Wer über diese Beleuchtung ein wenig nachdenkt, der wird sich in allem folgenden leicht zurechtfinden.
 [GEJ.01_010,18] Da wir hier sonach den geistigen Sinn entwickelt haben, und zwar in dem, was diese Hochzeitsgeschichte im allgemeinen besagt, so wollen wir wieder zum weiteren Verlaufe dieser Hochzeit zurückkehren und am Ende dieser Geschichte die sonderheitlichen Entsprechungen durchgehen.

Jesus verwandelt Wasser in Wein.

 [GEJ.01_011,01] Nachdem die Maria zu den Dienern gesagt hatte: "Was Er euch sagen wird, das tuet!", so sagte Ich denn auch zu den Dienern, daß sie die sechs steinernen Wasserkrüge, die da zur Reinigung der Juden bestimmt waren, auf die aber eben die Nazaräer und Kanaiter nicht mehr viel hielten, darum diese Krüge hier auch mehr zur Parade als zum bestimmten Gebrauch aufgestellt waren und je 2 bis 3 Maß hielten, mit Wasser voll anfüllen sollten.
Ev.Joh.2,7. Jesus spricht: "Füllet die Krüge mit Wasser!" - Und sie fülleten sie bis oben an.
 [GEJ.01_011,02] Die Diener taten das sogleich, aber mehr in der Meinung, daß sich der neuangekommene Gast nach altem Brauche waschen und reinigen könnte. - Der Gast trat ein und ward zur Tafel gesetzt, ohne sich vorher die Hände gereinigt zu haben. Solches fällt nun den Dienern auf, daß sie sich untereinander fragten: "Warum haben wir denn diese schweren Krüge mit Wasser füllen müssen? Dieser Gast macht keinen Gebrauch davon, und uns hat es eine unnötige Arbeit gemacht!" - Sage darauf Ich zu ihnen: "Warum fragtet ihr denn früher nicht, daß ihr nun murret ob solcher Arbeit?! Habt ihr denn nicht zuvor gehört, was Maria zu Mir geredet hatte, nämlich, daß die Gäste keinen Wein mehr haben? Obschon aber Meine Zeit, weder nach der Gebrauchsordnung noch geistig völlig da ist, so habe Ich aber doch, um die Herrlichkeit Dessen, von Dem sie sagen, daß Er ihr Gott sei, Ihn aber noch nie erkannt haben, zu offenbaren, das Wasser in den Krügen, nicht etwa durch eine Art Zauberei, sondern lediglich durch die K"raft Gottes, die in Mir ist, in Wein umgestaltet."
Ev.Joh.2,8. Und Jesus spricht weiter zu den Dienern: "Schöpfet nun und bringet es dem Speisemeister!" Und die Diener taten dies sogleich.
 [GEJ.01_011,03] "Nehmet nun einen Becher voll und traget ihn zuvor zum Speisemeister (Koch) zum Verkosten; er solle darüber sein Urteil abgeben!" - Die Diener, ganz verblüfft über solche Umwandlung des Wassers, bringen diesen Wein sogleich dem Koche zum Verkosten.

[Jesus konnte mit Seiner Allmacht die Protonen, Neutronen und Elektronen des Wassers zu den Atomen, Molekülen und Zellen des Weins umordnen!]

Ev.Joh.2,9. Als der Speisemeister kostete den Wein, der Wasser gewesen war, und also nicht, wie die Diener, es wußte, von wannen er kam, rufet er den Bräutigam.
 [GEJ.01_011,04] Der Koch macht große Augen und läßt sogleich den Bräutigam zu sich kommen und sagt zu ihm: "Aber du weißt von der Ordnung wohl noch nichts!?"
Ev.Joh.,10. Und sagt zu ihm: "Jedermann gibt zuerst den guten Wein, und so die Gäste trunken geworden sind, alsdann erst den geringeren; du aber hast den guten bisher behalten!"  [GEJ.01_011,05] "Setzet denn nicht jedermann zuerst den guten Wein den Gästen vor und erst, wann sie etwas trunken geworden sind und ihr Gaumen schon mehr abgestumpft ist, einen geringen? - Du aber machst es gerade umgekehrt!"
 [GEJ.01_011,06] Der Bräutigam aber erwiderte: "Du redest hier wie ein Blinder von der Farbe! Sieh, dieser Wein ist nie irgendwo auf der Erde gekeltert worden, sondern kam, wie einst das Manna, aus den Himmeln auf unsern Tisch; und deshalb muß er freilich wohl besser sein als jeder irgendwo auf der Erde vorkommende Wein!"
 [GEJ.01_011,07] Sagt der Koch: "Hältst du mich für einen Narren, oder bist du selber einer?! Wie kann denn ein Wein aus den Himmeln auf deinen Tisch kommen?! Es müßte Jehova Selbst oder doch Sein Knecht Moses zu Tische sitzen!"
 [GEJ.01_011,08] Der Bräutigam aber sprach: "Komm und überzeuge dich von allem selbst!"
 [GEJ.01_011,09] Der Koch geht sogleich mit dem Bräutigam in den Speisesaal und beschaut die sechs Krüge, daß sie voll Weines bester Art waren. Als er sich also von dem Wunder überzeugt, spricht er: "Herr, vergib mir meine Sünden! So etwas kann nur Gott tun, und Gott muß hier unter uns sein! Denn so etwas ist keinem Menschen möglich."
 [GEJ.01_011,10] Es wurde aber nun der Wein den Gästen vorgesetzt, und als diese ihn verkosteten, sprachen sie alle: "Solcher Wein wird in unseren Landen nicht gekeltert! - Das ist wahrhaft ein Himmelswein! Ehre dem, welchem Gott solche Macht gegeben hat!"
 [GEJ.01_011,11] Darauf tranken sie Mir und dem neuangekommenen Gaste Thomas Glück und Willkommen zu.
 [GEJ.01_011,12] Alle aber, die da waren bei dieser Hochzeit, glaubten nun vollends, daß Ich unfehlbar der verheißene Messias bin.
 [GEJ.01_011,13] Petrus aber sagte zu Mir insgeheim: "Herr, laß mich wieder von dannen ziehen! - Denn Du bist Jehova Selbst, wie Dein Knecht David von Dir geweissagt hat in seinen Psalmen; ich aber bin ein armer Sünder und Deiner durch und durch unwert!"
 [GEJ.01_011,14] Sage Ich zu ihm: "So du dich für unwürdig hältst, an Meiner Seite zu wandeln, wen hältst du dann für würdig? Sieh, Ich bin nicht gekommen zu den Starken, so sie irgendwo seien, sondern nur zu den Schwachen und Kranken kam Ich. So jemand gesund ist, bedarf er des Arztes wohl nicht; nur der Kranke und Schwache bedarf des Arztes. Bleibe du daher nur ganz guten Mutes bei Mir, denn Ich habe dir deine Sünden schon lange vergeben, und so du auch an Meiner Seite sündigen wirst, werde Ich dir es auch vergeben; denn nicht in deiner Stärke, sondern in deiner Schwäche, darum du Mich erkannt hast und nun schon ein Fels im Glauben bist, sollst du vollendet werden durch die alleinige Gnade von oben!"
 [GEJ.01_011,15] Auf solche Meine Belehrung kommen Petrus die Tränen, und er sagt mit großer Begeisterung: "Herr, - so Dich alle verlassen sollten, da werde ich Dich dennoch nicht verlassen; denn Deine heiligen Worte sind Wahrheit und Leben!"
 [GEJ.01_011,16] Nach diesen Worten erhebt sich Petrus, nimmt den Becher und spricht: "Heil dir, Israel, und dreimal Heil uns! Denn wir sind Zeugen der erfüllten Verheißung. Gott hat Sein Volk heimgesucht. Was schwer zu glauben war, ist nun vor unseren Sinnen erfüllt! Nun dürfen wir nicht mehr schreien aus der Tiefe zur Höhe; denn die Höhe der Höhe ist zu uns in die Tiefe der Tiefe unseres Elends gekommen! - Darum alle Ehre Dem, Der unter uns ist und uns aus Seiner Macht und Gnade diesen Wein gegeben hat, auf daß wir an Ihn glauben und von nun an in Ihm Gott die Ehre geben sollen!" - Darauf trinkt Petrus, und alle trinken ihm zu und sagen: "Dies ist ein rechter Mann!"
 [GEJ.01_011,17] Ich aber sage mehr insgeheim zu Petrus: "Dein Fleisch hat dir das nicht gegeben; sondern der Vater, Der in Mir ist, hat es deinem Geiste geoffenbart. Aber von nun an halte mit deiner Stimme noch zurück; es wird aber eine Zeit kommen, in der du also schreien sollst, daß dich alle Welt vernehmen möge!" - Darauf trat wieder Ruhe unter die Gäste, und durch diese Tat glaubten nun alle an Mich und sahen in Mir den wahren Messias, Der gekommen sei, um sie von allen Feinden loszumachen.
Ev.Joh.2,11. Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat, und es also geschehen ist zu Kana in Galiläa, und Er Seine Herrlichkeit offenbarte. Und Seine Jünger glaubten nun fest an Ihn.
 [GEJ.01_011,18] Es war dies auch das erste außerordentliche Zeichen, das Ich beim Antritt des großen Erlösungswerkes vor den Augen vieler verrichtet hatte und zeigte in diesem Zeichen, wenn auch verhüllt, das folgende große Werk; aber das begriff von der ganzen Gesellschaft auch nicht einer. - Denn wie Mein Fasten in der Wüste die Verfolgung, die Mir in Jerusalem vom Tempel aus zuteil ward, und die Taufe Johannis Meinen Kreuzestod vorandeutete, also deutete diese Hochzeit Meine Auferstehung an, und das Zeichen ward ein Vorbild der Wiedergeburt des Geistes zum ewigen Leben.
 [GEJ.01_011,19] Denn also wie Ich das Wasser in den Wein verkehrte, wird auch des Menschen naturmäßig Sinnliches in den Geist verwandelt werden durch das Wort aus Meinem Munde, so er danach lebet!
 [GEJ.01_011,20] Aber es solle auch ein jeder den Rat in seinem Herzen genau befolgen, den Maria den Dienern gab, indem sie sagte: "Was Er sagen wird zu euch, das tuet!", dann werde Ich auch an einem jeden das tun, was Ich zu Kana in Galiläa getan habe, nämlich ein rechtes Zeichen, an und aus dem nun ein jeder, der nach Meinem Worte lebt, die Wiedergeburt des Geistes in sich selbst leichter erkennen wird.

Jesus heilt den Sohn eines Mannes mit königlicher Herkunft.

Ev.Joh.4,47. Und es war ein Königischer, dessen Sohn zu Kapernaum krank lag. Dieser (des kranken Sohnes Vater) vernahm, daß Jesus kam aus Judäa in Galiläa und ging hin zu Ihm (nach Kana) und bat Ihn, daß Er hinab (nach Kapernaum) käme und helfe seinem Sohne; denn dieser war todkrank.
 [GEJ.01_090,01] Als wir den Weg antreten wollten, da eilte nahe außer Atem ein Mann königlicher Abkunft und ein naher Verwandter des Obersten, der ein paar Tage vorher nach Kapernaum zog, auf Mich (Jesus )zu; denn er hatte durch den Obersten erfahren, daß Ich von Judäa wieder nach Galiläa zurückgekommen bin. Dieser königliche Mann hatte einen einzigen Sohn, der auf einmal von einem bösen Fieber befallen ward, und der Arzt in Kapernaum erkannte alsobald, als er den Kranken ersah, daß es um denselben unfehlbar geschehen sei. Des Sohnes Vater verzweifelte und wußte sich vor Schmerz nicht zu helfen. Da kam zu ihm Kornelius, der Oberste, und sagte: "Bruder, da ist Rat zu schaffen! Von hier bis Kana ist für einen guten Geher kaum eine volle Stunde Weges. Alldort weilt der berühmte Heiland Jesus aus Nazareth! Ich selbst habe Ihn bei meiner Herreise dort getroffen und gesprochen! Er wird sicher noch dort sein; denn Er hat mir's versprochen, von dort geraden Weges zu mir nach Kapernaum zu kommen und mich zu besuc"hen! Was Er verspricht, das hält Er auch unwandelbar! Da Er aber bisher noch nicht zu mir gekommen ist, so ist Er ganz unfehlbar noch in Kana! Eile daher persönlich hin und bitte Ihn, daß Er zu deinem Sohne kommen und ihm helfen möchte! Und ich stehe dir dafür, daß Er sogleich kommen und deinem Sohne helfen wird!"
 [GEJ.01_090,02] Als der Königische solches von seinem Bruder Kornelius erfährt, so rennt er eiligst nach Kana und kommt also auch, wie oben bemeldet, ganz außer Atem nach Kana, als Ich schon den ersten Schritt zur Weiterreise machte. Kaum bei Mir angelangt, fällt er vor Mir nieder und bittet Mich, daß Ich ja so eilig als möglich mit ihm hinab nach Kapernaum eilen möchte, indem sein einziger Sohn, der sein alles sei, schon mit dem Tode ringe und ihm in Kapernaum kein Arzt mehr helfen könne, und so Ich nicht eiligst mit ihm ginge, sein Sohn sicher eher sterben werde, als bis Ich nach Kapernaum kommen werde, wenn er, der Sohn nämlich, nicht schon in dieser Zeit gestorben sei!
Ev.Joh.4,48. Und Jesus sprach zu ihm: "Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder sehet, so glaubet ihr nicht!"
 [GEJ.01_090,03] Sage Ich: "Sieh, du Mein Freund, es ist eine schwere Sache bei euch! Denn so ihr nicht Zeichen und Wunder sehet schon im voraus, so glaubet ihr's nicht! Ich helfe nur denen vor allem, die da glauben, wenn sie auch keine Zeichen und Wunder vorher geschaut haben! Denn wo der unbedingte Glaube Mir entgegenkommt, da heile Ich auch sicher und gewiß!"
Ev.Joh.4,49. Der Königische sprach zu Ihm: "Herr! Komme hinab, ehe denn mein Sohn stirbt!"
 [GEJ.01_090,04] Da schreit der königische Mann: "O Herr, rede hier nicht so lange mit mir Armem; Du siehst ja, daß ich glaube, ansonst ich nicht zu Dir gekommen wäre! Ich bitte Dich, o Herr, komme Du nur unter meines Hauses Dach, und mein Sohn wird leben! So Du aber verweilest, da wird er eher sterben, als Du hinkommen wirst! - Siehe, ich habe viele Knechte unter mir; und so ich zu einem oder dem andern sage: Tue das, oder tue jenes, so wird er es tun. Hätte ich den vollsten Glauben nicht an Dich, o Herr, so hätte ich einen oder den andern Knecht zu Dir gesandt! Aber da ich voll des stärksten Glaubens bin, so kam ich selbst; denn mein Herz sagte mir: "So ich Dich nur finde und erschaue, so wird gesund mein Sohn!" Herr, ich bekenne es auch, daß ich gar nicht wert bin, daß Du eingingest unter meines Hauses Dach, - sondern, so Du nur wolltest sprechen ein Wort, so wird gesund und lebendig mein Sohn!"
Ev.Joh.4,50. Jesus spricht zu ihm: "Gehe hin, dein Sohn lebt!" Der Mensch glaubte dem Worte, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin.
 [GEJ.01_090,05] Sage Ich: "Freund, solch einen Glauben habe Ich in ganz Israel nicht gefunden! Gehe getrost heim; dir geschehe nach deinem Glauben! Dein Sohn lebt!" - Und der Königische ging unter einem Strom von Dank- und Freudentränen nach Hause; denn er glaubte ungezweifelt Meinem Worte. Ich aber blieb nun diesen Abend und den nächsten Tag noch in Kana, was dem Wirt eine große Freude machte.
Ev.Joh.4,51. Und indem er hinabging (gen Kapernaum), begegneten ihm seine Knechte, verkündigten ihm und sprachen: "Dein Kind lebt!"

[Jesus konnte mit Seiner Allmacht die Protonen, Neutronen und Elektronen des Luftsauerstoffes zu neuen Atomen, Molekülen und Zellen umordnen und damit alle zerstörten Zellen in dem kranken Leib des königlichen Sohnes ersetzen!]

 [GEJ.01_090,06] Als der Königische, der in Kapernaum in großem Ansehen stand, da er fürs erste gleich dem Obersten Kornelius mit dem Herrscherhause Roms verwandt und fürs zweite als ein hoher Staatsbeamter allda von Rom aus angestellt war, sich der Stadt näherte, da kamen ihm schon seine vielen Knechte entgegen und verkündigten ihm laut: "Herr, dein Sohn lebt und ist vollkommen gesund!"
Ev.Joh.4,52. Da forschte er von ihnen die Stunde, in welcher es besser mit ihm (dem Sohne) geworden war. Und sie sprachen zu ihm: "Gestern um die siebente Stunde verließ ihn das Fieber!"
 [GEJ.01_090,07] Da ward der Mann nahe ohnmächtig vor Freuden und erkundigte sich alsogleich, um welche Zeit es mit ihm besser geworden sei. Und die Knechte antworteten einstimmig: "Gestern um die siebente Tagesstunde verließ ihn das böse Fieber!"
Ev.Joh.4,53. Da merkte der Vater, daß es um dieselbe Stunde wäre, in der Jesus zu ihm gesagt hatte: "Dein Sohn lebt!" Und er glaubte mit seinem ganzen Hause.
 [GEJ.01_090,08] Als er solches von seinen Knechten erfuhr, da fing er an nachzurechnen und fand, daß es genau um dieselbe Zeit sein mochte, in der Ich zu ihm gesagt hatte: "Dein Sohn lebt!" Er ging dann gemächlichen Schrittes nach Hause. Und als er da ankam, führte ihm schon der Oberste Kornelius den ganz gesunden und heitern Sohn entgegen und sagte zu ihm: "Nun, Bruder, habe ich dich an den rechten Heiland gesandt oder nicht?!"
 [GEJ.01_090,09] Der Königische aber sprach: "Bruder, ja, durch deinen Rat hast du mir mein Leben zehnfach wiedergegeben! Aber dieser Heiland Jesus aus Nazareth ist offenbarst mehr als ein gewöhnlicher Heiland, der noch so geschickt die Krankheiten mittels heilsamer Kräuter zu heilen versteht! - Denke dir's! Er sprach, ohne meinen Sohn je gesehen zu haben, bloß ganz einfach nur: ,Dein Sohn lebt!‘, und der Sohn ward zur selben Stunde gesund! - Höre, das will etwas ganz Kurioses gesagt haben! Ich sage dir: Das kann keinem Menschen, sondern allein nur einem Gott möglich sein! Und von nun an glaube ich und sicher mein ganzes Haus, daß dieser Jesus über alle Zweifel himmelhoch hinaus ein wahrer Gott ist und nun zum Heile aller Menschen in menschlicher Gestalt unter den Menschen wandelt und sie heilt und belehrt. - So Er hierher kommt, muß Ihm hier göttliche Verehrung erwiesen werden!"
 [GEJ.01_090,10] Sagt Kornelius: "Ich kenne Ihn schon als Das und lasse mir es auch nicht nehmen; aber Er duldet es nicht, daß man Ihm mit so etwas entgegenkäme!"
 [GEJ.01_090,11] Sagt der Vater des geheilten Sohnes: "Bruder, wo man einen solchen Beweis in seiner Hand hat, da - meine ich - läßt sich wohl nie ein Zuviel tun!"
 [GEJ.01_090,12] Sagt Kornelius: "Bin ganz einverstanden mit dir; aber wie ich dir's gesagt habe, so ist es und bleibt es auch dabei, daß Er ein abgesagter Feind von öffentlichen und äußerlichen Ehrenbezeigungen ist. Soviel ich aus Seiner sogar frühesten Jugendzeit weiß, so hält Er bloß auf die stille innerste Ehrenbezeigung, die sich in der Liebe des Herzens ausspricht. Aber alles Äußere ist Ihm sogar überaus lästig, und so Er hierher käme, wie Er mir's versprochen hat, so könntest du Ihn mit einer öffentlichen Vergötterung nur von diesem Orte für immer vertreiben! Daher tue du im Herzen alles, was du willst; aber nur vermeide dabei alle öffentliche Zeremonie! Denn ich kenne Ihn seit Seiner Geburt schon von Bethlehem aus und habe seit der Zeit vieles von Ihm gehört und vieles selbst gesehen!"
 [GEJ.01_090,13] Sagt der Königische: "Nun gut, ich habe dir gestern gefolgt am Tage und will dich darum auch heute in der Nacht hören und folgen deinem Rate."
 [GEJ.01_090,14] (Es muß hier wegen des Wortes "gestern", damit es zu keiner (Wort-)klauberei Anlaß geben soll, eine kleine Erläuterung dahin angefügt werden, daß, besonders in Galiläa, der Tag nur bis zum jeweiligen Sonnenuntergange währte; nach dem Sonnenuntergange fing dann schon so ganz eigentlich der nächste Tag an, und man sagte in einigen Minuten nach dem Untergange zum vergangenen Tage schon "gestern". Mit dem Untergange fing dann schon die erste Nachtwache für den kommenden Tag an; eine Nachtwache aber war ein Zeitraum von drei heutigen Stunden, und eine Tagesstunde war im Sommer wohl nahe zwei heutige Stunden lang und im Winter kaum eine, denn die sonnenlichte Zeit mußte immer zwölf Stunden haben, ob der Sonnentag kurz oder lang war. So denn hier in der Erklärung es heißt, daß der Königische in einer Stunde von Kapernaum nach Kana ging, so würde das heutzutage soviel als nahe zwei volle Stunden ausmachen. - Diese kurze Zwischenerläuterung ist hier um so nötiger, als man sonst so manches in diesem Evangelium kaum richtig verstehen würde, weil die entsprechenden Zeitbilder nur aus der damaligen und nicht aus der jetzigen Zeitrechnung genommen sind.)

Jesus stillt einen Sturm.

 [GEJ.01_103,05] Wir aber befanden uns bereits auf der hohen See, als der frühere günstige Wind sich in einen mächtigen Sturm umgewandelt hatte. Ich (Jesus ) war aber schon bei der Besteigung des Schiffes etwas müde dem Leibe nach, indem Ich die ganze Nacht gewacht hatte, und sagte daher zum Petrus im Schiffe: "Schaffe Mir ein Lager; denn Ich werde Mich während der Fahrt ein wenig zur Ruhe begeben, indem, wie du es weißt, Ich die ganze Nacht keine Ruhe hatte!"
 [GEJ.01_103,06] Petrus brachte Mir sogleich mehrere Matten, machte daraus ein gutes Lager und legte Mir noch oben darauf ein Kissen unters Haupt, worauf Ich denn auch sobald ganz ernstlich dem Leibe nach einschlief, obschon Ich wohl wußte, daß der Wind bald in einen sehr heftigen Sturm umschlagen werde und die hochgehenden Wogen das Schiff bedrohen würden.
 [GEJ.01_103,07] Als wir ungefähr ein paar Stunden vom Ufer entfernt waren, da hatte auch der Sturm den Kulminationspunkt seiner Wut erreicht, und die Wogen fingen an, übers Verdeck des Schiffes zu schlagen. (Matth.8,24) Da ward es sogar Meinen bewährtesten Jüngern bange; denn sie sahen, daß das Schiff Wasser zu schöpfen begann durch das stets stärkere Überschlagen der Wogen, besonders über den mittleren und nach der damaligen Bauart der Schiffe auch am meisten niedern Teil des Schiffes. Als sonach der Sturm nicht enden wollte, sondern nur stets mächtiger das Meer in die hochwogende Bewegung setzte, da traten die Jünger zu Mir hin, das heißt, zu der im Schiffe am meisten erhabenen Stelle, auf der Mir zuvor Petrus ein Lager bereitet hatte, und wohin die Wogen noch nicht gedrungen waren, fingen an, Mich zu rütteln, daß Ich erwachte, und schrieen dann voll Angst: "Herr, hilf uns, sonst gehen wir alle zugrunde!" (Matth.8,25)
 [GEJ.01_103,08] Da erhob Ich Mich vom Lager und sagte zu ihnen: "O ihr Kleingläubigen! Wie möget ihr euch fürchten, da Ich bei euch bin? - Was ist mehr: der Sturm oder Der, der auch ein Herr über alle Stürme ist?!"
 [GEJ.01_103,09] Da aber die Jünger, wie auch mehrere andere, die sich im Schiffe befanden, nahe ganz sprachlos vor Angst geworden waren und selbst ein Petrus nur noch zu stammeln vermochte, so bedrohte Ich schnell den Sturm und das Meer, und siehe, da ward alles auf einmal stille! Der Sturm war wie abgeschnitten, und das Meer ward auf einmal so glatt wie ein Spiegel; nur wo es die Ruderer aus dem Gleichgewichte brachten, merkte man die winzige Bewegung des Wassers. (Matth.8,26) Die ziemlich vielen Menschen aber, die Mich noch nicht näher kannten, da sie erst an diesem Morgen hingekommen waren und diese Fahrt mehr ihrer Geschäfte denn Meinetwegen mitmachten, fingen an, sich über alle Maßen zu verwundern, und sprachen zu den Jüngern und fragten sie: "Was - um Jehovas willen - ist denn das für ein Mensch, daß ihm Winde und das Meer gehorchen?!" (Matth.8,27)

Jesus erweckt die Tochter des Jairus vom Tode.

 [GEJ.01_112,04] Als Ich (Jesus ) solches von seinem Gesinde wie hernach von ihm selbst vernahm und Mich der über die Maßen traurig gewordene Oberste auch von ganzem Herzen dauerte, so sprach Ich zu ihm: "Freund, habe keine Furcht, sondern glaube! Deine Tochter ist nicht gestorben, sondern nur eingeschlafen, - und Ich werde sie erwecken!"
 [GEJ.01_112,05] Als der Oberste solches von Mir vernahm, fing er an, leichter zu atmen.
 [GEJ.01_112,06] Ich aber sagte, als wir noch bei tausend Schritt vom Hause des Obersten entfernt waren, zu dem Volke wie zu den Jüngern, die irgend noch eines schwächeren Glaubens waren, daß sie alle hier verweilen sollten, und nur allein Petrus, Jakobus und dessen Bruder und Johannes durften mitgehen; denn auf deren Glauben konnte man schon Häuser bauen.
 [GEJ.01_112,07] Als Ich mit dem Obersten der Schule darauf ins Haus kam, so war daselbst ein großes Getümmel, und es ward nach der jüdischen Sitte geweint und geheult und wurden Klagelieder gesungen.
 [GEJ.01_112,08] Als Ich aber in das Zimmer trat, wo die Verstorbene lag auf einem gezierten Bette, so redete Ich die vielen Tumultuanten an und sagte zu ihnen: "Was tummelt und weint ihr hier also gewaltig?! Das Töchterchen ist ja nicht gestorben, es schläft nur!"
 [GEJ.01_112,09] Da verlachten sie Mich und sprachen: "Ja, so sehen die Schlafenden aus! Wenn kein Atem und kein Puls mehr geht bei dritthalb Stunden und der ganze Leib kalt und farblos geworden und das Auge erloschen ist, da schläft man dann nach deiner Kenntnis!? Ja, ja, das ist wohl auch ein Schlaf; aber aus diesem Schlaf erwacht kein Mensch mehr, außer am Jüngsttage!"
 [GEJ.01_112,10] Ich aber sagte zum Obersten: "Schaffe sie alle hinaus; denn ihren Unglauben kann Ich hier nicht brauchen!" Der Oberste tat das; aber das Tummelvolk gehorchte ihm nicht, und er bat Mich, daß Ich hülfe. Da trieb Ich sie alle hinaus gewaltsam, und sie liefen hinaus und zerstreuten sich.
 [GEJ.01_112,11] Ich aber ging dann mit dem Obersten, der traurigen Mutter und den vier Jüngern wieder in das Gemach, in dem das verstorbene Töchterchen lag, trat da sogleich an ihr Bett hin, ergriff sie bei der linken Hand und sprach zu ihr: ,Talitha kumi!‘ - das heißt verdolmetscht: "Mägdlein! Ich sage dir: Stehe auf!"

[Jesus konnte mit Seiner Allmacht die Protonen, Neutronen und Elektronen des Luftsauerstoffes zu neuen Atomen, Molekülen und Zellen umordnen und damit alle zerstörten Zellen in dem Leichnam des bereits verstorbenen Mädchens ersetzen. Dann rief Jesus Seele und Geist des bereits verstorbenen Mädchens aus dem Jenseits zurück und vereinte Seele und Geist wieder mit dem neu belebten Erdenleib!]

 [GEJ.01_112,12] Und sogleich stand das Mägdlein auf, sprang heiter und munter vom gezierten Bette und ging in ihrer früheren Lebhaftigkeit im Zimmer herum und liebkoste ihre verweinte Mutter und ihren Vater! Zugleich aber verspürte das heitere Mägdlein auch, daß ihr Magen leer und sie sonach hungrig sei und was essen möchte!
 [GEJ.01_112,13] Da wandten sich die über alle Maßen froh gewordenen Eltern zu Mir und fragten Mich unter vielen Freuden- und Dankestränen, ob und was sie der Tochter nun sollten zu essen geben. Ich aber sagte: "Gebt ihr immerhin zu essen, was sie mag, und was da schnell bei der Hand ist!"
 [GEJ.01_112,14] Und es waren da auf einer Schüssel Feigen und Datteln und das Töchterchen fragte, ob sie diese Früchte essen dürfte. Und Ich sagte: "Iß nur, was dir schmeckt; denn du bist nun ganz gesund und wirst fürder nicht mehr krank werden!"
 [GEJ.01_112,15] Da sprang das Mägdlein schnell an die Schüssel hin und leerte nahe die ganze Schüssel. Die Eltern aber waren besorgt, daß es ihr schade.
 [GEJ.01_112,16] Ich aber vertröstete sie und sagte zu ihnen: "Sorget euch nicht; so Ich es euch sage, daß es ihr nimmer schaden kann, so wird es ihr auch nimmer schaden!" Und die Eltern glaubten fest.
 [GEJ.01_112,17] Nachdem aber das Mädchen sich gesättigt und ihren Lobgesang gesprochen hatte, ging sie hin zu den Eltern und fragte sie leise, wer Ich denn wäre. Denn als sie schlief auf dem Bette, sah sie die Himmel offen und eine große Menge lichter Engel. "Und in der Mitte der Engel stand ein gar freundlicher Mann, sah nach mir, ging dann auf mich zu, ergriff mich bei der Hand und sprach: ,Talitha kumi!‘ und ich erwachte nach diesem Rufe sogleich! Und seht, dieser Mann da sieht gerade also aus, als wie ich vorher im Traume unter so vielen Engeln einen gesehen habe! Ach, das muß ein gar lieber Mann sein!"
 [GEJ.01_112,18] Der Oberste verstand nur zu klar die Frage der Tochter; aber da Ich ihm gewinkt hatte, so sagte er der Tochter bloß, daß sie einen schönen und wahren Traum gehabt habe, den er ihr in Kürze ganz erklären werde. Und das Töchterchen stellte sich damit ganz zufrieden.
 [GEJ.01_112,19] Ich aber sagte zum Obersten, daß er nun mit der Tochter, Mutter und mit Mir ins Freie gehen solle, auf daß die draußen Harrenden ihres Unglaubens willen möchten beschämt werden! Und wir gingen hinaus. Und als die Ungläubigen die Tochter sahen, wie diese gut aussehend ganz munter zu ihnen hinging und sie zu fragen begann, warum sie gar so verblüfft und erschrocken daständen, so entsetzten sich diese noch mehr und sagten: "Das ist ein Wunder über alle Wunder! Denn das Mägdlein war wirklich tot und lebt nun!" Und sie wollten das sogleich in der ganzen Gegend ruchbar machen.
 [GEJ.01_112,20] Ich aber bedrohte sie alle und gebot ihnen, daß bei ihrem leiblichen und geistigen Heile sie diese Sache ja bei sich behalten möchten! Und sie schwiegen und entfernten sich.

Jesus erweckt den toten Knaben Josoe von den Toten.

 [GEJ.02_070,01] Auf diese Worte stiegen sogleich Borus und Kisjonah in die Gruft und versuchten den Sarg zu heben; aber sie vermochten ihn nicht von der Stelle zu rühren, denn er war sehr schwer, indem er aus massivem Zedernholz angefertigt war und obendrauf noch eine Menge schwerer Verzierungen von Erz, Gold und Silber hatte. Nach mehreren Versuchen sprach Borus: "Herr, der Sarg ist zu schwer, wir können seiner durchaus nicht Meister werden! Dieser Sarg ward meines Wissens mit Maschinen hineingelegt und wird auf natürlichem Wege nur wieder durch Maschinen herausgehoben werden können!"
 [GEJ.02_070,02] Sage Ich (Jesus): "So steiget heraus aus der Gruft; die beiden Jünglinge, die hier sind, sollen ihn herausheben!" - Borus und Kisjonah steigen nun schnell aus der Gruft, und die zwei Jünglinge heben den Sarg schnell und mit einer solchen Leichtigkeit heraus, als hätten sie es mit einer Federflaume zu tun.
 [GEJ.02_070,03] Bab machte große Augen samt seinem Weibe und seinen Kindern und sagte, ganz erstaunt ob solcher Kraft in den beiden Jünglingen: "Aber heißt das doch eine unglaubliche Kraft und Stärke besitzen! Diese zwei zarten Knaben, von denen keiner über fünfzehn Jahre zählen kann, spielten - wie der Sturmwind mit einer Flaume - mit dieser Last, der doch die Kraft von zwei starken Männern nichts anhaben konnte! Ah, so etwas ist denn doch auch noch nie erhört worden!"
 [GEJ.02_070,04] Sage Ich: "Laß es nur gut sein; denn du wirst nun Zeuge von noch größeren Dingen sein! Aber das sei euch allen ganz ernstlich ins Herz geredet: daß ihr davon ja keinem Menschen, nicht einmal Meinen Jüngern, etwas meldet! Denn es ist die Zeit für sie noch lange nicht da; wenn es aber an der Zeit sein wird, dann werden sie schon ohnehin alles in die Erfahrung bekommen. - Nun aber öffnet den Sarg, auf daß wir sehen, inwieweit der Knabe schon verweset ist!"
 [GEJ.02_070,05] Der Sarg ward sogleich geöffnet, und der bis auf die stärkeren Knochen gänzlich verweste Knabe war von den Tüchern und Bändern durch des Borus geschickte Hände für alle Anwesenden zur Besichtigung enthüllt. Alle besahen das jämmerlich aussehende Skelett mit sichtlichem Schaudern.
 [GEJ.02_070,06] Und Faustus sagte: "Ecce homo! Sieh, das auch ein Mensch! Ein schönes Los des üppigen Fleisches der Menschheit! Ein gräßlich aussehender Knochenschädel, mit einigen zusammenklebenden Haaren noch sparsam versehen; eine zusammengefallene, grünlichbraune Brusthaut, hie und da von halbabgefaulten Rippen durchbrochen, das schwarze Rückgratgebein, über dem doch noch einige Spuren von verwesten Gedärmen hängen, die mit Schimmel bedeckt sind. Endlich die Füße, - wie sehen diese doch gar schrecklich entstellt aus; voll Verwesung und Schimmel! Und unsere Nasen aber verspüren es auch, daß wir uns nun nicht im Verkaufsgewölbe eines Balsamhändlers befinden; denn der Gestank ist stärker, als ich ihn erwartet hätte! Nein, das ist eine Gestalt, die ganz geeignet ist, dem Menschen sein Sein so verächtlich wie möglich zu machen, weil solch ein Los am Ende denn doch ein jeder von uns zu erwarten hat! Aus diesem Grunde ziehe ich das Verbrennen der Leichen den Begräbnissen bei weitem vor."
 [GEJ.02_070,07] Sage Ich: "Aber so des Menschen Sohn die Macht hat, auch solche Leiber wie auch alle, die seit Adam in der Erde als völlig verwest ruhen, zu erwecken und ins Leben zurückzurufen, ist auch dann ein solches Bild des Schreckens Gestaltung für die Menschen der Erde? Kann der Tod noch etwas Fürchterliches an sich haben, wenn sich ein Meister über ihn erhoben hat? Auf daß ihr aber alle, die ihr hier seid, sehet, daß Ich, als auf dieser Erde ein Menschensohn, vollkommen die Macht habe, auch solche Leiber ins Leben zurückzurufen und sie neu und unsterblich zu beleben, so soll eben dieser Knabe euch davon ein Zeuge werden!"
 [GEJ.02_070,08] Hierauf sage Ich zum Knaben: "Josoe, Ich sage es dir, richte dich auf und lebe, und zeuge, daß Ich Macht habe, auch solche Tote zu erwecken, wie du einer bist!"

[Jesus konnte mit Seiner Allmacht die Protonen, Neutronen und Elektronen des Luftsauerstoffes zu neuen Atomen, Molekülen und Zellen umordnen und damit alle zerstörten Zellen in dem Leichnam des bereits verstorbenen Knabens ersetzen. Dann rief Jesus Seele und Geist des bereits verstorbenen Knabens aus dem Jenseits zurück und vereinte Seele und Geist wieder mit dem neu belebten Erdenleib!]

 [GEJ.02_070,09] In diesem Augenblick entstand ein starker Luftzug; der Verwesung Schimmel verschwand, über den Knochen ergänzte sich schnell die Haut, und innerhalb derselben fing der Leib also zur Vollgestaltung zu schwellen an, wie ein mit Sauerteig vermengter Brotteig in den Brotkörben, und in wenig Augenblicken erhob sich der Knabe als vollkommen lebendig aus dem offenen Sarge, erkannte gleich den Jairus, den Faustus und Kornelius, die er von Nazareth aus gar wohl kannte, und fragte besonders den Jairus, sagend: "Aber lieber Oheim, wie kam denn ich hierher in diesen Sarg? Was ist denn mit mir vorgegangen? Ich war ja erst in einer gar lieben Gesellschaft und weiß wahrlich nicht, wie ich nun auf einmal daher komme!"  [GEJ.02_070,10] Sagt Jairus: "Mein lieber Josoe, Den siehe an, der neben dir steht, das ist ein Herr über Leben und Tod! Du warst dem Leibe nach tot und bist schon anderthalb Jahre hier in diesem Sarge gelegen, und keine Macht, von den Menschen ausgehend, wäre vermögend gewesen, dir für diese Erde das Leben wiederzugeben; aber Dieser, der zwar auch so aussieht wie ein Mensch, aber viel mehr denn ein Mensch ist, hat dich vom Tode wieder ins Leben zurückgerufen! Daher sollst du auch Ihm allein danken für dieses dir nun wieder geschenkte Leben!"
 [GEJ.02_070,11] Der Knabe sah Mich groß an und betrachtete Mich vom Kopfe bis zum Fuße und sagte nach einer Weile reiferen und helleren Entsinnens: "Das ist ja eben Der, der mich von der schönen Gesellschaft abrief und zu mir sagte: ,Josoe, komme, denn du mußt Mir auf der Erde ein Zeuge werden, daß Mir alle Gewalt gegeben ist im Himmel und auf Erden!‘
 [GEJ.02_070,12] Und ich folgte Ihm willig; denn ich habe es gleich gemerkt, daß Er von Gott ausgegangen ist und in Sich trägt die Fülle der göttlichen Kraft und Macht über alles, im Himmel und auf Erden. Denn also, wie Er hier ist, sah ich Ihn ehedem in der Geistwelt, in der ich sicher war, da ich von Ihm gerufen ward, zurückzukehren in diese Welt.
 [GEJ.02_070,13] Es wird mir nun erst alles klar, und ich erkenne nun auch, daß ich schon gelebt habe auf dieser Erde und bin dann gestorben; aber wie das Sterben war, weiß ich nicht! Denn kaum mochte ich diese Welt verlassen haben - was ich nicht weiß, wie und auf welche Weise -, so war ich auch schon in einem schönen Hause unter einer gar lieben Gesellschaft, in der es mir gar wohl erging. Ich sah auch dann und wann meine Eltern und Geschwister und besprach mich mit ihnen über göttliche Dinge, die mir von meinen viel erfahrenen Gesellen gezeigt und gelehrt wurden. Aber diesen Heiligen der Heiligen habe ich eher nie gesehen denn um einige Augenblicke früher, als ich in diese Welt zurückgekehrt war!"
 [GEJ.02_070,14] Hier sage Ich zu den zwei Jünglingen: "Schaffet ihm ein Gewand und etwas Brot und Wein, auf daß sein Fleisch stark werde und er mit uns nach Nazareth ziehen kann!" - Als Ich solches den zweien gebot, waren sie auch schon mit dem Verlangten da.

Jesus heilt und speist 5000 Menschen.

 [GEJ.02_095,01] Als ich (Jesus) - wie schon bekanntgegeben - von den angekommenen Jüngern des Johannes vernommen hatte, was Ich ganz sicher schon früher wußte - ansonst Ich nicht schon des Morgens die ganze, große Gesellschaft zur rechtesten Zeit von Mir hinweg beschieden hätte -, da verließ Ich alsbald Nazareth und ging mit den zwölf Jüngern gen Sibarah an das Meer und da sogleich in ein Schiff und fuhr in die Gegend oberhalb von Bethabara. Im Schiffe selbst erzählten Mir die Jünger, was sie den Tag über auch sonst noch gelehrt und getan hatten, darum Ich sie denn auch belobte.
 [GEJ.02_095,02] Als wir aber an den Ort der vorgenommenen Bestimmung gelangten, da hieß Ich die Jünger, allein im Schiffe zu verweilen, und stieg allein ans Land und ging, bloß von ein paar Jüngern begleitet, in die Wüste, um ein Plätzchen zu suchen und zu bestimmen, wo Ich Mich einige Tage lang aufhalten könnte und sicher wäre vor den bekannten Nachstellungen des Herodes.
 [GEJ.02_095,03] Aber unserem Schiffe folgten in einiger Entfernung auch eine Menge anderer, kleiner Fahrzeuge und erfuhren dadurch leicht Meinen Aufenthalt, und das um so leichter, weil Ich durchaus nicht die Absicht hatte, Mich vor der hilfsbedürftigen Menschheit völlig zu verbergen.
 [GEJ.02_095,04] Es dauerte darum Mein Aufenthalt in dieser Wüste auch keinen Tag, als schon von allen Städten, Märkten und Dörfern eine große Menge Volkes herbeiströmte nebst den schon alten, über achthundert zählenden Jüngern, die in den früheren Städten und Märkten zu Mir gestoßen und am Morgen des vorhergehenden Tages von Mir in ihre Heimat beschieden worden waren. (Matth.14,13)
 [GEJ.02_095,05] Von diesen waren etliche von Kana in Galiläa und Kana in Samaria, etliche von Jesaira, etliche von Kis und Sibarah, von Kapernaum, Chorazin, Caesarea, Genezareth und Bethabara und machten Mich ruchbar noch in vielen anderen Orten, so daß aus allen diesen Märkten und Städten eine große Masse Volkes teils über den See und teils zu Fuß in die Wüste zu Mir kam, natürlich mit einer großen Menge von allerlei kranken und bresthaften Menschen. Wie schon früher erwähnt, so war kaum der Tag angebrochen, als schon bei tausend Pilger, Mir nach, Meine Lagerstätte auffanden und umlagerten.
 [GEJ.02_095,06] Es war aber Meine Lagerstätte, die Ich in der Wüste Mir gewählt hatte, eine geraume Höhle ohne eine hinterhaltige Öffnung. Diese Höhle lag ziemlich hoch und war mit Bäumen dicht umwachsen. Es war vor der Höhle auch ein sehr geräumiger freier Platz, auf dem etliche tausend Menschen mehr denn einen hinreichenden Lagerplatz finden konnten; und auf diesem Platze hatten sich denn auch die Menschen mit ihren Kranken gelagert.
 [GEJ.02_095,07] Da die Jünger, die um Meinen Aufenthalt wohl wußten, aber sahen, daß von allen Seiten her sich Massen von Menschen hinaufzogen und Meine Lagerstätte stets mehr und mehr umlagerten, so wurde ihnen bange um Mich. Sie überließen das Schiff ihren acht Schiffsknechten und begaben sich zu Mir hinauf, um Mir Nachricht zu geben, welche Massen von Menschen da zusammenkämen, und daß sie im Ernste nicht mehr dafür gutstehen könnten, ob nicht etwa Herodianer darunter sich befänden.
 [GEJ.02_095,08] Als die gutmütigen und besorgten Jünger Mir solche Nachricht brachten von dem, das Mir auch also bekannt sein mußte, da ging Ich aus der Grotte hervor und besah Mir das wahrlich große Volk, und es jammerte Mich wahrhaft desselben, als es Mich da mit tränenden Augen bat, daß Ich ihre mitgebrachten Kranken heile
 [GEJ.02_095,09] Und Ich heilte denn auch in einem Augenblick alle die anwesenden Kranken (Matth.14,14), wie auch alle, die noch auf dem mühevollen Wege zu Mir hin waren. Darauf gab es natürlich des Lobens und Preisens kein Ende. Bis gen Abend noch strömten Menschen herbei, obschon ihre Kranken auf dem Wege heil geworden waren, damit sie ihren Dank und ihren Preis darbrächten. Der Platz vor der Grotte war schon nahe gedrängt voll, so daß es den Jüngern förmlich bange zu werden begann; junge Leute stiegen sogar auf Bäume, daß sie Mich besser beschauen konnten.
 [GEJ.02_095,10] Als aber der Abend hereinzubrechen begann, da traten die Jünger zu Mir und sprachen: "Herr, hier ist eine Wüste; die Nacht fällt schon herein und, wie wir allgemein bemerkten, so hat niemand etwas Eßbares bei sich! Laß daher das Volk von Dir, daß es in die näherliegenden Märkte ziehe und sich Brot und Speise kaufe!" (Matth.14,15)
 [GEJ.02_095,11] Sagte Ich zu den Jüngern: "Es ist nicht nötig, daß die Menschen darum in die Märkte gehen, sondern gebet ihr ihnen zu essen! (Matth.14,16) Zu trinken brauchen sie nichts denn Wasser, das hier in reichen Quellen vorhanden ist."
 [GEJ.02_095,12] Sagen die Jünger, etwas verwundert über Mein Begehren: "Herr, wir haben hier mit uns nichts denn fünf Brote aus Gerstenmehl und zwei gebratene Fische. (Matth.14,17) Was ist das für so viele Menschen?"
 [GEJ.02_095,13] Sage Ich zu den Jüngern: "Bringet sie Mir hierher!" (Matth.14,18)
 [GEJ.02_095,14] Als die Jünger das taten, hieß Ich das Volk samt und sämtlich sich lagern aufs Gras, nahm darauf die fünf Brote und die zwei Fische, sah auf gen Himmel und dankte dem Vater, brach darauf die Brote und gab sie den Jüngern, und diese gaben sie dem Volke. (Matth.14,19) Die beiden Fische aber und ein wenig Brot blieben diesmal für die Jünger.

[Jesus konnte mit Seiner Allmacht die Protonen, Neutronen und Elektronen des Luftsauerstoffes zu den Atomen, Molekülen und Zellen von Brot und Fisch umordnen!]

 [GEJ.02_095,15] Und alle, die da waren, aßen genüglich davon und wurden alle genüglich satt. Da sie aber nicht alles aufessen konnten, so sammelten sie die übriggebliebenen Brocken in Körbe, die das Volk auf einer Reise gewöhnlich mitnahm; und die Körbe waren gewöhnlich ziemlich groß, da sie mittels der Achselbänder auf dem Rücken getragen wurden; und von den übriggebliebenen Brocken wurden zwölf solcher großen Körbe voll. (Matth.14,20) Derer aber, die da gegessen hatten, waren - ohne Weiber und Kinder gerechnet - bei fünftausend Mann. (Matth.14,21)

Jesus ermöglicht, daß seine Anhänger trockenen Fußes auf dem Meer gehen können.

 [GEJ.02_110,15] Ich (Jesus) aber machte nachmittags mit dem Hauptmann und mit Ebahl und seiner Familie einen Ausgang an das Meer, wo die acht Schiffsknechte das Schiff bedienten und dasselbe, weil es hie und da schon etwas schadhaft war, recht gut und mit allem Fleiße ausbesserten. Als wir zu ihnen kamen, hatten sie eine große Freude und erzählten dem Hauptmanne, wie Ich auf dem Wasser gegangen sei. Denn diese Erscheinung ging den achten gar nicht aus dem Kopfe und aus dem Gemüt.
 [GEJ.02_110,16] Als der Hauptmann solches vernahm, fragte er Mich, wie denn das möglich sei.
 [GEJ.02_110,17] Sagte Ich zu ihm: "Ich habe dir's ja gestern erzählt, welche Mächte Mir untertan sind und Mir dienen müssen! Wie magst du hernach fragen? Übrigens, so du dich getrauest, deine Füße aufs Wasser zu setzen, und Ich es will, so wirst auch du darauf umherwandeln können, solange Ich es will! Wenn es euch allen beliebt, so wollen wir gleich einen Versuch machen! Aber ihr müßt keinen Zweifel haben, sondern ihr müßt Mir ganz beherzt und mutig folgen!"
 [GEJ.02_110,18] Sagt der Hauptmann: "Es wäre alles recht, wenn nur das Meer hier beim Ufer nicht gleich so tief wäre! Die längste Strecke von hier nach oben und unten geht es gleich senkrecht in die beinahe unergründliche Tiefe hinab! Es dürfte einem der erste Tritt möglicherweise denn doch mißlingen, - und man wäre da unten, wo die großen Molche und Salamander hausen!"
 [GEJ.02_110,19] "Kleingläubiger", sagte Ich, "meinst du denn, daß Ich es wagen möchte, tollkühn zu sein, wenn Ich nicht wüßte, wer Ich bin, und wer alles Meinem Willen untertan sein muß? - Wer von euch Mut und Glauben hat, der folge Mir!"
 [GEJ.02_110,20] Hierauf trat Ich auf des Meeres Fläche, - und sie trug Mich wie festes Land. Also schritt Ich zehn Schritte vom Ufer, wandte Mich um und lud die Gesellschaft ein, zu Mir zu kommen; aber sie getrauten sich nicht.
 [GEJ.02_110,21] Da berief Ich das jüngste, zwölf Jahre alte Töchterchen des Ebahl, und das Mägdlein bekam Mut und setzte am Anfange den ersten Fuß ganz behutsam aufs Wasser. Als sie sich aber überzeugt hatte, daß das Wasser nicht wich, sondern dem Fuße so gut Widerstand leistete wie ein Steinboden, da fing sie gleich an, ganz munter zu Mir hinzuhüpfen, und hatte eine große Freude daran, daß das Wasser sie trug!
 [GEJ.02_110,22] Nach dem Mädchen versuchten es denn auch die andern, bis auf den Hauptmann, und alle befanden sich recht wohl und munter auf dem nun freilich sehr ruhigen Wasserspiegel.
 [GEJ.02_110,23] Der Hauptmann fragte Mich, voll Staunen und nun doch schon halb mutig: "Wie würde es denn dann gehen, wenn ein Sturm käme?"
 [GEJ.02_110,24] Sage Ich: "Komm und überzeuge dich!"
 [GEJ.02_110,25] Endlich versuchte auch der Hauptmann, einen Fuß auf das Wasser zu setzen, und da er sich überzeugte, daß das Wasser nicht wich, so setzte er endlich ganz behutsam auch den zweiten nach, ging, sich sehr leicht machend mit zurückgehaltenem Atem, die zehn Schritte zu Mir hin und war ganz glücklich, bei Mir auf einem, nie auf diese Weise betretenen Boden zu stehen.

Jesus wandelt eine karge Gegend in eine fruchtbare Gegend um.

 [GEJ.05_216,08] Sage Ich (Jesus): "Lehre ist besser denn Zeichen; denn die Zeichen zwingen, die Lehre aber führt und erweckt die zu erlangende Kraft in sich selbst, und es ist dann das erst des Menschen wahrstes und völligstes Eigentum, was er sich selbst durch die eigene Tätigkeit erworben hat. Aber natürlich bei Menschen, wie ihr es seid, die sich schon lange über alle Glaubenszwangssachen und deren gemessene Schranken hinausgesetzt haben, haben selbst die großartigsten Zeichen keine zwingende Kraft mehr, weil sie für Beobachter wie ihr so lange keine Zwangskraft bekommen, als sie nicht von eurer Lebenstheorie in bezug auf das ,Wie‘ als klar einleuchtend und wohl ersichtlich aufgenommen worden sind. Und so kann ich dir auch schon ohne Schaden für dein und deiner Nachbarn Gemüt ein Pröbchen aufführen.
 [GEJ.05_216,09] Aber Meine Zeichen, die Ich zur Bestätigung der Wahrheit Meiner neuen Lehre wirke, sollen stets so gestellt sein, daß sie den Menschen nebst dem großen moralischen Nutzen auch den physischen abwerfen, und so glaube Ich für euch und gleichsam in euch, daß es euch für die Folge von großem Nutzen wäre, so ihr euch als nun Meine sehr geachteten, neuen Jünger nicht so ganz und gar in einer allermagersten Wüste befändet, sondern so diese Gegend sogleich in eine sehr fruchtbare umgewandelt würde. - Bist du und seid auch ihr alle damit einverstanden?"
 [GEJ.05_216,10] Sagt Epiphan: "O Meister, so dir das möglich sein sollte, da würdest du wahrlich ein höchst wohlverdienstliches Zeichen gewirkt haben! Aber wahrlich, so dir das möglich sein sollte, dann wärest du ja doch offenbar mehr denn alle die größten Weisen und jüdischen Propheten der Welt, ja dann wärest du schon so ganz eigentlich im Ernste ein Gott, und deine neue Lehre müßte die vollste Wahrheit sein! Denn sehe sich ein Mensch einmal diese wahre Dabuora (Pech- und Naphthawüste) an! Nichts als nackte Felsen, bis zu den Wolken hinaufreichend; nur der Fuß dieses echten Pechberges ist mit spärlichem Gestrüpp hie und da bewachsen. Nur wenige Quellen sprudeln aus seinem Innern an das Tageslicht hervor, und dort unter den schroffsten Felsabhängen vegetiert ein magerer Zedernwald als ein wahres Heiligtum dieses Pechgebirges; alles sonstige weit und breit ist nackt und kahl wie die Oberfläche des Wassers!
 [GEJ.05_216,11] Nun, das soll jetzt durch dein Willensmachtwort in eine fruchtbare Gegend der Erde verwandelt werden?! Es ist so etwas zum voraus wohl ein wenig schwer zu glauben; aber du hast es in der Einleitung deiner Lehre gesagt, die, obschon eines sehr rätselhaften Klanges, dennoch in Rücksicht dessen wahr sein muß, weil du ein Mann bist, der erstens zu rein denkt, um sich mit Menschen, wie wir da sind, einen Scherz zu machen, und der zweitens schon so manches außerordentliche Zeichen hier geleistet hat. Ich ersuche dich darum, wenn es dich im Ernste sonst nichts kostet als ein einziges Willenswort!"
 [GEJ.05_217,01] Sage Ich: "So habe denn acht, und Ich sage dir weiter nichts als: Ich will es also! - Und nun betrachte du, Mein sehr lieber Epiphan, diese Gegend, und sage es Mir, wie sie dir gefällt!"
 [GEJ.05_217,02] Epiphan mit Aziona und Hiram und alle die hier Anwesenden schlagen sich auf die Brust und werden ganz stumm vor Verwunderung, und Epiphan betrachtet mit großen Augen bald die nun sehr herrliche Gegend - das Gebirge voll Wald und die Ufergegend, die doch ein Flächenmaß von nahe tausend Morgen hatte und mit sonst nichts als nur mit spärlichem Gras zur Weide für wenige Ziegen und Schafe bewachsen war und nun in der fruchtreichsten Üppigkeit dalag - und bald wieder Mich mit forschendem Blicke.
 [GEJ.05_217,03] Nach einer geraumen Weile des Staunens öffnet er erst wieder den Mund und sagt (Epiphan): "Ja, um so etwas in einem Moment bewerkstelligen zu können, muß man schon nahe mehr denn ein Gott sein! Denn ein Gott, wie ich deren aus den verschiedenen Gotteslehren der Ägypter, Griechen, Römer, Juden und sogar Perser und Indier kenne, läßt sich Zeit und wirkt seine Tageswunder ganz gemach und scheint sich dazu einer Menge großartiger Mittel und Apparate zu bedienen. Da muß eine Sonne sein, ein Mond, mehrere Planeten, eine zahllose Menge anderer Sterne. Diese helfen ihm unter gewissen Umständen, Stellungen und Verhältnissen die Wunder auf dieser Erde verrichten, - wo aber außer einem Blitze aus den Wolken alles so hübsch zeitlässig vor sich geht.
 [GEJ.05_217,04] Du aber hast hier in einem Augenblick etwas bewirkt, wozu sich ein Gott, wie ich mehrere aus den Büchern und Schriften kenne, sicher selbst mit allem Mitfleiße von Menschen noch ein paar Hunderte von langweiligen Jahren Zeit gelassen hätte. Daraus ziehe ich den untrüglichen Schluß, daß du offenbar mehr Gott sein mußt denn alle andern Götter, von denen ich vieles gehört und gelesen habe! Herr und Meister aller Meister der Erde! Wie, wie - und noch einmal - wie ist Dir das möglich? Und sollte das mit der Zeit sogar auch unsereinem möglich sein, so man sich ganz in Deine neue Lehre hineingelebt hat?"

Jesus vernichtet einige Götzen.

 [GEJ.06_093,01] Als wir aber die Straßen der Stadt durchzogen, da fehlte es natürlich nicht an allerlei Neugierigen, die uns von allen Seiten angafften und emsig fragten, wer wir etwa doch wären. Der Arzt, der Zöllner und seine mitgehenden Kinder, besonders der vom Tode erweckte Sohn Jorab, mußten sich von den Fragenden viel gefallen lassen, da die Menschen nicht begreifen konnten, wie dieser, der volle sieben Jahre krank war und gestern dem Verlauten nach gar gestorben sei, nun ganz gesund dahergehe. Allein die Fragenden wurden freundlich mit dem abgefertigt, daß sie in den nächsten Tagen schon alles erfahren würden, und sie gaben sich damit zufrieden.
 [GEJ.06_093,02] Aber am Ende einer langen Gasse begegneten uns drei Priester des Apollo, dann ein Zeus- und ein Minervapriester in ihren abenteuerlich und sehr magisch aussehenden Priesterornaten.
 [GEJ.06_093,03] Sie blieben vor uns stehen, und ein Apollopriester fragte uns, ob wir als Fremde etwa in den heiligen Hain, in welchem den allerersten und allerhöchsten drei Gottheiten ein Kommunetempel erbaut sei, gehen wollten. So das unsere Absicht wäre, da würden sie uns dahin geleiten und uns gegen Entrichtung eines kleinen Opfers zur Besänftigung der drei Götter alles zeigen, was es darin Sehenswertes und Wunderbares gebe.
 [GEJ.06_093,04] Da sagte der diesen fünf Priestern nur zu wohlbekannte Zöllner Jored: "Das sind meine Gäste; die werde schon ich freihalten, und so wollet uns denn den Tempel und eure Merkwürdigkeiten zeigen!"
 [GEJ.06_093,05] Damit waren die Priester ganz zufrieden und führten uns freundlich in den Hain, in dessen Mitte auf einem kleinen Hügel ein runder Tempel von einer ziemlichen Ausdehnung stand. Die Hälfte des Tempels war offen, und sein Dach ruhte auf zehn Säulen; die andere Hälfte aber war eine geschlossene Mauer und bildete einen festen Halbkreis. An dieser Mauer waren die marmornen Statuen der obbenannten drei Götzen angebracht. In der Mitte saß auf einem Throne der Zeus, zu seiner Rechten stand die Minerva in ihrer Kriegsrüstung und zu seiner Linken der Apollo, aber bloß mit der Leier; denn ein Apollo mit dem Sonnenwagen und mit den Pferden wäre für diese kleine Stadt zu teuer zu stehen gekommen.
 [GEJ.06_093,06] Als wir zum Tempel kamen, da sagte der Zeuspriester: "Wollen die Herren etwa, daß eine von den drei Gottheiten etwas reden soll, so bitte ich gefälligst, mir eine Frage gütigst anvertrauen zu wollen!"
 [GEJ.06_093,07] Sagte Ich: "Freund, dessen hat es für uns wahrlich keine Not; denn wir kennen als sehr erfahrene Menschen alle diese Vorkehrungen und wissen nur zu genau, auf welche Weise diese Statuen reden. Daher lassen wir das, und du erspare dir diese Mühe! Aber da heute niemand mehr hierherkommen und diese Götter um einen Rat fragen wird, so lasset die drei Sprecher hinter den Götzen frei, und sie sollen als sonst ganz ehrliche Menschen zu uns herausgehen!"
 [GEJ.06_093,08] Hier stutzte der Priester und sagte mit einem gewissen magisch-priesterlichen Pathos: "Freund, du bist ein Fremder; daher rate ich dir freundlich, den ernsten Göttern gegenüber ja nicht zu freveln, da dir darum leicht etwas Übles begegnen könnte! Denn ich sage es dir, daß da hinter den Göttern kein Sterblicher lauert und Fragen für die Götter beantwortet."
 [GEJ.06_093,09] Sagte Ich: "Dieweil du Mich nicht kennst, so vergebe Ich dir deine Lüge; aber überzeugen muß Ich dich denn doch, daß nur Ich, und nicht du, ganz das vollste Wahrheitsrecht habe! Sieh, Ich will nun, daß diese drei Götzen im Augenblicke zunichte werden und die drei armen Sprecher frei werden und zu uns hervorgehen!"
 [GEJ.06_093,10] Hier sagte der Priester: "Wenn du das imstande bist, dann fallen wir vor dir nieder und wollen dich als den Gott aller Götter und Menschen anbeten!"
 [GEJ.06_093,11] Sagte Ich: "Dessen bedarf Ich nicht, und dennoch sollt ihr eine andere Herrlichkeit der Macht des wahren Gottes, verbunden mit der Macht des Menschengeistes, dadurch kennenlernen, und Ich sage nun: Ich will es, und also sei es!"
 [GEJ.06_093,12] Sowie Ich das ausgesprochen hatte, da war von den drei Götzen auch keine allerleiseste Spur mehr vorhanden, und die drei in engen Nischen hockenden Sprecher waren sichtbar geworden und krochen ganz erschreckt und verblüfft aus ihren finsteren Verstecken ans helle Tageslicht hervor.

Jesus heilt die Maria Magdalena.

 [GEJ.06_185,01] Es begab sich aber bald darauf, etwa nach einer Viertelstunde, daß die Führerin der Römer, die sonst eine freie Maid für unzüchtige Männer war, ob des zu vielen Weingenusses von gewaltigen Krämpfen befallen wurde und gar jämmerlich schrie, ihr Gesicht verzerrte und ihre Glieder und Muskeln gar furchtbar verzog.
 [GEJ.06_185,02] Die Römer entsetzten sich darob sehr, weil sie eine solche Erscheinung für ein außerordentliches MALUM OMEN hielten. Sie sagten: "Wehe uns, die Götter sind auf uns voll Zorns geworden, weil wir einen fremden Gott aufsuchen gegangen sind! Was tun wir nun?"
 [GEJ.06_185,03] Sagte Lazarus: "Gar nichts als dableiben! Denn diese Person kenne ich ja schon eine geraume Zeit; sie ist mit dieser Krankheit schon mehrere Jahre lang behaftet, und es ist ihr das schon oftmals begegnet, besonders wenn sie etwas zuviel Wein genossen hatte. Wir Juden nennen das Besessenheit von einem oder oft auch mehreren argen Geistern. In den früheren Zeiten, als es unter den Juden noch viele fromme Menschen gab, konnten solche argen Geister durch das Gebet eines Frommen aus dem Menschen hinausgeschafft werden; aber in dieser Zeit gibt es so etwas kaum mehr. Natürlich könnte so etwas unser großer Mann wohl augenblicklich bewirken, so Er es wollte!
 [GEJ.06_185,04] Seht, das liegt an dieser Erscheinung und sonst gar nichts! Wie könnten eure Götter über euch erzürnt werden, da sie doch nirgends anderswo bestehen können als allein in der Phantasie der Menschen, die von einem wahren Gott nichts wissen, weil sie von Ihm nie etwas vernommen haben? Warum nicht? Das liegt im ewig großen Weisheitsplane Dessen, der die Menschen erschaffen hat."
 [GEJ.06_185,05] Das beruhigte die Römer, und sie konnten die Führerin, die sich in einem elenden Zustande befand, doch wieder anschauen und einiges Mitleid in sich wachrufen.
 [GEJ.06_185,06] Der erste Römer aber trat an unseren Tisch, an dem wir ganz ruhig saßen, suchte sich gerade Mich aus und sagte: "Aber lieber Freund, ist denn gar niemand unter euch, der dieser unglücklichen Maid irgendeine Hilfe zu leisten imstande wäre? Ihr sitzet wahrlich so teilnahmslos da, während diese Arme mit dem Tode ringt! Ich möchte ihr gewiß gerne helfen, so ich ein Mittel für ein solches Übel kennen würde; aber wir Römer sind eben in der Heilkunde besonders solcher Übel noch überaus schlecht bestellt."
 [GEJ.06_185,07] Sagte Ich (Jesus): "Du hast dich an Mich gewandt, ohne zu wissen, wer Ich bin; aber dein halbes Vertrauen, daß an unserem Tische jemand der Besessenen helfen könnte, hat dich zu Mir geführt. Und Ich sage es dir, daß dich dein Geist schon an den rechten Mann gewiesen hat, der ihr auch helfen wird zu ihrem leiblichen Wohle und zum Wohle ihrer Seele. Gebet denn wohl acht, mit welchen Mitteln Ich dieser Maid für immerdar helfen werde!"
 [GEJ.06_185,08] Hierauf erhob Ich Mich von Meinem Stuhle, ging hin zur schon ganz erstarrt daliegenden Maid, streckte Meine Hände über sie aus und bedrohte die sieben argen Geister in ihr.
 [GEJ.06_185,09] Die Geister aber schrien laut aus ihrem Bauche: "O Jesus, Du Sohn Davids, laß uns nur noch eine kurze Zeit in dieser unserer Wohnung!"
 [GEJ.06_185,10] Ich aber bedrohte sie noch einmal, und sie verließen die Maid im selben Augenblick.
 [GEJ.06_185,11] Und die Maid erhob sich und war so heiter, frisch und gesund, als ob ihr nie etwas gefehlt hätte. Als sie aber Mich an ihrer Seite ersah und man ihr gesagt hatte, daß Ich ihr geholfen habe, da sah sie Mich fest an und sagte: "Ach, das ist doch sicher jener herrliche Mann, für den mein Herz schon seit einem Jahre stets lebendiger schlug! Und gerade der, den ich gar unendlich liebte und noch liebe, seit ich ihn nur einmal im Vorübergehen gesehen habe, kam mir nun zu Hilfe! O Freund, hättest du mich nur lieber sterben lassen, als daß ich dich zur größten Qual meines Herzens wiedersehen muß, ohne je eine Hoffnung zu haben, auch von dir geliebt zu werden! Denn du bist ein reiner Mensch, und ich bin eine verworfene Hure!"
 [GEJ.06_185,12] Hierauf fiel sie zu Meinen Füßen nieder, umklammerte sie kniend und benetzte sie mit Tränen der Liebe und Reue.
 [GEJ.06_185,13] Da traten einige Jünger hinzu und wollten sie von Meinen Füßen hinwegziehen, und bemerkten ihr, daß sich so etwas hier nicht schicke.
 [GEJ.06_185,14] Ich aber sagte zu den Jüngern: "Was geht euch denn das an?! Bin denn nicht Ich der Herr über Mich und nun auch über sie? Wenn es Mir zuviel sein wird, da werde schon Ich ihr sagen, was sich da schickt oder auch nicht schickt! Ich sage euch: Diese Maid hat viel gesündigt, - aber sie liebt Mich auch mehr denn ihr alle zusammen; darum wird ihr auch vieles vergeben werden. Und noch sage Ich euch, daß allenthalben, wo Mein Evangelium gepredigt wird, auch dieses Vorfalles und dieser Maid Erwähnung gemacht wird."

Jesus wirkt ein Wunder für die bekehrten Heidenpriester.

 [GEJ.10_103,01] (Der Herr:) "Ihr habt Mich um die Wirkung eines Zeichens gebeten, und Ich will euch denn auch eines vor euren Augen wirken; aber des Zeichens wegen werdet ihr nicht selig werden, sondern nur eures Glaubens an Mich und des Lebens nach Meiner Lehre wegen!
 [GEJ.10_103,02] Sehet, hier auf diesem Hügel, der ganz kahl und öde ist, steht noch ein alter, aber schon seit mehr denn dreißig Jahren dürrer Feigenbaum! In jener Zeit entlud sich hier ein mächtiges Gewitter, der Regen fiel in Strömen von den Wolken zur Erde nieder und riß das ohnehin spärliche Erdreich vom steinigen Boden hinweg, und so verdorrten denn auch bald Gras und Bäume, weil sie nicht mehr genährt werden konnten.
 [GEJ.10_103,03] Seht, es steht mit diesem Hügel sowie mit der ziemlich gedehnten Umgegend und so auch mit diesem Baume, wie es mit eurer Erkenntnis des einen, allein wahren Gottes steht! Wie aber für den Menschen ohne die wahre, innere Erkenntnis des einen, allein wahren, lebendigen Gottes alles tot, wüste und öde ist und sein muß und er, da er keine Nahrung für Seele und Geist finden kann, verdorrt und verkümmert, weil der Weltsinnssturm von ihm das ihn nährende und belebende Erdreich, welches da ist das lebendige Gotteswort, hinweggeschwemmt hatte, so verdorrte dieser Baum und um ihn alles Gras und kann nicht zum Leben kommen aus sich, weil da kein Erdreich sich vorfindet, sondern nur durch Gottes Macht, die da schaffen kann ein neues Erdreich, erfüllt mit dem, was zum Pflanzenleben nötig ist. Und so denn will Ich, daß diese ganze Gegend, so wie dieser Hügel vorerst, mit fruchtbarer Erde bei zwei volle Ellen hoch überdeckt werde! - Es geschehe!"
 [GEJ.10_103,04] Als Ich dieses ausgesprochen hatte, da war die ganze Gegend und ebenso auch der Hügel mit dem sichtlich fruchtbarsten Erdreich überdeckt, worüber sich die Heidenpriester also tief verwundernd entsetzten, daß sie zu beben anfingen und der eine, schon am Abend vorher Unterwiesene laut ausrief: "Ja, Den ich so lange vergeblich gesucht habe, ist hier gefunden! Du, o Herr, groß, heilig und über alles mächtig, bist wahrlich Selbst eben Derjenige, von dem Du sprachst, daß ich Ihn noch finden werde! Denn nur ein Gott kann ein wüstes Land durch Sein Wort in einem Moment mit dem fruchtbarsten Erdreich bedecken; für die Menschen ist das unmöglich!
 [GEJ.10_103,05] Heil uns, daß wir Dich endlich einmal ganz so gefunden haben, wie wir Dich schon lange zu finden gewünscht haben! Nun ist der verhängnisvolle Isisschleier vor unsern Augen mit einem Schlag gelüftet. Oh, alle Ehre und alle Liebe Dir allein, Du ewig großer, allein wahrer Gott und Herr!
 [GEJ.10_103,06] Oh, vergib uns unsere vielen Sünden, die wir in unserer zu großen Blindheit gegen Dich und so denn auch gegen unsere Nebenmenschen begangen haben! Wir wollen und werden von nun an aber nach Möglichkeit mit Deiner über alles mächtigen Hilfe alles wieder gutmachen, was wir jemals Übles angerichtet haben; sei Du uns gnädig und barmherzig, und verstoße uns Sünder nicht zu weit von Dir, Du unser Gott und unser Herr!"
 [GEJ.10_103,07] Sagte Ich: "Du hast nun wohlgeredet, doch dein Fleisch und dein Blut hat dir das nicht eingegeben, sondern der Geist Meines von dir aufgenommenen Wortes in dein Gemüt. Auch du bist nun mit geistig fruchtbarer Erde also überdeckt worden wie dieser Hügel und diese sehr gedehnte Umgegend, und was in dir wüst und öde war und keine Frucht zum Leben hervorbringen konnte, wird allenthalben zu grünen beginnen und eine reichliche Frucht in aller Mannigfaltigkeit zur wahren Nahrung und vollen Sättigung der Seele für ihr ewiges Leben hervorbringen.
 [GEJ.10_103,08] Darum bleibe du tätig nach deinem Vorsatze, und du wirst zum Leben für viele ehest ebenso erblühen, wie nun dieser Hügel und die ganze Umgegend durch Mein Wort ergrünen und erblühen werden, und wirst als ein im Geiste der Lebenswahrheit bis jetzt tot gewesener Mensch eben also auch nur durch Mein Wort, das du als ein lebendiges Gotteswort in dir an- und aufgenommen hast, zur wahren Lebensfruchtbringung vollends belebt werden, wie nun vor euer aller Augen dieser durch volle dreißig Jahre dürre und tote Feigenbaum, von dem nur noch der Stamm nebst einigen stärkeren Wurzeln und Ästen hier ersichtlich ist.
 [GEJ.10_103,09] Ich will denn nun, daß dieser Hügel mit der ganzen Umgegend ergrüne und zur reichlichen Fruchtbringung erblühe und dieser alte und morsche Feigenbaum wieder lebendig werde und Früchte erzeuge zum Genusse für Menschen und Vöglein des Himmels! Es sei!"
 [GEJ.10_103,10] Auf diese Meine Worte ergrünte und erblühte der Hügel und die ganze Umgegend, und der Feigenbaum ward voll Blätter und Blüten und auch mit vielen neuen Ästen und Wurzeln versehen.

Jesus spricht über die Wundertätigkeit.

 [GEJ.10_220,01] (Der Herr:) "Es solle wohl Mein Evangelium über die ganze Erde ausgebreitet werden, aber dabei lege Ich keinem wahren Lehrer und Propheten die Pflicht auf, daß durch sie alle Menschen zum Vollichte der Wahrheit aus Mir gebracht werden sollen, - es genügt, daß die reine Lehre dem besseren und vollkommeneren Menschen erteilt wird und das Recht, diese, soviel als möglich ist, auch unter die andern Menschen zu verbreiten. Wohl denen, die sie annehmen werden! Aber das wird kein noch so vollkommener Lehrer und Prophet zuwege bringen, daß auf den Dornen die Trauben und auf den Disteln die Feigen wachsen werden.
 [GEJ.10_220,02] Ich bin doch der Herr Selbst, und ihr wißt, daß Mir nichts unmöglich ist, - aber die Menschen dieser Erde, solange Ich ihnen den vollkommen freien Willen belassen muß, kann selbst Ich nicht bei aller Meiner Liebe und Meinem besten Willen in die Sphäre Meines ewigen Wahrheitslichtes erheben. Was Ich aber Selbst nicht kann und vermag, das werdet ihr um so weniger können und vermögen.
 [GEJ.10_220,03] Es dünket euch freilich, es sollte Mir auch so etwas durch ein großartigst gewirktes Wunder möglich sein, und Ich sage euch, daß ihr teilweise wohl recht habt, - aber im ganzen gar nicht! Denn ein Wunder wirkt wohl örtlich, und das besonders zur Zeit, wenn es gewirkt worden ist, - an andern Orten muß davon schon erzählt werden, und es werden dann wohl einige daran glauben, die andern aber werden sagen: ,Wenn dort das Wunder zur Erweckung des Glaubens gewirkt worden ist, - warum denn bei uns nicht?‘ Und für die Folge der Zeiten wird ein noch so großartig gewirktes Wunder wie eine andere geschehene Sache um so weniger geglaubt, je mehr Aufhebens davon gemacht wird, geht somit in den Bereich der geschichtlichen Märchen und Fabeln über und dient bei der überwiegenden Leichtgläubigkeit der Menschen mehr zur Bekräftigung ihres andersartigen Aberglaubens und dient daher nicht zur Erweckung des wahren Lichtes im Herzen des Menschen.
 [GEJ.10_220,04] Die Menschen unterscheiden da gar nicht ein wirklich wahres Wunder von einem falschen, betrachten beide für etwas Außerordentliches und lassen sich dadurch zum Glauben zwingen.
 [GEJ.10_220,05] Darum sollet auch ihr so wenig als möglich irgendein Wunder wirken, außer kranke Menschen heilen durch die Auflegung eurer Hände und die Menschen, die vollgläubig geworden sind, taufen, damit sie den Geist der Wahrheit in sich aufnehmen.
 [GEJ.10_220,06] Darum haltet ihr euch vor allem nur an die reine Wahrheit; denn diese allein macht den Menschen vollkommen frei; alles andere hinterläßt in seinem Gemüte einen stets mehr oder weniger haftenden Zwang, dessen er nicht leicht los wird. Ein Zwangsglaube aber ist zumeist um vieles schlechter als gar kein Glaube.
 [GEJ.10_220,07] Die Stoiker, größtenteils aus der Lehre des Griechen Diogenes hervorgehend, glauben an gar nichts, und Ich sage euch, daß sie Mir als Menschen um vieles lieber sind als jene dummen, blindgläubigen Juden, die da noch heutzutage des Glaubens sind, daß der Tempelmist ihre Äcker, Gärten, Wiesen und Weinberge belebe und sie fruchtbar mache, und daß derjenige Gott einen viel wohlgefälligeren Dienst erweise, der sein Geld als Opfer in den Gotteskasten im Tempel zu Jerusalem lege, als so er dasselbe Geld einem andern armen Menschen darreichte, dem damit auf längere Zeit geholfen wäre. Daher prediget nur die Wahrheit vor allem und seid seltsam im Wunderwirken!"
 [GEJ.10_220,08] Sagte hierauf endlich einmal Mein Johannes: "Herr und Meister, was mich betrifft, so werde ich mit der Wundertätigkeit mich sehr wenig abgeben; denn ich habe es jetzt klar eingesehen, daß das Zeichenwirken dem Menschen eben nicht so viel nützt wie das Wort allein.
 [GEJ.10_220,09] Wen das wahre Wort nicht frei macht, den wird das Zeichen noch weniger frei machen. Es haben zwar die Zeichen schon auch ihr entschieden Gutes, wenn sie von Dir aus gewirkt werden, indem Du allein am besten zu berechnen imstande bist, wo ein Zeichen zu wirken nötig ist, und wie es beschaffen sein muß; aber wir, Deine Jünger, werden das nie vollkommen verstehen, solange unsere Seelen mit diesem Fleische umhüllt sind, und somit bin ich der Meinung, daß es besser ist, beim alleinigen Worte zu bleiben, das sich dann durch seinen Wahrheitsinhalt von selbst kräftigen wird und keiner Nebenbekräftigung bedarf, wie denn das auch bei unserer Rechenkunst mit Händen zu greifen verständlich gemacht werden kann.
 [GEJ.10_220,10] Soll ich vor dem, dem ich beigebracht habe, daß zwei und noch einmal zwei genau vier ausmachen, etwa auch noch ein Zeichen wirken, das ihm diese Rechenwahrheit bekräftigen soll? Ich meine, daß das unnötig wäre; und so ist denn auch Deine höchst einfache Lehre in sich selbst gleich wie eine rechenkünstlerische Wahrheit, die ein jeder Mensch, so er nur einen Funken guten Willens besitzt, auf ein einzigmaliges Hören einsehen, verstehen und begreifen muß.
 [GEJ.10_220,11] Denn es liegt dazu schon in jedem Menschen ein innerer Drang, erstens Den zu suchen, der die Welt und alles, was auf ihr ist, erschaffen hat, indem ein solcher Mensch wohl einsieht, daß der Schöpfer aller dieser großen Dinge höchst weise, höchst mächtig und auch höchst gut sein muß, und daß der Mensch, der Ihn also nur erkennt, Ihn schon über alles achten und lieben muß, und daß er darauf auch seine Nebenmenschen als ein ihm gleiches wunderbarstes Gotteswerk ebenso achten und lieben muß wie sich selbst. Das sind zwei mathematische Wahrheiten, wider die niemand einen Zweifel erheben kann. Und dann kommt zweitens, daß der Mensch, der solches klar begreift, daß Gottes Macht und Weisheit alle diese Dinge erschaffen hat, darauf auch einsehen muß, daß Gott derlei Wunderdinge nicht darum ins Dasein gerufen hat, daß sie von heute bis morgen gewisserart zum Zeitvertreib des Schöpfers da seien, sondern daß selbst das kleinste Seiner Werke für ewig hin eine stets höhere Bestimmung in sich trägt.
 [GEJ.10_220,12] Ich meine, diese Wahrheit wird einem jeden Menschen auch ohne eine Zeichenwirkerei begreiflich sein; es kommt nur darauf an, wie man es ihm vorträgt.
 [GEJ.10_220,13] Ja, zum Beispiel, irgend Kranke zu heilen, auch einen oder den andern Besessenen von seinen Plagegeistern zu befreien, also dadurch seinen Nebenmenschen Gutes erweisen, sind auch Werke der Liebe, aber sie sollen nicht deswegen gewirkt werden, damit die Wahrheit durch sie bekräftigt werde, sondern aus Liebe!
 [GEJ.10_220,14] Herr und Meister, habe ich mit diesen meinen schlichten Worten recht oder vielleicht auch nicht völlig recht gesprochen?"

Von der Bekehrung durch Wunder.

 [GEJ.10_221,01] Sagte Ich: "Mein lieber Johannes, du hast vollkommen wahr und richtig gesprochen, und es soll also auch Meine Lehre den andern Menschen überbracht werden, so wird sie auch bleibend gute Frucht tragen, - wird sie aber den Menschen mit zu vielen Wunderzeichen aufgedrungen werden, so wird sie gleichen einer notreifen Frucht, die selten einen wahren, inneren Gehalt hat und sich für die Folge schlecht aufbewahren läßt.
 [GEJ.10_221,02] Denn alles Notreife hat wenig inneren Geist und geht bald und leicht in Fäulnis und in Verwesung über, - denn was bald und leicht bewirkt werden kann, gleicht auch demjenigen Bauherrn, der sein Haus im Tale mit geringen Unkosten auf Sand gebaut hat, das, als Stürme und Wolkenbrüche kamen, denselben keinen Widerstand leisten konnte, sondern ward niedergerissen. Und ebenso geht es mit der Lehre vom Reiche Gottes, welche mit Hilfe der vielen Zeichen und Wunder den Menschen gepredigt und aufgedrungen wurde.
 [GEJ.10_221,03] Ja, die Menschen nehmen die Lehre auch leicht und bald an; wenn aber mit der Zeit Versuchungen und Prüfungen über sie kommen, so wissen sie dann den Versuchungen nichts entgegenzustellen - das heißt jenen Menschen, die sie mit einer andern und falschen Lehre versuchen - als eben nur die erlebten Wunderzeichen. Wirken nun die Versucher als falsche Lehrer und Propheten ihre falschen Wunder vor den Augen solcher notreifen Christen, so haben diese notreifen Christen gar nichts, wodurch sie die innere Wahrheit Meiner Lehre bekräftigen könnten, fallen dann ab und gehen zu den falschen Lehrern und Propheten über.
 [GEJ.10_221,04] Denn derlei Menschen, weil sie in sich noch nicht die Wahrheit begreifen, sind gleich einem Schilfrohr, das sich vom Winde nach allen Seiten hin beugen läßt.
 [GEJ.10_221,05] Mit den Eichen und Zedern aber können die Winde kein solches Spiel treiben. Den Eichen und Zedern aber gleichen nur jene Menschen, die durch die pure Wahrheit Meiner Lehre zu Mir bekehrt worden sind. Vor denen mögen die falschen Lehrer und Propheten ihr tausendfaches Windspiel treiben, und sie werden sich nicht beugen, denn die Kraft der inneren Wahrheit ist mächtiger denn alle andern Kräfte auf der ganzen Erde.
 [GEJ.10_221,06] Wer von euch bei der Verbreitung Meiner Lehre sich das zum Grundsatze machen wird, der wird wahrlich demjenigen Sämanne gleichen, der den Weizen nur in einen guten Acker säte und bald darauf eine hundertfache Ernte hatte; wer aber diesen Lehrgrundsatz nicht oder weniger beachten wird, der wird seinen Weizen auch auf Wege und Straßen, auf Steine und Felsen und zwischen die Dornen und Disteln aussäen und wird von seiner Arbeit und Mühe eine schlechte Ernte haben.
 [GEJ.10_221,07] Also sollet ihr auch von den Wundertaten, die Ich gewirkt habe, nicht viel Aufhebens machen, aber dafür lieber den Menschen recht klar vor Augen stellen die Wunder und Zeichen, die Ich vor jedermanns Augen tagtäglich wirke, und ihr werdet dadurch um vieles bessere und reichlichere Früchte ernten, als so ihr den Menschen in aller Länge und Breite Meine Wundertaten vorerzählt. Denn werden die Menschen einsehen, daß Ich der Herr und der Meister von Ewigkeit in allen Dingen bin, so werden sie etwa wohl auch einsehen, daß Mir während Meines leiblichen Daseins eben auch nichts unmöglich zu bewirken war.
 [GEJ.10_221,08] Wer dieses versteht, der handle auch danach, und er wird gute Früchte Mir verschaffen! Doch sage Ich euch nun auch, daß es noch einige unter Meinen Jüngern gibt, die das nicht also verstehen wie Mein Jünger Johannes. Darum wird auch sein Wort sich halten bis ans Ende der Zeiten, aber nicht also auch jedes anderen Jüngers Wort, besonders dessen nicht, der seinen Mund zu sehr im Weitererzählen über Meine Wundertaten auftun wird."
 [GEJ.10_221,09] Diese Meine Rede, so wie die frühere des Johannes mundeten zwar einigen andern hier anwesenden Jüngern nicht besonders, aber es getraute sich dennoch keiner etwas dagegen einzuwenden.


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