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Vom Jüngsten Gericht, Evangelist Matthäus, die Entstehung des Neuen Testaments, Auferstehung des Herrn, über die Evangelien

Leseproben des Propheten Jakob Lorber

Wie entstand das Neue Testament

I. Der Evangelist Matthäus

 [HiG.03_64.03.18,01] Was die erste Frage betrifft, so ist in ihrer Hinsicht schon eine kleine Erläuterung im eigentlichen Johannes(-Evangelium) berührt worden. Allein um euch diese Sache noch um vieles heller zu machen, müßt ihr wissen, daß der Evangelist Matthäus erst dann von Mir aufgenommen wurde, als Ich ihn bei Meiner Reise nach Kis in einer Mittelstation zwischen Kapernaum und Kis als einen in römischen Diensten stehenden Zöllner antraf; darum Mir auch der Vorwurf gemacht wurde, Ich gehe mit Zöllnern und Sündern umher.
 [HiG.03_64.03.18,02] Da aber dieser Matthäus gut bei der Feder war und sich von Mir nicht mehr trennen wollte, so ward er von Mir als Schreiber aufgenommen, aber nur mehr für die Tatsachen, während Mein Johannes das Wort, das Ich lehrte, aufzuzeichnen hatte, und Matthäus mitunter weniger geistige Teile Meiner Lehren und Predigten für sich aufzeichnete, dieselben jedoch allzeit bei Gelegenheiten von Johannes sich korrigieren ließ; denn Matthäus hatte für Tatsachen ein gutes Gedächtnis, aber für die Lehre ein schwaches.
 [HiG.03_64.03.18,03] Von Meinem Familienverhältnis wußte er, solange er mit Mir umherging, sehr wenig, und was er wußte, teilten ihm bei Gelegenheit Jakobus, Simon und Johannes mit, das er sich jedoch nicht auf der Stelle aufzeichnete, sondern erst einige Jahre nach Meiner Auferstehung, als er statt des Judas Ischariot zum Apostel gewählt wurde.
 [HiG.03_64.03.18,04] Dieser Apostel selbst - als der Evangelist - hatte sein Evangelium ganz ordentlich und richtig zusammengestellt und machte dann damit seine Reise in die südöstlichen Gegenden Asiens.
 [HiG.03_64.03.18,05] Es haben sich aber dann in Jerusalem, in Galiläa, in Samaria, dann in Tyrus und Sidon fünf Matthäusse hervorgetan, und es schrieb ein jeder ein ‚Evangelium Matthäi'; darunter das zu Sidon erschienene unstreitig noch das allerannehmbarste war.
 [HiG.03_64.03.18,06] Die andern vier wurden bei der großen Kirchenversammlung zu Nicäa - als mit diesem gar nicht übereinstimmend, wie auch untereinander nicht - als vollends apokryph verworfen und das Sidonische als möglichst echt erhalten. Und so ist auch dieses teilweise apokryph, obschon der Schreiber sich alle erdenkliche Mühe gab, die Sache so wahr als möglich darzustellen.
 [HiG.03_64.03.18,07] Er selbst schrieb eigentlich - statt diesem einen - vierzehn Evangelien, je nachdem ihm irgend die Sache von sein wollenden Augenzeugen bekanntgegeben wurde. Aus diesen vierzehn schrieb er dann ein fünfzehntes, das nach der Beurteilung vieler Sachkundiger als das richtigste und wahrste erklärt wurde.
 [HiG.03_64.03.18,08] Und dieser Pseudo-Matthäus, der eigentlich l'Rabbas hieß, ist der eigentliche Schöpfer des heutigen Matthäus-Evangeliums.
 [HiG.03_64.03.18,09] Das wirkliche (Matthäus-Evangelium) aber befindet sich heutzutage noch in einer großen Bücher- und Schriftensammlung in einer bedeutenden Bergstadt Hinterindiens, welche Bücher- und Schriftensammlung wohl die größte und reichhaltigste nach der verbrannten alexandrinischen auf der ganzen Erde ist. Sie besteht aus mehreren Millionen Exemplaren Büchern und Schriften aller Art, zu welcher Sammlung aber leider nur die hohen Priester, die unter dem obersten Priester Brahmas stehen, Zutritt haben. Die Birmanen allein besitzen eine aber sehr abgekürzte Abschrift.
 [HiG.03_64.03.18,10] Ihr möchtet wohl auch wissen, was es mit dem Apostel Matthäus in diesen Ländern Indiens für ein Ende genommen hat?
 [HiG.03_64.03.18,11] Er ist daselbst ganz gut gehalten worden, durfte aber seine Lehre nur den Priestern und keinem andern Menschen mitteilen. Er fand aber doch in seinen alten Tagen von Meinem Geist geleitet eine Gelegenheit, zu den Birmanen zu entkommen, und er lehrte sie allerlei Weisheit und schrieb für sie dann auch das schon vorher erwähnte kurze Evangelium.  [HiG.03_64.03.18,12] In einigen besseren Traditionen wird dieser Apostel und noch ein Gefährte "die Apostel Indiens" genannt.
 [HiG.03_64.03.18,13] Aus dem werdet ihr wohl leicht entnehmen können, wie es sich mit dem euch bekannten Evangelium Matthäi verhält, wie auch mit dem angeführten 13. Kapitel, wo es heißt, ob Ich nicht der Sohn des Zimmermanns Josephs sei, ob Meine Mutter nicht Maria heiße und Meine Brüder nicht Jakob, Joses, Simon, Judas und Johannes? und - "seine Schwestern, sind sie nicht alle bei uns? Woher kommt Ihm denn das alles?"
 [HiG.03_64.03.18,14] Um dieses zu verstehen, muß man wissen, was schon im ‚Johannes' erwähnt ist, daß Ich einmal nach Nazareth kam, dort in der Synagoge lehrte und gar manches Zeichen wirkte; und als darüber sich sogar Meine Apostel und Jünger aufzuhalten anfingen, Ich zu ihnen sagte: "Der Prophet gilt nirgends weniger als in seinem Vaterlande, verließ Nazareth und kam nachher nicht wieder dahin.
 [HiG.03_64.03.18,15] Was aber Meine sogenannten Brüder und Schwestern betrifft, so waren sie wohl Kinder Josephs aus seiner ersten Ehe, aber nicht Kinder Marias, deren einziger und nicht erster, d. i. wohl erster, aber einziger Sohn Ich war.
 [HiG.03_64.03.18,16] Was aber die Schwestern anbelangt, so waren sie nicht Töchter Josephs, sondern dessen arme Anverwandte, und man nannte sie darum auch Schwestern, indem sie ganz nach dem Sinne und Willen Josephs wie auch der Maria lebten und handelten.
 [HiG.03_64.03.18,17] Drei von diesen Brüdern zogen mit Mir, nämlich Jakobus, Simon und Johannes; zwei aber blieben daheim und betrieben des Josephs Handwerk fort und pflegten die Maria bis dahin, als Ich sie dem Johannes zur weiteren Pflege übergab.
 [HiG.03_64.03.18,18] Die nämlichen scheinbaren Widersprüche werdet ihr auch in dem Evangelium des Lukas finden; denn dieser Evangelist schrieb erst mehr als fünfzig Jahre nach Mir das Evangelium und eben also auch die Apostelgeschichte. Aber auch sein Evangelium ist ein Zusammentrag von dem, was er durch eifrige Erkundigung über Mich und die Apostel zustande gebracht hat.
 [HiG.03_64.03.18,19] Alles, was er geschrieben hatte, hat er seinem bekannten Freunde Theophilus nach Athen übersandt, welcher Theophilus dann wieder ein Evangelium aus dem Evangelium des Lukas schrieb, es mit manchen Zusätzen bereicherte, aber mitunter auch so manche Unrichtigkeit in dasselbe hineinmengte, aus der sich dann so manche Widersprüche ergaben, besonders im naturmäßigen Buchstabensinne - namentlich Mein übertyrannisches Auftreten im so genannten "Jüngsten Gericht", die mit dem einzig noch allerrichtigsten kurzen Evangelium des Johannes durchaus nicht übereinstimmen, doch geistig immerhin eine Beleuchtung zulassen - und wir werden über dieses und noch mehreres andere im nächsten Diktate reden. Und somit gut für jetzt. Amen.

II. Vom Jüngsten Gericht

 [HiG.03_64.03.19,01] Ich habe euch schon gestern erwähnt, daß von dem außerordentlichen "Jüngsten Gericht" im Evangelium Matthäi (l'Rabbas) und noch mehr beim Evangelisten Lukas eine ausführlich große Erwähnung gemacht ist, und daß eben dieses jüngste Gericht vielseitig schuld war und noch ist, daß sich gar viele Menschen von Meiner Lehre ganz abgewandt haben, haben sich selbst Lehren aus der reinen Vernunft nach ihren Verstandeskräften gebildet und nach denselben ihre Nebenmenschen gelehrt, selbst gehandelt und gelebt und wollten von des Schreckenstages Lehre und Propheten nichts mehr hören und wissen.
 [HiG.03_64.03.19,02] Denn sie sagten, und zwar nicht mit Unrecht: Wie kann ein endlos weiser ewiger Gott, aus dessen großen und kleinen Geschöpfen sicht- und fühlbar nur die Liebe atmet, eben die größte Anzahl der Menschen einzig darum nur ins Dasein gerufen haben, um sie nach einem kurzen Leben auf einer materiellen Welt, die ohnehin aus lauter Tod und Elend zusammengesetzt ist, nach dem Hintritte ins Jenseits ewig zu quälen und zu plagen für die Vergehen, die sie in ihrem Leibe auf der Welt begangen haben? -
 [HiG.03_64.03.19,03] Ich sage es euch, solches wäre nicht einmal dem höchsten und bösartigsten Tyrannen auf der Welt möglich. Denn es ist sicher so manchem aus euch aus der Geschichte der Ur-, Vor-, Nach- und Jetztzeit nicht unbekannt, daß sich zu große Tyrannen am Ende vor sich selbst zu fürchten haben angefangen, und gar manche aus ihnen haben sich geflüchtet ohne einen besonderen anderen Grund, als aus einer sich stets steigernden Furcht vor sich selbst, und fanden auf solcher Flucht auch gewöhnlich ihren Untergang.
 [HiG.03_64.03.19,04] Allein hier kann Ich euch in bezug auf solche Auswürflinge der menschlichen Bosheit das hinzusagen, daß sie nach einer gewissen Zeit ihrer tyrannischen Herrschaft von stets mehr und mehr bösen oder ungegorenen Dämonen in Besitz genommen wurden und mußten ihnen als Werkzeuge ihrer dämonischen Rache, die sie gegen ein Volk hegten, dienen.
 [HiG.03_64.03.19,05] Wenn man diese Tyrannen, die vor den Augen der Welt wahrlich Greueltaten auf Greueltaten gehäuft haben, darum schon für ewig in die Hölle verdammen sollte, so wäre man als Richter ja selbst ein tausendmal größerer Tyrann, als diese es selbst waren. Wie könnte Derjenige, der Ich Selbst es war, den Vater als die ewige Liebe in Mir unter den größten Schmerzen Meines Leibes für alle diejenigen, die Mich gekreuzigt haben und haben kreuzigen lassen, bitten, daß Er ihnen vergeben solle, indem sie nicht wüßten, was sie täten!
 [HiG.03_64.03.19,06] Denn von den Pharisäern, vom Hohenpriester Kaiphas angefangen bis zu den Schergen, die Meinen Leib ans Kreuz geheftet haben, wußte wahrlich keiner, mit wem sie es so ganz eigentlich an Mir zu tun hatten. Denn die Pharisäer hielten Mich trotz aller Meiner Taten und Lehren erstens für einen Hauptmagier aus der Schule der Essäer, die bei ihnen über die Maßen verhaßt waren, und fürs zweite hielten sie Mich für einen Judenaufwiegler, als der Ich den Römern eine Gelegenheit bereite, damit sie den Juden alle Freiheit und am Ende sogar ihren Religionskultus verböten. Je größere Zeichen Ich demnach wirkte, desto mehr wuchsen Meine euch wohlbekannten Feinde.  [HiG.03_64.03.19,07] Was aber die Schergen betrifft, so waren die meisten Soldaten der Römer als Söldlinge von allen Nationen des Römischen Reiches zusammengerafft und waren den Römern um so lieber und wünschenswerter, je grausamer und herzloser sie sich in den Schlachten und auch bei kleinen Exekutionen zeigten; denn ein gefühlvoller römischer Soldat wäre ein wahres Unding für den kriegerischen Sinn der Römer gewesen. Aus dem geht aber auch sicher hervor, daß die gemeinen römischen Söldlinge noch weniger wußten, was sie taten, als Meine euch schon bekannten Erzfeinde selbst.
 [HiG.03_64.03.19,08] Und es läßt sich hier wieder fragen, ob es nach Meiner göttlichen Weisheit wirklich recht und gerecht gewesen wäre, alle diese für das, was sie an Mir getan haben, für ewig in die Hölle zu verdammen und sie zu werfen in die ewige Marter, Qual und Pein.
 [HiG.03_64.03.19,09] Habe Ich etwa den linken Schächer, der Mich bekanntlich am Kreuze verhöhnte, darum verdammt? Dies steht wahrlich nirgends geschrieben. Aber dem andern Schächer, der Mich als einen Gerechten erkannte und dem linken Schächer wegen seines Höhnens einen guten Verweis gab, gab Ich dafür die Versicherung, daß er noch am selben Tage bei Mir im Paradiese sein werde, obschon er des Raubes und Mordes wegen am Kreuze sterben mußte.
 [HiG.03_64.03.19,10] Wo bleibt denn da der so schrecklich geschilderte jüngste Gerichtstag, an welchem etwa kaum ein Dezillionstel der Menschen in den Himmel kämen, alle andern aber für ewig in die Hölle?!
 [HiG.03_64.03.19,11] Wie kann Der von einem solchen Schreckenstage gepredigt haben, der im Tempel der Ehebrecherin Schuld in den Sand schrieb, und ein andermal in Gegenwart vieler anwesender Sünder laut ausrief: "Kommet alle zu Mir, die ihr mühselig und beladen seid, Ich will euch alle erquicken!"
 [HiG.03_64.03.19,12] Wieder sagte Ich einst, als Mich ein Schriftgelehrter fragte, der so einen halben Glauben an Mich bezeugte: Meister! ich erkenne, daß Du recht und gerecht lehrest, und man kann dem, was Du lehrest, nichts einwenden; doch sagtest Du in Deiner Lehre: Wer an Dich glaubt und nach Deinen Worten handelt, der wird das ewige Leben haben - auch dann, so er stürbe, wenn es möglich wäre, zum hundertsten Male in der Welt! Nun betrachte Du aber die Völker und Menschen auf dieser Erde, die von Dir und Deiner Lehre sicher in zweitausend Jahren und darüber nichts werden vernommen haben! Wie werden sie an Dich glauben und nach Deinen Worten leben? Werden diese nahe zahllos vielen Menschen alle in den ewigen Tod übergehen, weil sie an Dich nicht glauben konnten und nicht halten Deine Worte? -
 [HiG.03_64.03.19,13] Da dieser Schriftgelehrte bei einer Gelegenheit zur Nachtzeit solche Frage an Mich stellte, so zeigte Ich ihm mit zwei Fingern hinauf an das mit Sternen übersäte Firmament: Da sehe hinauf, dies ist das Haus Meines Vaters! Und in diesem endlos großen Hause gibt es gar viele Wohnungen. Wer Mich hier nicht konnte kennen lernen und vernehmen Mein lebendiges Wort, für den wird sich schon in diesem großen Hause irgend eine Gelegenheit finden zu dem Zwecke seines ewigen Lebens! Darum sorge du dich nicht für jene, welche nun und auch in später Folge von Mir nichts werden vernehmen können; denn Mein Vater kennet sie alle und hat auch nicht einen von ihnen zum ewigen Falle, sondern nur zur ewigen Auferstehung aus Seiner Liebe und Weisheit ins Dasein gerufen! Und du hast dadurch an Mich zwar eine weise scheinende, aber darum doch eitle Frage gestellt. -
 [HiG.03_64.03.19,14] Habe Ich darum den schlechten Haushalter seines Herrn, was ihr im Grunde alle mehr oder weniger seid, wegen seiner schlechten Haushalterei verdammt, weil er seinen Herrn betrog, aber dabei dessen Schuldnern eine Wohltat erwies, und das noch dazu in Folge, weil er wohl wußte, daß ihn sein Herr vom Dienste entlassen werde? Ich sagte da nicht: Werdet solch einem Haushalter nicht gleich, sondern - tut desgleichen, wie auch er getan hat, und jene, denen ihr auf Rechnung Meines Namens geistige und leibliche Wohltaten erwiesen habt, werden euch dereinst in ihre himmlischen Wohnungen aufnehmen! -
 [HiG.03_64.03.19,15] Wo sieht bei solch einer Lehre der schreckliche einstige jüngste Gerichtstag heraus, in welchem die zwei euch bekannten Nach-Evangelisten - als der l'Rabbas statt des Matthäus und der Theophilus statt des Lukas - so manches wider Meine Liebe und Weisheit sich haben zuschulden kommen lassen?
 [HiG.03_64.03.19,16] Das meiste und Schaudererregendste aber ist erst nach der großen Kirchenversammlung zu Nicäa - sowohl von seiten der griechischen, noch mehr aber von seiten der römischen Oberbischöfe geschehen. Denn diese haben sich alle Mühe gegeben, zum Teil aus dem heidnischen Tartarus und zum Teil aus dem alten jüdischen Scheol dem jüngsten Gerichte, dem Fegefeuer und der Hölle die lebhaftesten Farben zu verleihen und haben aus Mir in einer Person den euch bekannten Äakus, Minos und Rhadamantus, die das jenseitige Richteramt führten über die Seelen der Verstorbenen, gemacht. Und Ich muß demnach allerunerbittlichst und unbarmherzigst alles richten, verdammen und auf ewig in die Hölle verfluchen, was sich nicht den Anordnungen und Befehlen des sogenannten Heiligen Vaters in Rom fügt.
 [HiG.03_64.03.19,17] Ich meine euch hiermit zur Genüge gesagt zu haben, daß weder Ich noch irgendeiner Meiner echten Evangelisten die Erfinder und Lehrer alles dessen sind und sein können. Denn Ich kann doch von Mir nicht selbst behaupten, daß Ich heute die höchste Liebe und Erbarmung bin und morgen die höchste Rachgier, unerbittlichste Unbarmherzigkeit und ewige Straf- und Martersucht gegen Meine Kinder ob ihrer Vergehen, an denen sie grundursächlich oft nicht den hundertsten Teil der eigentlichen Schuld tragen.
 [HiG.03_64.03.19,18] Denn Ich bin ja nicht gekommen, um das, was verloren war, noch mehr verloren zu machen, sondern es in aller Liebe aufzusuchen und wieder an das Licht zu bringen, damit es nicht verloren gehe. Als Arzt kam Ich ja nur der Kranken und nicht der Gesunden wegen in die Welt. Hätte Ich die Kranken etwa noch kränker machen sollen, als sie es ohnedies schon waren? Das ginge wohl nach der Lehre und nach dem Sinne der Pharisäer und besonders der vielen so genannten heiligen Väter Roms. Aber nach Meinem Sinne, der Ich Selbst als Mensch Mich von andern Menschen nicht einmal ‚guter Meister' nennen ließ, geht das nicht; denn Ich sagte: Was heißet ihr Mich gut? Niemand ist gut als Gott allein. Also sollet ihr auch niemanden ‚Vater' nennen, außer euren Vater im Himmel. Und niemand ist heilig, denn nur Gott allein! -
 [HiG.03_64.03.19,19] Was ist hernach von einem solchen sein wollenden Stellvertreter Gottes auf Erden zu halten, der sich selbst ‚Heiliger Vater' und ‚Seine Heiligkeit' titulieren läßt, - und was von dem am meisten von ihm ausgehenden jüngsten und vorhergehenden besonderen Gerichte, Fegefeuer und Hölle zu halten?! -
 [HiG.03_64.03.19,20] Ich sage euch, ebensoviel als von seiner Heiligkeit, von seinen ihm untergeordneten Eminenzen, vom Stuhle Petri in Rom, welche Stadt Petrus nie gesehen hat, und von den Kreuzpartikeln etwa desjenigen Kreuzes, auf dem Ich gekreuzigt wurde, das sich aus höchst weisen Gründen auf der ganzen Erde ebenso wenig als echt irgend mehr vorfindet, als wie wenig Mein Leibrock, der zu Trier in Deutschland zu öfteren Malen gezeigt wurde, echt ist oder die Gebeine der Drei Könige zu Köln oder die drei eisernen Nägel in Mailand, da es deren in allen römischen und griechischen Kirchen zusammen eine solche Anzahl gibt, daß man mit ihnen eine Eisenbahn von nahe einer Meile Länge herstellen könnte.
 [HiG.03_64.03.19,21] Das Weitere könnt ihr euch wohl selbst denken, und Ich brauche euch darüber nicht viel mehr zu sagen. Daß man bis jetzt bereits über drei echte Köpfe Johannes des Täufers gefunden hat, wird euch mehr oder weniger bekannt sein sowie auch, daß man in der Grotte Meiner Geburt noch fortwährend versteinerte Milch Meiner Mutter Maria auffindet und um Geld an die frommen Pilger verkauft nebst vielen anderen heiligen Reliquien.
 [HiG.03_64.03.19,22] Haltet euch daher nur an den Evangelisten Johannes, denn dieses Evangelium sowie seine Offenbarung sind von seiner Hand geschrieben. Was aber die zwei andern Evangelisten betrifft, als den Matthäus und Lukas, so habe Ich euch schon gezeigt, welche Bewandtnis es mit diesen beiden und deren Evangelien hat. Nach Johannes ist Markus noch am meisten zu berücksichtigen, denn das, was er in aller Kürze gibt, hat er zumeist aus den Schriften und Lehren des Apostels Paulus geschöpft.
 [HiG.03_64.03.19,23] Und somit Schluß in puncto des allerschrecklichsten, am Ende aller Zeiten kommen sollenden jüngsten Gerichtstages Amen.

III. Die Entstehung des Neuen Testaments - geschichtlicher Überblick

 [HiG.03_64.04.25,01] Ich (Jesus) habe dich schon gestern auf eine Menge anderer kleiner Widersprüche aufmerksam gemacht, die sich in den drei Evangelien des Matthäus, Lukas und Markus begegnen. Und Ich will dich noch auf einige andere aufmerksam machen, die sich in der späteren Zeit nicht nur unter diesen bekannten drei Evangelisten, sondern noch bei weitem mehr unter der Menge der andern, sowohl jüdischen als auch heidnischen Weiterverbreiter Meiner Lehre, die man auch Evangelisten nannte, in den verschiedenen Gemeinden derart eingewurzelt haben, daß schon in kaum dreißig Jahren nach Mir wegen der Verschiedenheit der Aussagen in den Schriften von Mir förmliche Kriege und sonstige Schlägereien sich erhoben haben - unter denen gleich jene zu Neros Zeit in Rom zwischen den vielen Judenchristen und paulinischen Heidenchristen derart feindselig ausgebrochen sind, daß es Nero notwendig erschien, die große und überwiegende Anzahl der Judenchristen in Rom samt einem großen Anteil der von ihnen bewohnten Stadt zu vertilgen und sogar jener Römer nicht zu schonen, die das Panier des Judenchristentums gewisserart als Kennzeichen öffentlich zur Schau trugen.
 [HiG.03_64.04.25,02] Aber es hat auch selbst diese grausame Verfolgung der Judenchristen von seiten Neros wenig gefruchtet; denn unter den späteren Nachfolgern dieses Kaisers wußten sich die Juden dennoch wieder in Rom einzuschmuggeln und machten aus Rom ein zweites Jerusalem gleichwie die Griechen aus Konstantinopel. Und wie das geschehen war, so wurde besonders das römische Jerusalem (Rom) stets mächtiger und mächtiger und fabrizierte sich - zum Teil aus den Judenevangelien und zum Teil aber auch mit der Annahme der alten jerusalemischen Tempelgebräuche und auch mit der der römischen Heiden - das, was das römische Pontifikat betroffen hat.
 [HiG.03_64.04.25,03] Die Römer waren demnach im Besitze aller möglichen Judenevangelien sowie der alten Judenschriften und auch der Heidenevangelien und stellten da gewisse gelehrte Kirchenväter auf, welche die Hauptfabrikanten der römischen Dogmen waren, die aber den griechischen Evangelien oft schnurstracks entgegen standen, - und das um so leichter und um so mehr, weil der römische Oberhirte nichts Emsigeres zu tun hatte, als auch die Griechen mit seinen Missionaren zu beschicken, was nach 300 Jahren (325) nach Mir unter den Gläubigen eine solche Verwirrung hervorgebracht hatte, daß da viele der Griechen wieder anfingen, die heidnischen Altäre und Tempel aufzurichten und darin (in den Tempeln) der Göttin Minerva, dem Gott Apollo, dem Jupiter und der Ceres ihre Opfer darzubringen.
 [HiG.03_64.04.25,04] Kaiser Konstantin, der für sich ein eifriger Christ war, beschloß diesem Unfuge dadurch Schranken zu setzen, daß er in der Stadt Nicäa als dem Hauptsitze der verschiedensten Glaubensmeinungen eine große Kirchenversammlung zusammenberief, zu der auch der Oberbischof von Rom geladen wurde. Konstantin selbst führte den Vorsitz und zeigte ihnen die üblen Folgen, die sich in jüngster Zeit aus der großen Glaubensverschiedenheit über Christum erheben müssen.
 [HiG.03_64.04.25,05] Er schlug ihnen denn eine vollkommene Sichtung sowohl der vielen geschriebenen Evangelien, wie noch mehr jener der traditionellen vor und sagte, daß man aus den vielen sich einander völlig widersprechenden Evangelien nur eines einzigen, und zwar dessen des Johannes sich bedienen soll, damit die Christen im Glauben einig würden und sich nicht mehr wegen der Glaubensverschiedenheit gar so verfolgten wie die wilden Tiere - und die Heiden lieber wieder zu ihrem alten Heidentume zurückkehrten, als so verbleiben unter einer solchen Lehre, von der man bei dem besten Wissen und Willen nirgendwo Wahres und Rechtes mehr erfahren kann.
 [HiG.03_64.04.25,06] Denn so es in der Christenlehre irgend einen Stifter gegeben habe, so muß er nur Einer gewesen sein, der auch nur eine Lehre den Menschen überliefert hat. Und diese eine Lehre muß einen Sinn und einen Geist haben. So aber gibt es schon seit lange her eine große Menge geschriebener Evangelien und eine noch größere Menge der von Mund zu Mund überlieferten, von denen ein jedes von seinem ganz eigenen Christus spricht, der mit den andern Christussen nicht die geringste Ähnlichkeit hat.
 [HiG.03_64.04.25,07] Es werden demnach alle die vielen Evangelien bis auf eines, welches wohl das älteste sein dürfte, vollends zu verwerfen sein. Und so dieses von den Bischöfen nicht sollte genehmigt werden, so werde er sich von dem Christentume ganz abwenden und allenthalben in seinem großen Reiche das alte Heidentum wieder aufrichten lassen, das für sich trotz der vielen Götter um vieles einiger war als ein solches zerklüftetes Christentum. -
 [HiG.03_64.04.25,08] Da schlugen ihm die griechischen Bischöfe vor, daß die Namen Matthäus, Markus und Lukas auch in die alte Christenzeit zurückfallen und nicht irgend doppelt oder auch noch mehrfach unter einem und demselben Evangelisten-Namen erscheinen. Und der Kaiser willigte dazu ein unter der Bedingung, daß man dazu auch die Lehre des Heiden-Apostels Paulus in Anbetracht ziehen solle und mit ihr alle die andern Evangelien fegen.
 [HiG.03_64.04.25,09] Man machte ihn zwar darauf aufmerksam, daß auch Paulus sich in seiner Lehre nicht immer gleich geblieben sei, und er an die Heiden ganz andere Briefe schrieb und an die Juden wieder andere, die sich im Sinne und Geiste nicht völlig ähnlich wären. Und Konstantin sagte, daß dies eben nichts mache; denn Paulus habe doch am meisten bewiesen durch Worte und Taten, daß er keinen falschen Christus predige, sondern nur Den, dessen Geist ihm vor Damaskus wunderbar das Amt eines wahren Apostels gegeben hat.
 [HiG.03_64.04.25,10] Nach mehr als dreißigjähriger Beurteilung verwarf man endlich doch alles bis auf die vier noch gegenwärtig vorhandenen Evangelien samt der Apostelgeschichte des Lukas und den Briefen des Paulus und einigen wenigen Briefen weniger alter Apostel Christi mit der Offenbarung Johannis, schrieb das alles nach der Ordnung in ein Buch und hieß es infolge der beiden Briefe des Paulus an die Hebräer: ‚Das neue Testament' - welches dann von allen Bischöfen angenommen ward, das man aber in späteren hundert Jahren darauf doch wieder dahin umgemodelt hatte, daß man den Evangelisten Johannes in den Hintergrund schob und Matthäus, Lukas und Markus voransetzte und auch in den Kapiteln und Versen eine kleine Abänderung machte und überall vorzeichnete, an welchem Festtage ein oder das andere Evangelium dem Volke vorzutragen sei, wonach sich die Griechen noch heutigentags richten wie auch manche anderen christlichen Sekten.
 [HiG.03_64.04.25,11] Rom aber hat für sich dennoch eine eigene Einteilung gemacht und hat in den späteren Zeiten fürs Volk ein kurzes Auszugs-Evangelium fabriziert für Sonn- und Feiertage. Das ganze Evangelium wie auch die alten Bücher der Juden hat es dem Volke auf das strengste verboten zu lesen und die Übertreter dieses Gebotes sogar mit dem Tode bestraft.
 [HiG.03_64.04.25,12] Auf diese Weise ist das gegenwärtige Neue Testament entstanden und wurde nach und nach auch als solches von den Christen angenommen vor ungefähr dreizehnhundert Jahren, das aber besonders von den römischen Bischöfen noch allerlei Abänderungen und mitunter auch eigenmächtige Zusätze erhielt, wie solche in der römischen Vulgata, besonders aus den von den römischen Kirchenvätern herrührenden Exegesen zu ersehen und zu erkennen sind und ein jeder nur ein wenig helldenkende Mensch es bald innewerden kann, wessen Geistes Kinder sie sind.
 [HiG.03_64.04.25,13] Da kommt besonders eine solche Zusatzlehre vor, nach der die Seelen der Verstorbenen bis an den Jüngsten Tag hin zu schlafen haben, welche Lehre man mit dem griechischen Ausdruck Psychopanechia - d.i. Seelenschlaf - bezeichnete.
 [HiG.03_64.04.25,14] Diese Lehre aber erhielt sich nur so lange, bis ein Papst das heute noch bestehende römische Meßopfer einführte und dieses mit allem Pomp den römischen Christen dahin erklärte: daß es als ein unblutiges Opfer die vollends gleiche Kraft und Macht habe wie das einstige blutige Opfer Christi am Kreuze, und daß sich also Christus auf diese Weise wundersam für die wahren Christgläubigen der römischen Kirche Seinem Vater im Himmel aufopfere, und daß ein rechtgläubiger Christ, der ein solches Opfer zu seiner Heiligung mit der dafür (nötigen) Darbringung eines kleinen diesweltlichen Opfers lesen lassen würde, alsogleich nach dem Tode des Leibes ohne langen Seelenschlaf von Christus erweckt und zur ewigen Glückseligkeit berufen werden könne. Und sei der Christ nicht ganz vollkommen, so könne er mehrere solcher Opfer für sich darbringen lassen und würde dadurch der ewigen Verdammnis entgehen und nach einer kleinen Läuterung jenseits im sogenannten Fegefeuer dennoch in den Himmel gelangen.
 [HiG.03_64.04.25,15] Also ging das Dogma vom Seelenschlaf, mit dessen Beibehaltung das neu erfundene Meßopfer nichts eingetragen hätte, nach und nach selbst schlafen wie auch jenes geradezu lächerliche Dogma, das da ernstlich lehrte, daß Gott nur einen geringen Teil der Menschen für den Himmel, den größten Teil derselben aber für die Hölle erschaffen habe.
 [HiG.03_64.04.25,16] Diese beiden dummen Lehrsätze hat man mit der Zeit endlich ganz aufgehoben, aber dafür die bekannten fünf Kirchengebote und etliche neu kreierte Sakramente eingeführt, die Ich euch nicht eigens zu sagen brauche, da sie ein jeder an und für sich leicht erkennt.
 [HiG.03_64.04.25,17] Obschon dadurch die christliche Lehre auf den strengen Rat des Kaisers Konstantin sehr vereinfacht wurde, so ist aber dennoch des Kehrichts in überflüssiger Menge in ihr zurückgeblieben trotz der oftmals zugelassenen und vorgenommenen Sichtungen, von denen eine jede eine gewisse Sektenabtrennung zur Folge hatte, wodurch dann wieder mehrere Christusse entstanden sind, die bis zur Stunde einander als gegenseitige Erzfeinde sich bei den Haaren ziehen.
 [HiG.03_64.04.25,18] Darum muß nun die letzte und größte Sichtung vor sich gehen, und wie schon früher bemerkt, die Sichtungsmaschine heißt: die Wissenschaft.
 [HiG.03_64.04.25,19] Die sich anfeindenden Christusse müssen hinaus samt allen ihren Anhängseln, auf daß der Eine von Johannes gepredigte Christus unter den Menschen erscheine und Wohnung nehmen kann.
 [HiG.03_64.04.25,20] Es wird zwar das noch so manchen harten und schweren Kampf mit sich bringen, von dem aber eben die wahren Anhänger Christi nichts zu befürchten haben; denn sie werden in allem vielfach gestärkt werden, woraus dann auch den andern bis jetzt noch minder Gläubigen ein Licht aufgehen wird, welches auszulöschen sie nicht mehr imstande sein werden.
 [HiG.03_64.04.25,21] Und Ich, der Herr, der dieses durch den Mund Johannis zu euch geredet hatte, werde die Erde auf allen Orten und Punkten mit allerlei Gericht und Kalamitäten, als durch gewaltige Kriege, durch große Teuerung und Hungersnot, durch allerlei Pestilenz unter den Menschen und Tieren, durch große Erdbeben und andere Erdstürme, durch große Überschwemmungen und auch durch Feuer heimsuchen. Aber die Meinen werde Ich in der Liebe erhalten, und sie werden an nichts Mangel zu erleiden haben.
 [HiG.03_64.04.25,22] Wer Mich aber nun in dieser Meiner zweiten Ankunft wird wie und wo immer zu verfolgen trachten, den werde Ich von der Erde zu vertilgen verstehen.
 [HiG.03_64.04.25,23] Was aber die andern Widersprüche in den vier vorhandenen Evangelien noch betrifft, so werden sich diese von selbst im ‚Johannes' verlieren, und Ich werde dafür wie gesagt am Ende noch einen eigenen Anhang hinzufügen, durch welchen alles Unrichtige vollends gründlich erkannt wird.
 [HiG.03_64.04.25,24] Und somit begnüget euch vorderhand mit dem, was Ich euch gegeben habe und arbeitet fleißig am ‚Johannes'; denn in dem werdet ihr noch zu einer Überfülle des inneren Lichtes gelangen. Hat aber jemand etwas für sich, das er wissen möchte, so mag er fragen, und Ich werde also bereit sein, ihm darüber ein kurzes und helles Licht zu geben. Amen.

Über die Zeit der Auferstehung des Herrn

 [HiG.03_64.03.22.b,01] Fürs erste sprach Ich schon vorher zu öfteren Malen zu Meinen Aposteln und Jüngern: daß Ich am dritten Tage - und nicht erst nach vollends vorübergegangenen drei Tagen - aus eigener Macht also auferstehen werde, wie Ich auch die Macht habe, das Leben des Leibes freiwillig von Mir zu lassen, auf daß alle Kreatur zur Seligkeit gelangen könne.
 [HiG.03_64.03.22.b,02] Was diese Varianten in der Angabe der Evangelisten betrifft, so basieren sie alle auf demselben Grunde, auf welchem die euch schon erklärten andern Widersprüche basieren. Was Johannes spricht, ist allein vollkommen richtig.
 [HiG.03_64.03.22.b,03] Es wäre auch ebenso vollkommen richtig, was die andern Evangelisten und Apostel über diese Angelegenheit gesprochen haben; doch mit dem echten Evangelium Matthäi wisset ihr schon, was es mit demselben für eine Bewandtnis hat.
 [HiG.03_64.03.22.b,04] Der Pseudo-Evangelist Matthäus war zwar ein vollkommen ehrlicher und Wahrheit suchender Mann und war höchst eifrig im Forschen nach der Wahrheit dessen, was da geschah, ungefähr zwanzig Jahre früher, bis er sein Evangelium zusammenzustellen und zu schreiben anfing. In dieser Zeit war im ganzen Judenlande kein Apostel von Mir mehr anzutreffen, obschon es an anderen Zeugen für diese Zeit nicht sonderlich fehlte.
 [HiG.03_64.03.22.b,05] Wie es aber bei solchen Gelegenheiten schon zu gehen pflegt, so wußten gar viele Menschen aus all den vielen Orten, die Ich besuchte, Verschiedenes von Mir zu erzählen; gewöhnlich aber nur das, was sie selbst in ihren Orten von Mir gesehen, gehört und erlebt haben. Und so ist es denn auch begreiflich, daß es einem l'Rabbas wie auch vielen andern Evangelisten selbst beim redlichsten Willen unmöglich war, über alles von Mir Getane, Gelehrte und an Mir Dargebrachte ins vollkommen klare zu kommen.
 [HiG.03_64.03.22.b,06] Ja, wird man hier fragen: Warum habe denn nicht Ich Selbst solche Menschen heller erleuchtet, auf daß sie dann imstande gewesen wären, nur die vollkommen reine Wahrheit auf das Pergament zu bringen?
 [HiG.03_64.03.22.b,07] Ich aber sage, daß Ich bei ganz ehrlichen Menschen, die dieses Bestreben hatten, es an dem auch nie habe fehlen lassen. Was aber später die schon sehr selbstsüchtig gewordene Welt aus solchen ehrlichen Überlieferungen gemacht hat, dafür kann Ich nicht, da ein jeder Mensch seinen vollkommen freien Willen hat. Daß Ich es aber nie an Sichtungen habe fehlen lassen, zeigen euch seit - sozusagen schon von Meiner Zeit an alle die großen und kleinen Versammlungen, denen durch Meinen Geist die Aufgabe gestellt war, die eingeschlichene Lüge von der Wahrheit zu scheiden und sie zu verwerfen vor der ganzen Gemeinde. Obschon aber das Unkraut allerorten unter dem Weizen wucherte, so gelang es ihm doch nicht, dasselbe völlig zu vertilgen. Und so geschehen auch in dieser Zeit wie hier und auch anderorts gar gewaltige Sichtungen, und der Feind der Wahrheit wird gegen sie nichts mehr auszurichten imstande sein.
 [HiG.03_64.03.22.b,08] Ich baue daher nun großartige Dämme gegen jede Flut der Lüge und stelle den wahren Felsen Petri auf, den die Pforten der Hölle nicht überwinden werden.  [HiG.03_64.03.22.b,09] Es wird zwar noch viel des Streitens und Kämpfens auf dieser Erde unter den Menschen vorkommen, bei welchen Streitigkeiten und Kämpfen die Lüge gleichfort das kürzere ziehen wird, und das so lange hin, bis für eine ganze Fuhre Heu, aus lauter Unkraut bestehend, kein Mensch mehr auch nur einen Heller bieten wird. Und jedermann wird an den Strahlen des wahren Lichtes aus den Himmeln seine höchste Freude haben.
 [HiG.03_64.03.22.b,10] Was ferner noch die geistige Erklärung über die Art Meiner Auferstehung betrifft, so ist diese schon seit lange her von Mir gegeben sowie auch, wie es ein jeder Mensch mit der Dreieinigkeit zu nehmen und zu halten hat. Was die Erweckung des Lazarus betrifft, so werde Ich davon im Verlaufe der weiteren Mitteilungen im Evangelium Johannes sprechen wie auch über gar manches andere.
 [HiG.03_64.03.22.b,11] Man stellt zwar jetzt von einer gewissen gelehrten Seite die Behauptung auf, daß das Evangelium Johannis nicht von seiner Hand geschrieben sei. Ich aber sage es, daß es von seiner Hand geschrieben ist. Freilich, solange er als Apostel mit Mir herumreiste, verfaßte er nur Bruchstücke, indem er das Denkwürdigste aufzeichnete. Aber in seiner so genannten Verbannung auf der Insel Patmos - die für ihn aber durchaus keine Verbannung war, indem ihn durch diesen Akt nur ein redlicher und machthabender Römer der Verfolgungswut der Juden entzogen hatte - konnte er in der euch schon aus dem Evangelium Johannes bekannten Veste des Griechen Cado, der zeitweilig auch in Jericho lebte, an der Seite der Maria unbeanstandet sein Evangelium in eine rechte Ordnung bringen und gab darin für die Nachwelt soviel kund, als sie zu ihrer Beseligung nötig hat. Von allem andern aber sagte er am Ende, daß Ich noch gar vieles getan und gelehrt habe, was nicht in diesem Buche geschrieben ist, und würde jemand das in die Bücher schreiben, so würde solches die Welt nicht fassen. Und mit dieser triftigen Bemerkung schloß er sein Evangelium - nahe gerade um die Zeit, als Jerusalem von den Römern zerstört wurde, worauf Johannes noch eine geraume Zeit lebte und seine Gesichte unter dem Titel ‚Offenbarung Johannis' aufs Pergament brachte.
 [HiG.03_64.03.22.b,12] Bei dieser Gelegenheit wurde er wohl zu öfteren Malen von einem ihm über die Maßen geneigten Freunde im Schreiben unterstützt, da er in dieser Zeit schon über hundert Jahre Alters zählte. Dieser sein Freund führte auch den Namen Johannes, den er sich aber von Johannes bei der Gelegenheit geben ließ, als der Evangelist ihn taufte und Meinen Geist über ihn ausgoß; denn von Geburt war dieser Johannesfreund ein Grieche und führte natürlich auch einen ganz anderen Namen, an dem für uns wenig oder nichts gelegen ist, weil er durchgehend keine historische Berühmtheit war, obschon er zu der Dienerschaft des Griechen Cado gehörte.
 [HiG.03_64.03.22.b,13] Wer da Zeit und Vermögen besitzen würde, könnte sich noch heutigentags von dem Aufenthalt des Johannes im Südosten dieser asiatisch-griechischen Halbinsel überzeugen, welche Halbinsel aber zur Zeit der Flut des Meeres nahe ganz eine vollkommene Insel darstellt, indem sie nur durch eine äußerst schmale felsenriffige Landzunge mit dem Festlande Asiens zusammenhängt.
 [HiG.03_64.03.22.b,14] Und so wissen wir nun auch das, wie es sich mit dem Johannes der Wahrheit nach verhält; er ist, er war und bleibt Mein Liebling, und wer nach seinem Evangelium lebt und handelt, wird von Mir aus ihm gleich gehalten werden.
 [HiG.03_64.03.22.b,15] So für euch in den Evangelien noch irgend etwas scheinbar Widersprechendes sich findet oder sich vorfinden sollte, so wendet euch darob an Mich, und Ich werde es euch erklären, so wie Ich es euch bis jetzt liebewillig erklärt habe. Ich meine aber, daß ihr darin nicht viel Anstößiges mehr finden werdet; denn vieles ist bereits schon im ‚Johannes' erklärt, und das am meisten für alle Gelehrten dieser Welt Anstößige kann Ich euch jetzt erklären.
 [HiG.03_64.03.22.b,16] Ich werde aber in dieser Zeit noch ganz kuriose Weltgelehrte über Mich losziehen lassen. Ich mache euch darum darauf aufmerksam, auf daß ihr euch an ihren Schriften nicht stoßen sollet, so sie euch zu Gesichte kommen werden; denn Ich lasse solches zu, um der heidnischen Pfafferei allseitig ein Ende zu machen. Denn wenn ihr Salvator mundi zunichte gemacht wird, was werden sie selbst dann sein und ihre kirchlichen Einrichtungen? Am Ende nichts Weiteres mehr als sich zahlen lassende Totengräber; und bei denen wird es dann gelten: Lasset den Toten durch die Toten begraben, ihr Lebendigen aber folget Mir nach! Amen.

Über den Evangelisten Lukas - sein Evangelium und seine Apostelgeschichte.

 [HiG.03_64.04.07,01] Ich kenne deine vier Punkte, über die du eine nähere Auskunft haben möchtest, und so will Ich dir auch in möglichster Kürze etwas darüber sagen.
 [HiG.03_64.04.07,02] Was den Evangelisten Lukas anbelangt, so habe Ich dir bei verschiedenen Gelegenheiten schon ohnehin dies und jenes gesagt.
 [HiG.03_64.04.07,03] Was sein Evangelium anbelangt, so ist es von ihm eine Datensammlung, welche Daten ihm durch sein Forschen sowohl in als um Jerusalem über Mich und Meine Taten und Lehren durch verschiedene Menschen in seine Erfahrung gekommen sind. Er selbst hat sie hernach nach seiner Art und Weise geordnet und also in Kapitel und Verse eingekleidet, wobei er sich ganz natürlicherweise nicht an die Zahl der Kapitel und Verse eines andern Evangelisten hat binden können, daher bei ihm so manches in einem ganz andern Kapitel und Verse vorkommt, als wie bei den andern Evangelisten, was ein jeder von euch leicht beim Vergleiche der angezeigten Parallelstellen erfahren kann.
 [HiG.03_64.04.07,04] Was seine Persönlichkeit anbetrifft, so war er ein Formenmaler und Zeichner, mit welchen Produkten seiner Hand er die Weber, Tuch- und Teppichmacher versehen konnte; auch die Zeichnungen der jüdischen Schals und Vorhänge rührten häufig von seiner Hand her. Danebst war er auch ein Schriftenmaler und auch Schreiber, besonders so jemand etwas vollkommen schön und regelmäßig geschrieben haben wollte. Er verstand und sprach griechisch, lateinisch und hebräisch und konnte zur Not auch in den andern Sprachen, die um Judäa herum gang und gäbe waren, sich mitteilen und verständlich machen.
 [HiG.03_64.04.07,05] Zudem war er, wie es dergleichen mehrere Menschen gibt und gegeben hat, ein erpichter Neuigkeitskrämer und erkundigte sich daher um alles, was besonders zu Meiner Zeit geschah und unter den Menschen viel Redens und Aufhebens machte, und hatte seine Freude daran, den vielen neugierigen Menschen, mit denen er im Verkehr stand, über etwas außerordentliches Neues erzählen zu können, wobei er durchaus keinen Eklektiker machte, sondern ihm war das nächste beste recht, wenn es nur den Schein von etwas Außerordentlichem hatte.
 [HiG.03_64.04.07,06] In der ersten Zeit, besonders bei seinem Erzählen, ist auch vieles besonders in Ermangelung wirklicher Daten auf seinem eigenen Grund und Boden gewachsen. Erst in der Zeit, als der Apostel Paulus Mein Wort in Griechenland hie und da gepredigt hatte, ward er von seinem Freunde Theophilus, der auch in Griechenland wohnte, ernstlich aufgefordert, über Mich verläßliche Erkundigungen einzuziehen, sie aufzuzeichnen und sie ihm dann zu übersenden, denn er, Theophilus, habe über den gewissen Nazaräer sowohl von seiten der Juden als auch der Griechen so Verschiedenartiges gehört, daß er daraus nicht klar werden könne, was so ganz Eigentliches an diesem Menschen sei - ist er entweder ein überirdisches Wesen oder gleich nur so ein in mannigfacher Weisheit aus den Büchern wohlerfahrener Mensch.
 [HiG.03_64.04.07,07] Als Lukas dieses Schreiben in Jerusalem in seine Hände bekam, dann erst nahm er sich der Sache ernstlicher an und erkundigte sich über alles, was besonders Meine Person und Meine Lehre betraf, bekam aber auch, was er aufschrieb, nicht leichtlich aus dem Munde Meiner wirklichen Jünger, sondern zumeist von andern auf Mich und Meine Lehre haltenden Menschen, die Mich zum Teil noch persönlich gekannt und zum größten Teil aber von Meinen Jüngern Kunde über Mich erhalten hatten. Denn zwischen Meinem Dasein als Mensch dieser Erde und der Vollendung seines Evangeliums verstrichen nahe fünfunddreißig Jahre, nach welcher Zeit er dasselbe erst an seinen Freund Theophilus nach Griechenland absenden konnte - welches Evangelium dann dieser Theophilus mit seinen Aufzeichnungen verglich, so manches korrigierte und der Schrift des Lukas beifügte.
 [HiG.03_64.04.07,08] Wie es aber mit seinem Evangelium steht, so steht es noch mehr mit seiner Apostelgeschichte, die er ebenfalls auf Aufforderung seines Freundes Theophilus aufs Pergament brachte, und zwar erst in seinem letzten Lebensjahre - also in einer Zeit, in der sich nicht einer Meiner ersten Apostel und Jünger mehr in Jerusalem befand.
 [HiG.03_64.04.07,09] Auch diese Apostelgeschichte bekam in den Händen seines Freundes so manche Abänderung, und selbst die von ihm im Judenlande zusammengebrachten Daten waren vielseitig Dichtungen solcher Jünger und Ausbreiter Meines Wortes, die häufig ohne inneren Beruf sich als solche den Menschen vorstellten und ein jeder aus ihnen das Bessere wissen wollte.
 [HiG.03_64.04.07,10] Und so geschah es denn auch, daß sowohl in dem Evangelium des Lukas, wie noch mehr in seiner nachträglichen Apostelgeschichte Dichtungen und Übertreibungen vorkamen, von denen Meine wirklichen Apostel und Jünger selbst wenig oder nichts wußten; denn sie hielten sich in Jerusalem sehr wenig auf und hatten ihr Wesen mehr in Galiläa, Samaria und in den andern von Jerusalem weiter entlegenen Landschaften.
 [HiG.03_64.04.07,11] Wenn ihr nun dieses wißt, so werdet ihr wohl einsehen, daß das gewisse Erdbeben und die Finsternis bei Meinem Kreuzestode, die eröffneten Gräber im Tale Josaphat, Meine Himmelfahrt auf zwei sich widersprechenden Bergen, wie auch die gewisse Sendung des Heiligen Geistes zum allergrößten Teil ein Werk der damaligen Phantasie Meiner verschiedenartigen Anhörer und Verehrer sind und auch sogar sein müssen, indem der verläßlichste aller Evangelisten (Johannes), der doch bei jeder wichtigsten Gelegenheit zugegen sein mußte, von alledem keine Erwähnung tut, auch Lukas selbst nicht kundgibt, ob er selbst bei der Ausgießung des Heiligen Geistes persönlich zugegen war oder nicht.
 [HiG.03_64.04.07,12] Sein Evangelium und seine Apostelgeschichte waren bei der großen Kirchenversammlung zu Nicäa auch ganz nahe daran, als apokryph erklärt zu werden. Aber die abendländischen Bischöfe sträubten sich dagegen, und somit war auch alles von Lukas Geschriebene als authentisch erklärt, und dieser Lukas besteht denn heutigentags noch unter der Zahl der glaubwürdigen Evangelisten und wird von ihm bis zur Stunde noch mehr Aufhebens gemacht als von Johannes.
 [HiG.03_64.04.07,13] Allein alles, was da unrichtig ist, wird sich mit der Zeit selbst ausstreichen, und würde das nicht geschehen, so würde schwerlich je eine Zeit kommen, davon Johannes spricht, daß in ihr "ein Hirt und eine Herde" werde.
 [HiG.03_64.04.07,14] Übrigens liegt auch in diesen Episoden, wie Ich schon gesagt habe, etwas geistig Gutes und Wahres, das Ich euch in kurzer Zeit schon näher zeigen werde. Aber in der naturmäßigen Erscheinlichkeits-Sphäre sind sie freilich um kein Haar besser als die Bilder des Hohenliedes Salomons, wonach die Tochter Zions eine Gestalt hätte, an der nie ein Mensch auch nur das geringste Wohlgefallen fände. Aber inwendig sieht es dann im Geiste wohl ganz anders aus.
 [HiG.03_64.04.07,15] Warum hätte Ich denn sollen bei Meinem Tode die Sonne gänzlich finster machen, und das volle drei Stunden hindurch?! - Und wäre das der Fall gewesen, so müßte in jener Zeit die Sonne auch in Indien, China, Japan, Amerika etc. nicht geleuchtet haben, was die Schriftkundigen jener Völker sicher aufgezeichnet hätten. So aber wissen sich sogar die römischen Geschichtsschreiber einer solchen Begebenheit nicht zu erinnern; es müßte die Sache demnach nur in Jerusalem ihre Geltung haben, daß durch Meine Zulassung daselbst alle anwesenden Menschen auf drei Stunden blind geworden sind, und es müßte Johannes allein sehend geblieben sein, weil er von solch einer Sonnenverfinsterung keine Kunde gibt.
 [HiG.03_64.04.07,16] Wie es sich aber mit der Sonnenverfinsterung verhält, so verhält es sich auch mit Meiner in dieser Welt erscheinlichen Himmelfahrt; denn wo sollte denn wohl dieser Himmel sein, in den Ich aufgefahren bin?! - Oder wohin sollte der Allgegenwärtige fahren, um den Menschen dadurch anzuzeigen, wo er eigentlich zu Hause ist?!
 [HiG.03_64.04.07,17] Ich meine aber, daß Ich in der ganzen Unendlichkeit überall so hübsch gleich zu Hause sein werde, da Ich in allem und jedem das Urbelebungs- und Erhaltungsprinzip bin und ohne Mich nirgends etwas ist und besteht! Sonach ist der Himmel allenthalben, wo Meine Liebe und Weisheit waltet, und in der starren Materie besteht allenthalben das von der Macht Meines Willens ausgehende Gericht und der scheinbar ewige Tod. Und es heißt darum denn auch, der Himmel ist Mein Thron und die Erde - durch die sämtliche Materie dargestellt ist - der Schemel Meiner Füße. - Nun wird sich doch niemand vorstellen wollen, daß der räumlich endlose Himmel nichts anderes darstellt als Meinen Sitzthron, und damit Ich beim Sitzen nicht müde werde, Mir die Erde zum Schemel Meiner Füße gemacht habe!
 [HiG.03_64.04.07,18] Ja, es besteht wohl im Reiche der reinen Geister eine Geistige Sonne, in der Ich mit den Meinen persönlich wohne. Diese Sonne ist aber räumlich allenthalben allen jenen Engeln und Geistern sichtbar, die Mich durch die Liebe in ihrem Herzen besitzen. Für die andern ist sie aber auch nirgends ersichtlich und auffindbar und sollten sie solche auch durch den ganzen unendlichen Raum suchen und finden wollen; denn bei denen das Herz blind ist, ist auch ihre geistige Sehe blind, und sie sehen von der geistigen Sonne noch weniger als ein Stockblinder auf dieser Erde von der natürlichen etwas.
 [HiG.03_64.04.07,19] Ich bin aber durch diese Sonne überall gegenwärtig und kann auch in die Erscheinlichkeit treten und wirken, wann und wo Ich will, und brauche vorher Mich mit niemandem zu beraten, weder in der Welt der Geister und noch weniger in der Welt der Materie, - wohl aber beraten sich zuvor alle seligen Engel und Geister mit Mir, so sie irgend eine große Tat in Meinem Namen zu vollbringen haben. Was aber ihre gewöhnlichen Handlungen in Meinem Reiche betrifft, so finden sie die Anweisungen für immerfort in ihren himmlischen Wohnungen. Wie aber diese beschaffen sind, darüber habt ihr schon in der ‚Geistigen Sonne' die Kunde erhalten.
 [HiG.03_64.04.07,20] Was das Geistige unseres Evangelisten Lukas betrifft, so war er voll Eifers um Meine Sache, und es wäre sogar gut gewesen, so er sich mit seinem Eifer um einige Staffeln tiefer angestellt hätte. Allein er war, ist und bleibt ein tüchtiges Rüstzeug Meiner Liebe- und Gnadenerweisungen für seine Zeit sowohl als für die Jetztzeit; denn er war in den Schriften des Alten Bundes besser bewandert als irgendein seine Nase hochtragender Schriftgelehrter des Tempels und konnte daher auch leicht Meine Taten, von denen er Kunde erhielt, als wahr beurteilen und sie auch den andern, die ihn darum angingen, darstellen.
 [HiG.03_64.04.07,21] Wollet euch darum nicht ärgern über diesen Mann ob mehrerer Unrichtigkeiten, die in seinen Schriften vorkommen; denn fürs erste war er nicht von allem der eigentliche Schöpfer, sondern vielmehr seine nachträglichen Korrektoren, von denen Ich euch mehr denn ein ganzes Dutzend anführen könnte. Und fürs zweite war er besonders in seinen späteren Zeiten voll guten Willens und voll Ernstes, der Nachwelt möglichst die vollste Reinheit in seinen Schriften zu hinterlassen.
 [HiG.03_64.04.07,22] Allein dafür kann er nicht, was die späteren habsüchtigen Gemeindevorsteher aus ihm gemacht haben. Sie haben Unkraut unter seinen Weizen gesät, welches mit dem Weizen aufging. Den Weizen verstanden sie recht wohl für ihre Scheuern zu sammeln, das Unkraut aber brauchten sie dann zum Nährfutter ihrer Herden und brauchen es noch. Diese Herden aber bestehen nun nicht aus Meinen Lämmern und Schafen, sondern aus Eseln, Ochsen, Schweinen und anderem dummen Getier, das sich mit den Disteln und Dornen begnügt.
 [HiG.03_64.04.07,23] Lassen wir sie darum vorderhand bei dieser Kost. Wenn sie ihnen einmal ernstlich zuwider sein wird, so werden sie sich selbst um eine andere Kost umsehen, bei der ihnen ihre dumme innere Gestalt verändert wird und sie auch mit Wolle edler Schafe in Meinen Schafstall werden aufgenommen werden können, wo es dann nur einen wahren Hirten und eine rechte Herde, mit der rechten Kost versehen, geben wird.
 [HiG.03_64.04.07,24] Mit dem habet ihr nun zum voraus, was ihr von Lukas zu halten habt, das Weitere wird euch schon bei der versprochenen Gelegenheit mitgeteilt werden. Amen.

Über die Evangelien

 [HiG.03_64.04.24,01] Gelt ja, du Mein lieber Knecht, der auf einem Ohr taube Bär in deinem Traume hat dich auf einen großartigen evangelischen Widerspruch geführt, auf den du früher, von deiner Kindheit an, trotz deines oftmaligen Durchlesens des Neuen Testaments nicht gekommen bist.
 [HiG.03_64.04.24,02] Ich Selbst hätte dich in der Folge schon aufmerksam darauf gemacht. Aber besser ist es für dich und auch für viele andere, daß diese Sache schon jetzt an das Tageslicht gekommen ist, auf daß ein jeder erkenne und einsehe, daß Ich im Geiste nun wieder ganz besonders wahrnehmbar auf diese Erde gekommen bin, um die letzten Arbeiter in Meinen Weinberg zu dingen und aufzunehmen. Und diese Arbeiter sind eben die Weltklugen und Weltweisen Philosophen, die sich soeben in dieser Zeit vollernstlich die Mühe nehmen, Mich, wie Ich unter den so genannten christlichen Sekten jetzt bestehe, ganz auszumerzen und zu vertilgen samt jenen Evangelien, die erst zwei- bis dreihundert Jahre nach Mir das geworden sind durch heidnische und jüdische Machinationen, was sie jetzt noch sind.
 [HiG.03_64.04.24,03] Die blinde Menschheit, die nichts prüft und noch nie etwas geprüft hat, glaubt teilweise noch jetzt an ein solches zum größten Teil heilloses Machwerk in Meinem Namen.
 [HiG.03_64.04.24,04] Ich will deswegen weder den Lukas, Markus noch Matthäus richten; denn sie haben sich zu ihrer Zeit zum wenigsten die Mühe gegeben, aus dem vielen schon vielfach Verunstalteten Meiner Lehre das Reinste und Beste herauszusuchen. Aber was die materiellen Fakta anbelangt, da haben zum Teil sie selbst gedichtet und zum größten Teil mußten sie dann doch am Ende aus dem etwas nehmen, was sie aus dem Munde solcher Menschen vernommen haben, die da oft genug dreist und keck vorgaben, daß sie von diesem und jenem Augen- und Ohrenzeugen waren. Darauf verglichen sie das mit den ihnen bekannten Stellen aus den alten Propheten und fanden es übereinstimmend, was sie geschrieben haben, und damit war für sie das Kriterium für die Wahrheit dessen, was sie niedergeschrieben haben, vollkommen fertig und gültig.
 [HiG.03_64.04.24,05] Wenn es mit diesen Evangelien noch bei dem geblieben wäre, so wäre es allerdings noch um vieles besser, als es jetzt ist. Denn in diesen Evangelien stand viel zu wenig des Wunderbaren, des Grausamen und des Schrecklichen für die Menschheit, daher man es später für notwendig gefunden hat, besonders zum Teil unter den Judenchristen, Griechen und Römern schon hundert Jahre vor der großen Kirchenversammlung zu Nicäa, viele Beisätze zu machen - besonders jene, die stark nach Wundern riechen und die ein stark strafgerichtliches Gesicht haben, um Mich als den Beglücker der Menschen, der den Menschen nichts so teuer ans Herz gelegt hat als die Liebe und die Wahrheit, gerade zum Gegenteil zu machen.
 [HiG.03_64.04.24,06] Ich habe nie gegen die rechte Wissenschaft der Menschen geeifert, sondern habe bei vielen Gelegenheiten die Menschen über gar vieles belehrt, darin sie früher in der vollen Unwissenheit und Blindheit gestanden sind; darum Mich denn auch die betrugssüchtigen Pharisäer am meisten haßten, weil Ich das Volk in allem belehrte, worin sich früher die Pharisäer die größte Mühe gegeben haben, das Volk nach Möglichkeit zu verdummen zu ihren losen Zwecken.
 [HiG.03_64.04.24,07] Und sie haben es auch wirklich dahin gebracht, daß so ein hoher Priester Hannas oder Kaiphas, um das Volk zu größerer Opferwilligkeit zu bewegen, im Tempel mit grimmiger Stimme ausgesagt hat, daß im Bache Kydron drei Tage lang nichts als Blut fließen müsse und die Sonne einen ganzen Tag hindurch nicht scheinen dürfe, das Volk solchem Unsinne geglaubt hat, sich aus lauter Furcht vor solcher Strafe in ihre innersten Zimmer verkroch, und wenn die Strafzeit vorüber war, voll Furcht, Angst und Zittern den Kydron besichtigen ging, ob noch Blut fließe. Und hatte der Kydron sein natürliches Wasser, so hatte das Volk nichts Emsigeres zu tun, als schwere Opfer in den Tempel zu bringen und diese den Priestern vor die Füße zu legen.
 [HiG.03_64.04.24,08] Die Sonne hat freilich auch an einem solchen Tage fort geschienen und im Bache Kydron ist kein Tropfen Blut geflossen, wovon sich die gescheiten Juden wohl selbst überzeugt haben und darüber auch die armseligen und zu abergläubischen gemeinen Juden belehren wollten, aber meistens ohne Erfolg; denn diese haben in ihrer Einbildung und Furcht Blut fließen und auch die Sonne nicht scheinen sehen einen ganzen Tag lang.
 [HiG.03_64.04.24,09] Und wie das gemeine Volk zu jeder Zeit in dem allerblindesten Aberglauben sich befand, so befindet es sich heutzutage auch noch. Ihr könnt solchen Menschen die absurdesten Wundermärchen erzählen, und sie werden sie glauben. Und so es diese ihren Nachbarn weitererzählen, so werden diese noch vieles hinzusetzen und es auch noch ins Wunderbare verkehren, was ihnen von seiten des ersten Erzählers etwas zu wenig wunderbar vorgekommen ist. Aber von irgendeiner Wahrheit ist mit ihnen nichts anzufangen.
 [HiG.03_64.04.24,10] Darum war es auch zu Meiner Zeit überaus schwer, die eigentlichen Stockjuden zur Erkenntnis der Wahrheit zu bringen; es mußte denn ein Wunder geschehen, durch das sie von ihrem Schlafe wachgerüttelt wurden und dann bei sich ein wenig nachzudenken anfingen, was Ich mit dem oder jenem gesagt habe.
 [HiG.03_64.04.24,11] Ich habe aber den Aposteln schon zu Meiner Zeit zu mehreren Malen gesagt, daß sie bei Weiterverbreitung Meiner Lehre viel weniger von Meinen Wundern als vielmehr von der inneren Wahrheitstiefe Meiner Lehre reden und predigen sollen.
 [HiG.03_64.04.24,12] Nur der einzige, Johannes, blieb dieser Mahnung getreu, alle die andern um vieles weniger; sie fingen lieber gleich bei den Wundertaten an und fingen dann erst vom Reiche Gottes und der inneren Wahrheit zu reden an, so die Zuhörer schon vorher mit den Wundertaten umgarnt waren.
 [HiG.03_64.04.24,13] Die Sucht, Wunder zu erzählen, stieg dann von einem Dezennium zum andern so sehr, daß eine große Anzahl von teils geschriebenen und noch mehr von den traditionellen Evangelien derart anwuchs, daß daraus kein Mensch mehr klug werden konnte.
 [HiG.03_64.04.24,14] Lukas wie auch der Pseudo-Evangelist Matthäus (l'Rabbas) haben ihre Evangelien eben nicht gar zu sehr viele Jahre nach Mir aufzuzeichnen angefangen und haben sich aber dennoch in manchem derart verstiegen, daß am Ende unter ihnen selbst in so manchen ganz wichtigen Dingen der größte Widerspruch ans Tageslicht kommen mußte.
 [HiG.03_64.04.24,15] Vom Prüfen war in jener Zeit ohnedies keine Rede; denn ein jeder Evangelist hatte seine gewissen Leser und Zuhörer und hat sich um einen andern Evangelisten wenig gekümmert, und die Evangelisten selbst hielten sich auch nur an das, was sie niedergeschrieben hatten und hatten sogar mitunter eine rechte Freude daran, so ein anderer Evangelist das in seinem Evangelium nicht hatte, was der eine oder der andere in seinem Evangelium besaß.
 [HiG.03_64.04.24,16] So kümmerte sich denn auch l'Rabbas wenig oder gar nicht um den nach dem achten Tage der Geburt im Tempel beschnittenen Jesus, und so auch nicht um die drei Weisen aus dem Morgenlande und um die Flucht nach Ägypten und den grausamen Kindermord durch Herodes in Bethlehem.
 [HiG.03_64.04.24,17] L'Rabbas (Pseudo-Matthäus) hat solche Kunde zu Tyrus und Sidon erhalten und hat sie auch aufgezeichnet, aber da er selbst, wenigstens ehedem, mehr Heide als Jude war, so kümmerte er sich auch wenig um die Beschneidung des Kindes Jesus. Und so weisen diese beiden Evangelisten einen der merkwürdigsten Widersprüche unter sich auf, während sie in vielen andern Stücken bis auf die Orts- und Zeitangabe miteinander harmonieren.
 [HiG.03_64.04.24,18] Nach Lukas besteht sodann ein allen jüdischen Gesetzen und Gebräuchen vollkommen entsprechend beschnittener Jesus, der zu Bethlehem in einem Schafstalle geboren und nur von den Hirten begrüßt wurde, den Besuch von den drei Weisen aus dem Morgenlande gar nicht erhielt, nicht nötig hatte, nach Ägypten zu fliehen, sondern dafür ganz gemütlich nach Nazareth zurückzukehren und daselbst ganz ruhig sein zwölftes Jahr ohne irgendwelche Verfolgung von seiten des Herodes abzuwarten und dann mit seinen Eltern nach Jerusalem eine Wanderung zu machen.
 [HiG.03_64.04.24,19] Bei Matthäus sehen wir Jesus in einem ordentlichen Hause zur Welt kommen, der von den Hirten nicht begrüßt wird, dafür aber von den drei Weisen aus dem Morgenlande, von denen dem Lukas in seinem Evangelium nichts geträumt hatte, wie auch gar nichts von der Flucht nach Ägypten, nichts von dem grausamen Kindermorde zu Bethlehem durch Herodes und auch nichts von der Rückkehr Jesu aus Ägypten nach Galiläa unter dem Könige Archelaus. Dafür aber hatte dem Matthäus von der Beschneidung Jesu im Tempel nach acht Tagen und von so manchem andern, was da vor sich gegangen ist, nichts geträumt. Und so habt ihr nach den Schriften dieser beiden Evangelisten einen beschnittenen Juden-Christus und einen unbeschnittenen Heiden-Christus!
 [HiG.03_64.04.24,20] Mit dem zwölften Lebensjahre Jesu fangen die beiden Evangelisten wieder an einstimmig zu werden bis auf einige minder bedeutende Nebenumstände.
 [HiG.03_64.04.24,21] Nun frage sich ein jeder: Welcher von den beiden Evangelisten für sich ist da bei der Wahrheit geblieben? Und die Antwort darauf lautet: An und für sich keiner! Denn ein jeder gab nur von dem Kunde, von dem er reden gehört hatte. In Jerusalem getraute sich niemand aus Furcht vor der Strafe von der übermäßigen Grausamkeit des Herodes zu reden; zu Sidon und Tyrus im damaligen Cölesyrien aber haßte man Herodes mehr als den Tod und verschwieg seine Grausamkeiten nicht, wie auch die Veranlassung nicht, die ihn zu dieser geführt hatte.
 [HiG.03_64.04.24,22] In gleichem Maße würdet ihr bei genauer vergleichender Durchlesung der beiden Evangelien noch auf so manche gar bedeutende Widersprüche und Unebenheiten gelangen, die sich aber dennoch eher in einem gewissen Grade ausgleichen und berichtigen lassen als der jüdisch beschnittene und heidnisch unbeschnittene Jesus.
 [HiG.03_64.04.24,23] Darum muß aber eben in dieser Zeit sowohl der alte und noch mehr der neue sich in allem Mir widersprechende Unsinn aus diesen Evangelien völlig ausgemerzt werden - und Ich Selbst mit ihm, auf daß das einzige und bleibend wahre Evangelium Johannes in sein volles Licht trete.
 [HiG.03_64.04.24,24] Denn ein jeder wird es leicht verstehen und begreifen, daß Ich unter dem Gesichtspunkte dieser vier nun bestehenden Evangelien und auch so mancher Briefe des Paulus und der andern Apostel für die Länge der Zeit nicht mehr bestehen kann, weil darin ein jeder vorkommende Widerspruch Mich vor den Gelehrten der Welt Selbst zum Widerspruche macht - gleich also wie bei den gegenwärtigen Christensekten, von denen auch jede Sekte ihren eigenen Christus hat, der sich die Freiheit nimmt, jeden andern Christus einer andern Sekte kreuz und quer zu verdammen.
 [HiG.03_64.04.24,25] Wer das nicht glauben will, der sehe nur irgend wenigstens die katholischen Übertrittsformeln an, so zum Beispiel ein Protestant in die katholische Kirche übertreten will, lese sie, und er wird sich von dieser gegenseitigen Christusverdammnis vollkommen überzeugen, denn in der muß der Übertretende seine noch protestantischen Eltern, seine Geburt mit allem und jedem und auch alle seine protestantischen Glaubensdinge bis in den tiefsten Grund der Hölle verdammen; dann erst wird er in die Gemeinschaft der Gläubigen Roms unter allerlei Zeremonien aufgenommen.
 [HiG.03_64.04.24,26] Und so steht es zumeist zwischen den Hauptsekten. Wie soll da einmal ein Hirt und eine Herde werden, wo die Sekten-Christusse selbst ärger übereinander erbost sind als die reißendsten und wildesten Tiere der Wälder?
 [HiG.03_64.04.24,27] Also alles das muß weg, und dafür habe Ich schon die Arbeiter in Meinem Weinberge bestellt, und sie arbeiten emsig und fleißig, und es werden bald gar viele noch nach ihnen kommen, die noch emsiger, fleißiger und wirksamer arbeiten werden, auf daß dann Ich in der Wahrheit zu den Menschen kommen kann als wahrer Christus und Gott von Ewigkeit - und nicht als solcher wie jetzt, der Ich nach dem Wohlgefallen einer jeden Sekte im ganzen nichts anderes zu tun habe, als in einem fort zu richten und zu verdammen und nur diejenigen im Himmel beglücken und beseligen kann und darf, die von ihren Sektenvorstehern und Stellvertretern Gottes dazu als würdig und fähig befunden werden.
 [HiG.03_64.04.24,28] Wer sich zum Beispiel in der Gnade eines solchen Gottesstellvertreters, besonders durch ausgezeichnete Opfergaben, befindet, der muß sich dann - nach ihrer Lehre - auch in Meiner Gnade befinden! Ihr sehet das nun wohl selbst ein, daß sich ein solch heilloser Unsinn, nachdem Ich einmal als Blitz am Firmamente aufgegangen bin, für die Folge hin trotz aller Konkordate nicht mehr halten kann.
 [HiG.03_64.04.24,29] Darum lassen wir der Wissenschaft nun ihren vollen Spielraum; denn sie ist nun ein wirksames Feginstrument, um den Unrat aus der Welt zu schaffen, und ist zugleich ein kräftiger Riese Herkules, der den großen Stall des Augias von seinem Miste zu reinigen verstand, was als eine gute Fabel des urgrauen heidnischen Altertums noch in dieser Zeit ganz gut zu gebrauchen ist.
 [HiG.03_64.04.24,30] Dieses nun euch Gezeigte und Gegebene überdenket wohl und lasset euch damit erleuchten; denn es ist euch gegeben von Mir, dem allein wahren Christus, und von keinem Pseudo-Christus, dem die Wahrheit ein verdammlicher Greuel ist. Amen.

Nun folgen Texte, in denen Jesus durch Jakob Lorber zeigt, wer die Evangelien Johannes und Matthäus schrieb und was von den anderen zu halten ist:
 [GEJ.01_091,08] -(GEJ=Großes Evangelium Johannes) Dies zu wissen ist ebenfalls zum besseren Verständnisse der beiden Evangelien des Johannes und des Matthäus nötig; denn die beiden sind unter Meiner persönlichen Leitung geschrieben worden, und es handelt sich hier auch vorzüglich darum, daß durch solche Kenntnis die beiden sich äußerlich sehr unähnlich scheinenden Urkunden unter ein Dach und somit in eine rechte Harmonie gebracht werden, weil es sonst nahe immer also geschah, daß selbst gute Schriftkenner die Wundertaten, die sich im Matthäus und Johannes ähnlich sehen, als die gleichen betrachteten und sich aber dennoch fragten: "Wie möglich sagt Matthäus das und Johannes das, da das Faktum völlig ein und dasselbe zu sein scheint?!"

 [GEJ.01_113,10] Was Matthäus schreibt, das kommt nur dieser Erde besonders zugute; was aber du schreibst, das gilt für die ganze ewige Unendlichkeit! Denn in allem, was du schreibst, liegt verhüllt das rein göttliche Walten von Ewigkeit zu Ewigkeit durch alle schon bestehenden Schöpfungen und durch jene auch, die in künftigen Ewigkeiten an die Stelle der nun bestehenden treten werden! Und würdest du das auch in viele tausend Bücher schreiben, was Ich dir und euch allen darüber noch kundgeben werde, so würde solche Bücher die Welt nimmer begreifen können, und es würden solche Bücher der Welt daher auch nichts nützen. (Vgl. Joh.21,25).
 [GEJ.01_113,11] Wer aber nach der überkommenen Lehre lebt und glaubt an den Sohn, der wird ohnehin wiedergeboren im Geiste, und der Geist wird ihn leiten in alle Tiefen der ewigen Wahrheit.
 [GEJ.01_113,12] Nun weißt du den Grund, warum Ich dich nicht alles schreiben lasse; daher frage Mich künftig darum nicht weiter mehr! Denn zu klar darf es der Welt nie gemacht werden, auf daß sie nicht in ein noch größeres Gericht verfalle, als sie sich ohnehin schon befindet im alten notwendigen Gerichte.
 [GEJ.01_113,13] Ich will Meine Lehre aber also stellen, daß durchs bloße Lesen oder Hören des Evangeliums niemand auf den Grund der lebendigen Wahrheit gelangen soll, sondern allein nur durchs Handeln nach Meiner Lehre; die Handlung erst wird jedem zu einer Leuchte werden!" (Vgl. Joh.7,17).

 [GEJ.02_174,16] Daher datiert sich aber auch der Wust von etlichen fünfzig Evangelien, die bei der ersten großen morgenländischen Kirchenversammlung als apokryphisch verbrannt worden sind, was sehr gut war; denn im Grunde sind denn doch nur die beiden Evangelien Johannis und Matthäi völlig authentisch (echt), und die Apostelgeschichte, die Briefe und die Offenbarung Johannis. Die beiden Evangelien des Markus und Lukas aber haben auch ihren entschiedenen und heiligen Wert, obschon sie in manchen kleinen Begebenheiten von dem des Matthäus abweichen.


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