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Die Seelenlehre, Naturgeister, Weg des Fleisches, Luft-, Berg- und Wandergeister, Fleischeslust

Leseproben des Propheten Jakob Lorber

Reife und unreife Seelen

Von der Seelenlehre

 [GEJ.06_133,03] [Es spricht Jesus] Siehe, alle Materie dieser Erde - vom härtesten Steine bis zum Äther hoch über den Wolken - ist Seelensubstanz, aber in einem notwendig gerichteten und somit gefesteten Zustande. Ihre Bestimmung aber ist, wieder ins ungebundene, rein geistige Sein zurückzukehren, so sie eben durch diese Isolierung die Lebensselbständigkeit erreicht hat. Um aber diese durch eine stets erhöhte Selbsttätigkeit zu erlangen, so muß die aus der gebundenen Materie frei gemachte Seele alle möglichen Lebensstufen durchmachen und muß sich in jeder neuen Lebensstufe auch wieder von neuem in einen materiellen Leib einpuppen, aus dem sie dann wieder neue Lebens- und Tätigkeitssubstanzen an sich zieht und solche sich zu eigen macht.
 [GEJ.06_133,04] Ist eine Seele - was ihr jenseitiger Geist aus Gott gar helle sieht - einmal in einem Leibe, sei es der einer Pflanze oder der eines Tieres, durch die erforderliche Ausreifung fähig, in eine höhere Lebensstufe aufzusteigen, so veranlaßt ihr sie stets fortbildender jenseitiger Geist, daß ihr der für fernerhin unbrauchbare Leib abgenommen wird, damit sie dann, als schon mit höheren Intelligenzen begabt, sich einen andern Leib bilden kann, in welchem sie eine kürzere oder auch längere Zeit hindurch sich wieder zu einer größeren Lebens- und Tätigkeitsintelligenz emporarbeiten kann, und das so fort bis zum Menschen hinauf, wo sie, als schon völlig frei, dann als im letzten Leibe zum vollen Selbstbewußtsein gelangen wird, zur Erkenntnis Gottes, zur Liebe zu Ihm und dadurch zur vollen Vereinigung mit ihrem jenseitigen Geiste gelangen wird, welche Vereinigung wir die Neu- oder Wiedergeburt im Geiste nennen.

Junge Naturgeister sind oft finster und böse

 [GEJ.02_064,06] "Siehe, in den Bergen, so wie in der Luft, wie auch in der Erde, im Wasser und im Feuer, gibt es gewisse Naturgeister, die noch nicht den Weg des Fleisches durchgemacht haben, weil sich dazu noch nicht die Gelegenheit geboten hat, in der sie bei einem menschlichen Zeugungsakte den Eingang ins Fleisch hätten finden können, um durch den Leib eines Weibes im Fleische zur Welt geboren zu werden. Massen solcher noch ungeborener Seelen sind in allen Elementen vorhanden.
 [GEJ.02_064,07] Nun, die in den Bergen waltenden Naturgeister aber haben aus der Luft irgend mehr Konsistenz (größere Dichtigkeit) angenommen. Diese haben kein besonderes Bedürfnis, ins Fleisch eingezeugt und darauf im Fleische aus einem Weibe geboren zu werden; ihnen ist es bei einiger, manchmal ziemlich scharfen Intelligenz lieber, solange als möglich im freien, ungebundenen Zustande zu verbleiben. Sie haben sogar ein Rechtsgefühl und fürchten den Geist Gottes, von dem sie manchmal eine ziemlich helle Kenntnis haben, das heißt nur immer einige aus ihnen, die schon alt geworden sind; die jungen in diese Gesellschaft aufgenommenen Geister sind gewöhnlich noch sehr finster und mitunter auch böse und könnten viel Übles anrichten, wenn sie nicht von den älteren im Zaume gehalten würden. Ihr Hauptgeschäft ist, allerlei Metalle in den Bergen zu gestalten, zu ordnen und sie gedeihen zu lassen in den Spalten und Gängen der Berge.
 [GEJ.02_064,08] Solche Geister nehmen zuweilen auch Nahrung aus der Natur, und zwar nur aus dem Reiche der Pflanzen. Solches tun sie bei starker Arbeit im Reiche der Berge bei der Umgestaltung der Felsen, bei der Abtreibung großer Bergteile, bei der Ausschöpfung innerer, mit Wasser zu voll gewordener Höhlen und bei dergleichen Arbeiten mehr, mit denen diese Geister oft auf das vollgemessenste beteiligt werden, damit sie, als oft zu mächtig geplagt, die Liebe zu ihren Bergen verlieren sollen und sucheten ins Fleisch eingezeugt zu werden, weil besonders von nun an kein Geist zur voll lebendig freien Seligkeit gelangen kann, der nicht den Weg des Fleisches durchgemacht hat.

Naturgeister scheuen den Weg des Fleisches

 [GEJ.04_115,01] Sagt nun die nebenan ruhende Jarah: "Aber Herr! Was sind denn das für kleine Männlein? Sie kamen vom Walde her und umlagern uns nun scharenweise in allen Farben! Einige scheinen ein dunstiges Kleid zu haben; die meisten aber sind ganz nackt und haben aber alle die Größe von kaum zwei Jahre alten Kindern."
 [GEJ.04_115,02] Sage Ich [Jesus]: "Das sind diesirdische, schon konkrete Menschenseelen, die den Weg des Fleisches noch nicht durchgemacht haben. Sie haben auch bis jetzt noch keine besondere Lust dazu, weil sie eine neue Einkerkerung in die Materie zu sehr fürchten. Die Bekleideten haben sogar eine Art Sprache, die freilich nicht gar weit her ist; aber eine gewisse Affenintelligenz besitzen alle!"
 [GEJ.04_115,03] Sagt die Jarah: "Würden die Bekleideten mich verstehen, so ich sie anredete?"
 [GEJ.04_115,04] Sage Ich: "Versuche es einmal auf gut Glück!"
 [GEJ.04_115,05] Hierauf nimmt sich die Jarah einen Mutanlauf und fragt einen dunstbekleideten Lichtblauen: "Wer seid ihr denn, und was wollt ihr hier?"
 [GEJ.04_115,06] Das lichtblaue Männlein tritt nun ganz knapp zur Jarah hin, glotzt sie recht starr an und sagt darauf: "Wer gebot dir, du stinkendes Fleisch, uns Reine zu fragen?! Bis auf den einen und bis auf noch einen stinket ihr alle gar ekelhaft nach der Materie; und das ist der größte Feind unserer Nüstern! Frage du in der Folge uns erst dann, du stinkendes Aas, wenn du vom allmächtigen Geiste aller Geister dazu ein Gebot erhalten haben wirst, - sonst sorge du dich, wie du deines fleischlichen Mottensackes auf eine gute Art ledig wirst!"
 [GEJ.04_115,07] Frage Ich die Jarah: "Nun, Mein Töchterchen, wie schmeckt dir diese Antwort?"
 [GEJ.04_115,08] Sagt die Jarah: "Herr, Herr, ach, diese Wesen sind ja ganz ungeheuer roh und grob! Bin ich denn wohl gar so ein stinkendes Aas? Ich kann mir nun vor lauter Wehmut nicht helfen; ja ich könnte nun ganz leicht verzweifeln!"
 [GEJ.04_115,09] Sage Ich: "Schau, schau, Mein Töchterchen, das Geistlein hat dir ja etwas Gutes getan! Warum grämst du dich nun darob?! Das Geistlein hätte dir das freilich wohl mit zierlicheren Worten sagen können, daß in dir noch so ein ganz kleines Schönheitshochmütchen ganz verborgen wohnet; aber das Geistlein ist kein Sprachkünstler, hat nur einen notdürftigen Wortreichtum und spricht so ganz eigentlich mehr aus seiner Empfindung denn aus irgendeinem Verständnisse heraus.
 [GEJ.04_115,10] Ist dein Gemütsglück zerstört, daß du den Lichtblauen angeredet hast? Hättest du erst so einen Glühroten um etwas Ähnliches wie den Lichtblauen gefragt, der hätte dir erst eine Antwort erteilt, daß du darob vor lauter Grimm in eine Ohnmacht verfallen wärest. Aber nun bedanke dich für die Wohltat, die dir der Lichtblaue erteilt hat, dann wird es mit ihm wohl bessern Wortes zu reden sein!"

Naturgeister fürchten den Verlust der Rückerinnerung

 [GEJ.04_116,01] Jarah aber sagt: "Wer hätte denn je in diesen luftigen Männlein so viel Weisheit gesucht?! Aber im Grunde bin ich doch froh, daß sie wieder abgezogen sind; denn sie hätten uns mit der Zeit noch ganz kurios warm gemacht, obwohl sie für sich ganz kalter Natur zu sein scheinen. Von einer Liebe scheint in ihnen nicht viel zu wohnen; aber sie wissen sehr wohl das Wahre vom Falschen zu unterscheiden. Was wird denn hernach aus diesen Wesen, wenn sie den Weg des Fleisches gar nicht durchmachen wollen?"
 [GEJ.04_116,02] Sage Ich: "Sie werden ihn schon einmal durchmachen; aber es wird noch lange hergehen, bis sie sich dazu entschließen werden. Die Lichtblauen am ehesten, die andern aber noch lange nicht!  [GEJ.04_116,03] Denn die Seelen, die so aus der Natur dieser Erde hervorgegangen sind und täglich hervorgehen, entschließen sich äußerst schwer dazu; nur viele Erfahrungen und viele Erkenntnisse und daraus hervorgehende beste Hoffnungen sind es, die sie dazu bewegen, wenn sie zu der sichern Erkenntnis kommen, daß sie durch den Fleischweg nie etwas verlieren, sondern nur gewinnen können, indem sie im schlimmsten Falle das wieder werden können, was sie nun sind.
 [GEJ.04_116,04] Diese Naturseelen halten sich zumeist gern in Bergen auf, gehen aber auch in die Wohnungen ganz einfacher, armer, schlichter Menschen und tun ihnen Gutes; nur dürfen sie nicht beleidigt werden. In diesem Falle ist mit ihnen nicht gut Mahlzeit halten.
 [GEJ.04_116,05] Sie besuchen heimlich auch Schulen und lernen vieles von den Menschen. Den Bergleuten zeigen sie nicht selten die besten und reichsten Metallager. Auf den Alpen dienen sie den Hirten und den Weidetieren; nur dürfen sie nicht beleidigt werden.
 [GEJ.04_116,06] Es gibt noch etliche solcher Naturseelen auf dieser Erde, die nahe ein fünffaches Alter Methusalems erreicht und den Weg des Fleisches noch nicht betreten haben. Alles wäre ihnen sonst recht, - nur der Verlust der Rückerinnerung hält sie am meisten zurück, weil sie dies als eine Art Tod ihres gegenwärtigen Seins ansehen.

Luft-, Berg- und Wandergeister

 [Er.01_034,01] Die Nebelchen, die so hie und da, besonders auf hohen Steingebirgen bald über einem oder über dem andern Felsenkranz, sich entwickeln, sind, wenn kein Regen vorhergegangen ist oder auch kein Schnee und dergleichen, zumeist Naturgeister, die nicht von verstorbenen Menschen herrühren, sondern erst nach Zeiten Menschenseelen und Geister werden können.
 [Er.01_034,02] Diese Geister, die sich so gern in die Luft erheben, ja manchmal dieselbe sogar ganz überziehen, sind die sogenannten Luftgeister, die schon mehr Freiheit als die festeren Erdgeister genießen, aber dennoch in diesem ihrem freien Zustande von den reinen Friedensgeistern sorgfältigst überwacht werden müssen, ansonst sie leicht irgend einen großen Schaden anrichten könnten.
 [Er.01_034,03] Diese Geister werden selten von Menschen gesehen, und die Geister verhüten das auch auf das sorgfältigste, weil sie eine große Furcht vor allem haben, was Materie heißt, vor allem aber vor derjenigen, bei der sie ein starkes Wahrnehmungsvermögen verspüren. Eben diese Furcht aber flößt ihnen auch eine Art Haß gegen die Materie, in der sie so lange gefangen gehalten waren, ein, aus welchem Grunde dann eine sorgfältige Überwachung dieser Geister sehr begreiflich ist; denn jeder Geist, wenn er einmal von der Materie losgeworden ist, ist um keinen Preis mehr irgend der Materie nahe zu bringen. Selbst die Geister verstorbener Menschen haben einen großen Ekel davor, obschon bei ihnen eine vollkommene Intelligenz vorhanden ist. Wie groß erst ist vor der Materie die Scheu jener Geister, die erst vor einigen Augenblicken durch besondere Zulassung aus den Banden der härtesten Gefangenschaft zu der verlangten Freiheit gelangt sind, in welcher vollkommen zu sein sie vorgaben, ohne den fatalen und mühsamen langen Weg des Fleisches zu durchwandeln.
 [Er.01_034,04] Solch ein Begehren wird ihnen gewährt, nach welcher Gewährung aber gewöhnlich nie Wort gehalten wird; denn diese Geister werden aus Abscheu und Haß gegen die Materie entweder boshaft und rachsüchtig, oder sie rotten sich zu vielen Millionen zusammen und wollen hinaus in die weite Unendlichkeit entfliehen. Die Boshaften und Rachsüchtigen werden wieder gefangen genommen und unter obigen meteorischen Erscheinlichkeiten zur Erde herabgeführt, wo sie alsbald in den Pflanzenregionen zu arbeiten angewiesen werden. Haben sie aber dazu keine Lust, so werden sie in der Erscheinlichkeit des Wassers in Bäche, Flüsse, Seen und Meere getrieben, wo sie dann auch, euch schon bekanntermaßen, nicht selten ihr mannigfaltiges Unwesen treiben. Sind sie aber äußerst boshaft geworden und haben sich darinnen mit den herben Geistern des Meeres vereinigt, da kann es sogar geschehen und geschieht es auch gar häufig, daß solche arge Patrone wieder in das Innerste der Erde zurückgetrieben werden, was ein höchst bedauernswürdiges Los ist. Geben sich aber diese Geister fleißíg mit dem Betriebe des Pflanzenwuchses ab, so können sie entweder den Weg des Fleisches antreten, oder sie können nach einer gewissen zurückgelegten Dienstperiode, welche sich längstens bis zweihundert Jahre und etwas darüber erstrecken kann, wieder in ihren vorigen freien Zustand zurückkehren, in welchem freien Zustande sie dann entweder die Luft, die Gebirge, das Erdreich, Wälder, manchmal auch Seen und Flüsse bewohnen können.
 [Er.01_034,05] Diese Art Geister hat dann eine vollkommene Intelligenz; sie sind in den Dingen der Natur äußerst bewandert und können alles sehen und hören, was auf der Erde geschieht, und was da geredet wird.
 [Er.01_034,06] Diese Geister können sogar mit Menschen umgehen und ihnen manchmal entschiedene Dienste leisten, nur muß sich ein jeder hüten, ihnen in was immer zu nahe zu treten; denn da werden sie leicht erbittert und können jenem, der sie erbittert hatte, einen bedeutenden Schaden zufügen, und das darum, weil, obschon sie die Materie bewohnen, sie aber dennoch Todfeinde derselben sind.
 [Er.01_034,07] Gegenden, in denen sie vorzugsweise wohnen, müssen abgelegen und ruhig sein; in einer solchen Gegend ist es auch niemandem zu raten, laut zu schreien, zu pfeifen, noch weniger zu fluchen und zu schelten, weil dadurch die noch in der Materie gefangenen Geister angeregt und rebellisch werden könnten, was dann den schon freier gewordenen in ihrer Idee Schaden bringen könnte.
 [Er.01_034,08] Um das zu verhüten, suchen sie die Wanderer in solchen Gegenden durch allerlei Erscheinlichkeiten zu schrecken, damit diese ja so schnell wie tunlich eine solche Gegend räumen möchten. Besonders heiklich sind sie in den Bergen, und namentlich in den Stollen und Schachten, wo sie schon oft für die in den Bergen Arbeitenden die größten Unglücke bewirkt haben. Hie und da ein plötzliches Zusammensinken der Schachte und Stollen, böse Luft in denselben, oft plötzliche Überschwemmungen, Verschwinden der Metalladern und dergleichen tolles Zeug mehr ist alles ein Werk solcher Geister, wie auf hohen Bergen auch Erdabstürze und große Schneelawinen zumeist von diesen Unholden bewerkstelligt werden.
 [Er.01_034,09] Wenn diese Geister manchmal in irgend etwas den Menschen wohlwollen oder ihnen wenigstens nichts Arges anzutun im Sinne haben, so erscheinen sie gewöhnlich in einer Zwerggestalt, und zwar entweder in ganz dunkler, grauer, blauer oder grüner Farbe. Diese kleine Form zeigt an, daß sie sich zu den Menschen herabwürdigen, um ihnen Gutes zu tun, weil sie in ihnen den gebannten Geist gewisserart bedauern. Wann aber ein Mensch sich dann gegen solche Geister ungebührlich benimmt, so wachsen sie nicht selten zu einer ungeheueren Riesengröße an, in welcher Gestalt es dann nicht mehr gut ist, in ihrer Nähe zu verweilen, - und ohne Anrufung Meines Namens schon gar nicht.
 [Er.01_034,10] Daß solche Geister aber also vorhanden sind, ist schon in der letzten Mitteilung dargetan worden. Es fragt sich demnach nur noch, ob solche Geister auch den Weg des Fleisches durchwandern werden oder nicht.
 [Er.01_034,11] Wenn sie sich auf der Erde sehr nützlich und tätig zeigen, so kann ihnen auf der Erde das Fleisch wohl nachgesehen werden; dafür aber kommen sie entweder in den Mond oder in einen anderen Planeten, wo sie dennoch eine Inkarnation annehmen müssen, und auch meist williger annehmen, weil die Inkarnation auf den anderen Weltkörpern gewöhnlich flüchtiger und leichter ist.
 [Er.01_034,12] Diese Geister werden dann gewöhnlich Wandergeister genannt, indem sie von einem Planeten auf den andern kommen, mit welcher Wanderschaft nicht selten auch Geister verstorbener Menschen eine gemeinschaftliche Sache machen, zu welcher sich besonders die so genannten Naturphilosophen und Astronomen bekennen, denen diese Wandergeister, welche auf der Welt nicht inkarniert wurden, gewöhnlich erwünschte Dienste leisten. Denn die Geister der Verstorbenen könnten ohne Hilfe dieser wandernden Naturgeister auf den anderen Weltkörpern nichts zu Gesichte bekommen. Da verhelfen ihnen aber diese Naturgeister zu dem Wege in die Menschen anderer Weltkörper und machen, daß solche Geister dann durch die Augen jener Menschen die Dinge auf den fremden Weltkörpern beschauen können.
 [Er.01_034,13] Wenn dergleichen Naturgeister mit der Länge der Zeit des Herumgaffens müde werden, dann geschieht es gewöhnlich, daß sie doch wieder zur Erde zurückkehren und sich dann die schwere Inkarnation gefallen lassen, ohne welche nie an eine Kindschaft Gottes zu denken ist; denn alles, was Kind Gottes werden will, muß auch von A bis Z den Weg Gottes gehen, aus welchem Grunde - wie euch schon bekannt gegeben wurde - Geister aus zahllosen anderen Weltkörpern zu der Erde dringen, um da die Inkarnation des Menschensohnes durchzumachen. Denn so wie es nur einen Gott, eine Wahrheit und ein Leben gibt, so gibt es auch nur einen Weg dazu, wovon es aber nicht eine notwendige Folge ist, daß darum alle Bewohner anderer Weltkörper diesen Weg machen müßten, um in ihrer Art selig zu sein, - wie es auch bei einem menschlichen Leibe eine zahllose Menge anderer gesunder Nerven und Fibern geben kann, ohne daß sie Nerven und Fibern des Herzens sind.

Des Herrn Rede über die geschlechtliche Urordnung

 [GEJ.03_066,01] (Der Herr:) "Sieh, es ist eine eigene Sache um die Zeugung eines Menschen! Um eine rechte und gesunde Frucht zu zeugen, müssen zwei reife Menschen, nämlich ein Mann und ein Weib, eine rechte Seelenverwandtschaft untereinander haben, ohne die sie schwerlich oder oft wohl auch gar nicht durch den bekannten Akt der Zeugung zu einer Frucht gelangen werden.
 [GEJ.03_066,02] Sind nun ein Mann und ein Weib in ihren Herzen und Seelen verwandter Natur, so sollen sie sich denn auch ehelichen und sich nach der Ordnung, wie sie in der Natur leicht zu finden ist, des Zeugungsaktes lediglich zu dem Behufe bedienen, um zu einer lebendigen Frucht nach ihrem Ebenmaße zu gelangen; ein mehreres, als eben dazu vonnöten ist, ist wider die Ordnung Gottes und der Natur und somit ein Übel und eine Sünde, die nicht um vieles besser ist als die stumme zu Sodom und Gomorrha!
 [GEJ.03_072,14] Es wäre darum gut, in jeder größeren Gemeinde eine Matrimonialgerichtsbarkeit (Ehegericht) zu stellen, die stets über alle die Ehesachen zu wachen hätte. Freilich müßte solch eine Gerichtsbarkeit von einem höchst unbescholtenen Charakter sein, und es sollte an deren Spitze allenthalben ein Mann gleich einem Mathael stehen.
 [GEJ.03_072,15] Dieser Mann sollte auch vor allem bei Ehebündnissen darauf sehen, daß ein junger Mann nie unter vierundzwanzig Jahren und eine Maid nie unter zwanzig Jahren ein gültiges Ehebündnis schließen solle. Denn diese Zeit ist mindestens bedungen zur nötigen Reife für ein gutes und auch im Geiste haltbares Ehebündnis. Denn zu junge Eheleute verderben sich durch gegenseitigen sinnlichen Genuß, werden sich gegenseitig bald zum Ekel, und die Ehenot ist fertig.

Folgen der Fleischeslust

 [GEJ.04_230,02] Das ist aber auch etwas von der größten Lebensbedeutung; denn würden die weißen Menschen dieses Laster meiden und den Beischlaf nur so oft begehen, als wie oft er zur Erweckung einer Frucht in eines ordentlichen Weibes Leibe notwendig ist, Ich sage es euch: Nicht einen gäbe es unter euch, der nicht mindestens ein Hellseher wäre! So aber, wie es unter euch Sitte ist, vergeudet der Mann wie das Weib die besten Kräfte durch das oft tägliche Verpuffen der alleredelsten und seelenverwandtesten Lebenssäfte und hat demnach nimmer einen Vorrat, aus dem sich am Ende ein stets intensiveres Licht in der Seele ansammeln könnte!
 [GEJ.04_230,03] Darum aber werden sie stets mehr und mehr träge und polypenartig genußsüchtige Wesen. Sie sind selten eines hellen Gedankens fähig und sind furchtsam, feig, sehr materiell, launisch und wetterwendisch, selbstsüchtig, neidisch und eifersüchtig. Sie können schwer oder oft gar nimmer etwas Geistiges begreifen; denn ihre Phantasie schweift immer im Reize des stinkenden Fleisches umher und mag sich nimmer zu etwas Höherem und Geistigem emporzuerheben. Und gibt es darunter schon auch dann und wann etwelche Menschen, die wenigstens in fleischgierlichkeitslosen Momenten irgendeinen flüchtigen Blick nach oben senden, da kommen doch gleich, wie schwarze Wolken am Himmel, fleischsinnliche Gedanken und verdecken das Höhere derart, daß die Seele dessen rein vergißt und sich gleich wieder in den stinkenden Pfuhl der Fleischeslust stürzt!

Verdeckung der Rückerinnerung

 GEJ.04_120,16] Solange die Nerven des Fleischkindes nicht völlig ausgebildet und tätig sind, arbeitet die Seele mit Selbstbewußtsein mit allem Eifer fort und richtet sich den Leib nach ihren Bedürfnissen ein; sind aber einmal die Nerven alle ausgebildet, und wird deren sich stets mehr entwickelnder Geist ganz ordnungsmäßig tätig, dann begibt sich die Seele mehr und mehr zur Ruhe und schläft am Ende in der Gegend der Nieren ganz ein. Sie weiß nun nichts von sich selbst und vegetiert bloß, ohne alle Erinnerung an einen früheren nackten Naturzustand. Erst etliche Monde nach der Geburt fängt sie stets mehr und mehr an zu erwachen, was aus der Abnahme der Schlafsucht recht gut wahrgenommen werden kann; aber bis sie zu einigem Bewußtsein gelangt, braucht es schon eine längere Zeit. Wenn ein Kind der Sprache mächtig wird, dann erst tritt auch ein rechtes Bewußtsein in die Seele, jedoch ohne Rückerinnerung; denn diese könnte man bei der höheren Weiterbildung der Seele auch durchaus nicht brauchen.
 [GEJ.04_120,17] Die Seele aber sieht und erkennt nun, ganz im Fleische steckend, sonst vorderhand nichts, als was ihr durch des Leibes Sinne vorgestellt wird, und kann etwas anderes in sich selbst gar nicht erkennen, weil sie durch die Fleischmasse in sich derart verfinstert ist und sein muß, daß sie zumeist gar nicht weiß, daß sie für sich auch ohne das Fleisch da sei. Sie fühlt sich lange Zeit hindurch als mit dem Fleische ganz identisch, und es gehört viel dazu, eine Seele im Fleische so weit zu bringen, daß sie sich als etwas Selbstisches zu fühlen und zu betrachten anfängt, - was auch wieder höchst notwendig ist; denn ohne dieses könnte sie keinen Geist in sich bergen und denselben natürlich auch nie erwecken.
 [GEJ.04_106,04] Allein bei allen Menschen dieser Erde tritt der sonst nirgends mehr vorkommende Fall ein, daß sie aller Rückerinnerung bar werden und daher eine ganz neue Lebensordnung und -bildung vom Anfange an beginnen, die also gestellt ist, daß mit ihr ein jeder Mensch bis zur vollsten Gottähnlichkeit emporwachsen kann.

Die Einlegung des Geistes

 [Er.01_051,05] Wenn diese Frucht im Mutterleibe dem Leibe nach lebend bei drei Monate zugebracht hat, so wird der ruhig gewordenen Seele, deren seelisches Herz eine gewisse Solidität erreicht hat, durch einen Engelsgeist ein ewiger Geist in eben das Herz der Seele unter siebenfacher Umhülsung eingelegt; …
 Er.01_051,07] Nach der Einlegung des Geistes in das Herz der Seele, welche Handlung bei einigen Kindern früher, bei anderen später geschieht, bei vielen drei Tage vor der Geburt, wird der Leib schneller ausgereift, und die Geburt wird vor sich gehen.

Über die Motivation

 [GS.02_080,14] Wir wissen aber, daß der Mensch einer zweifachen Liebe fähig ist, nämlich der göttlichen, welche aller Selbstliebe entgegen, und der Selbstliebe, welche aller göttlichen Liebe entgegen ist.
 [GS.02_080,15] Nun fragt es sich: So jemand den Akt der Zeugung begeht, welche Liebe war da der Beweggrund, die Eigenliebe, unter deren Botmäßigkeit auch jegliche Genußsucht steht, oder die göttliche Liebe, welche nur mitteilen will, was sie hat, ihrer selbst gänzlich vergessend? Sehet, wir sind jetzt schon ziemlich dem eigentlichen Hauptkerne auf der Spur.
 [GS.02_080,16] Setzen wir nun zwei Menschen: der eine begeht den Akt aus selbstsüchtiger Genußsucht, der andere aber in dankbarer Andacht für die Zeugungsfähigkeit, seinen Samen einem Weibe mitzuteilen, um in ihr eine Frucht zu erwecken. Welcher von den beiden hat denn gesündigt? Ich glaube, hier einen Richter zu machen und ein rechtes Urteil zu fällen, wird eben nicht schwer sein.
 [GS.02_080,17] Damit uns aber die Sache völlig klar wird, müssen wir uns auch mit dem Begriffe "Unkeuschheit" näher vertraut machen. Was ist Keuschheit und was ist Unkeuschheit? Keuschheit ist derjenige Gemütszustand des Menschen, in welchem er aller Selbstsucht ledig ist, oder in dem er rein ist von allen Makeln der Eigenliebe. Unkeuschheit ist derjenige Gemütszustand, in welchem der Mensch nur sich selbst berücksichtigt, für sich selbst handelt und seines Nebenmenschen, besonders in Berücksichtigung des Weibes, gänzlich vergißt.
 [GS.02_080,18] Die Selbstsucht aber ist nirgends schmählicher, als wie gerade bei dem Akte, wo es sich um die Fortzeugung eines Menschen handelt. Warum denn? Die Ursache liegt am Tage. Wie der Grund, wie der Same, so auch wird die Frucht. Ist göttliche Liebe, also die Keuschheit der Same, so wird auch eine göttliche Frucht zum Vorschein kommen; ist aber Eigenliebe, Selbst- und Genußsucht, also der unkeusche Zustand des Gemütes der Same, welch eine Frucht wird da hervorgehen?
 [GS.02_080,19] Sehet, in dem liegt es, was durch das sechste Gebot verboten ist. Wäre dieses Gebot beobachtet worden, so wäre die Erde noch ein Himmel, denn es gäbe auf ihr keinen selbstsüchtigen und herrschsüchtigen Menschen! Aber dieses Gebot ist schon im Anbeginne der Menschen übertreten worden, und die Frucht dieser Übertretung war der eigennützige und selbstsüchtige Kain.
 [GS.02_080,20] Aus dem aber geht hervor, daß nicht nur die sogenannte fälschlich bezeichnete "Unzucht", welche man besser "Genußsucht" nennen sollte, in die Reihe unserer zu behandelnden Sünde gehört, sondern jegliche Genußsucht, wie gestaltet sie auch immer sein mag, besonders aber, wenn ein Mann das ohnehin schwache Weib sich eigennützig zum genußsüchtigen Nutzen macht, ist als Sünde der Unkeuschheit zu betrachten. -


Seiteninhaber: Helmut Betsch   Bleiche 22   74343 Sachsenheim   Email: helmut.franz.sehel [aet] t-online.de

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