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Die Entstehung der Religionen auf der Erde

Leseproben des Propheten Jakob Lorber

Die Entstehung der Religionen

1.Geisterfall:

Die Folgen des Abfalles Luzifers
 [GEJ.02_231,01] (Der Herr:) "Was Kurzes aber ist der Zeitraum von Adam bis auf uns gegen die beinahe für Menschenbegriffe endlose Dauer von der Periode des ersten Grundwerdens der urgeschaffenen Geister bis zu dem Standpunkte, wo sie in den Vollgebrauch ihres freien Willens gestellt wurden; und wieder, welch ein unmeßbarer Zeitraum seit ihrem Falle bis auf Adam und bis auf uns!
 [GEJ.02_231,02] Siehe, es gibt im endlosesten Schöpfungsraume gewisse Ur- und somit Hauptmittelsonnen, die wegen ihrer zu großen Entfernung von hier, obschon sie unaussprechlich viele Male größer sind als diese Erde, kaum als kleine glitzernde Pünktlein gesehen werden - und das nur von Menschen, die sehr scharfe Augen haben! Diese Ursonnen haben ungefähr das Alter, wie die Periode vom Falle der Urgeister bis auf diese Zeiten herab. Und sieh, wollte man das Alter solcher Sonnen nach dem Maße der Erdjahre bestimmen, so wäre man nicht einmal imstande, über die ganze Erde eine Zahl aufzuzeichnen, in der die endlose Vielheit der Erdjahre genügend enthalten wäre! Und nähmest du für je tausendmal tausend Jahre dieser Erde ein kleinstes Sandstäubchen, aus deren zahllosen Menge die ganze Erde bestehen kann ihrer Größe, Breite und Dicke nach, das Maß des Meeres nicht ausgenommen, so wäre solch eine also berechnete Zeitendauer für eine besprochene Sonne noch viel zu kurz.
 [GEJ.02_231,03] Eine solche Periode dauert dann etwa doch schon so hübsch lange, und doch ist sie kaum ein Etwas zu nennen gegen die Dauer jener Urperiode, in der Gott aus Seinen Gedanken und Ideen die ersten Geister zu bilden und selbständig zu machen begann. Was geschah in solch endlos langer Periode alles zur Vollbildung des freien Willens der Urgeister!
 [GEJ.02_231,04] Und doch gab es am Ende jener endlos langen Bildungsperiode der Urgeister eine noch übergroße Menge solcher Art, die, obschon sie die rechten Bildungswege Gottes wohl begriffen, aber am Ende von einem sich freien Verhalten auf diesen Wegen dennoch nichts wissen wollten, sondern des schneller folgenden, wennschon nur kurz dauernden Vorteiles wegen von dem gebotenen und wohl gezeigten Ordnungswege Gottes abwichen und den Weg ihres höchst eigenen Verderbens betraten.
 [GEJ.02_231,05] Denn der Hauptgeist des Lichtes, (Satan-Luzifer) dem zahllose andere Lichtgeister innewohnten, jeder davon mit zahllos vielen Intelligenzen reichst versehen, sprach bei sich: ,Was bedarf es da noch weiteres? In mir liegen alle Eigenschaften wie in Gott, und Gott hat alle Seine Kraft in mich gelegt. Nun bin ich stark und mächtig über alles. Er hat alles, was Er hatte, aus Sich heraus hergegeben, und ich habe alles genommen. Nun hat Gott nichts mehr, ich aber habe alles; und wir wollen nun sehen, ob der auf die Übertretung des gegebenen Gebotes folgen sollende Vorteil wirklich nur von einer kurzen Dauer sein wird. Wir meinen: Mit unserer nunmaligen Allkraft und Macht werden wir uns die Dauer des kurz währen sollenden Vorteiles wohl so hübsch auf Ewigkeiten hinaus zu verlängern imstande sein. Wer wird sie uns zu verhindern imstande sein? Außer uns trägt der endlose Raum, der nun von uns erfüllt ist, keine höhere Macht und Intelligenz mehr, als da ist die unsrige; wer sollte uns dann den Vorteil streitig zu machen imstande sein?'
 [GEJ.02_231,06] Sehet, so dachte und sprach der Lichtgeist zu sich selbst und dadurch zu seiner ihm unterstehenden Sondergeisterschar. Gesagt und getan, und die Folge war die Sich-selbst-gefangen-Nehmung in seiner Trägheit, darin er sich stets mehr und mehr verdichtete, und wieder die Folge davon war die Schöpfung der Materie, ebenfalls ganz auf dem Wege der göttlichen Ordnung; denn der sichere Erfolg des Nichtbeachtens des göttlichen Gebotes war ebenso bestimmt vorgesehen, wie der freieste Zustand jener Geister, die das Gottesgebot an und in sich erfüllt haben.
 [GEJ.02_231,07] Und so denn hatte sich durch solchen Fall fürs erste der Hauptgeist und mit ihm alle seine verwandten Untergeister selbst auf das hartnäckigste und bitterste gefangen genommen. Wie lange es ihm aber gefallen wird, in solcher Gefangenschaft zu verharren, das weiß außer Gott niemand in der ganzen Unendlichkeit, auch die Engel nicht.
 [GEJ.02_231,08] Aber das ist gewiß, daß nun aus diesem verlorenen Sohne des Lichtes die Sondergeister durch die Macht Gottes wieder erweckt und ins Fleisch als Kinder der Welt gesetzt werden, und es ist ihnen, gleich wie den Kindern von oben, die Gelegenheit gegeben, sich zur höchsten Vollendung der Kinder Gottes emporzuheben.
 [GEJ.02_231,09] Alle Materie ist darum Sondergeist, der als Seele in jedem einzelnen Menschen in ihrem Geiste zum ewigen Leben wiedergeboren werden kann. Wenn aber aus der Materie einer Welt alle Sondergeister herausgehoben sein werden, dann ist auch das volle Ende einer solchen Welt ins Dasein getreten.
 [GEJ.02_231,10] Das aber geht bei einer Welt, wie diese Erde eine ist, freilich wohl so hübsch lange her, aber einmal kommt dann dennoch das Ende herbei."

2. Gott war unschaubar

 [GEJ.04_122,06] Ich bin nur der ewige Mittelpunkt Meiner Selbst; von diesem aus aber erfülle Ich dennoch ewig fort unverändert den unendlichen Raum.
 [GEJ.04_122,07] Ich bin überall der ewige Ich; aber hier bei euch bin Ich nun in Meiner ewigen Seinsmitte, von der aus die ganze Unendlichkeit ewig fort und fort und unverändert gleich und gleich erhalten wird in ihrer endlosesten, ewigen Ausdehnung.
 [GEJ.04_122,08] Von Ewigkeit wohnte Ich in Meiner unzugänglichen Mitte und in Meinem unzugänglichen Lichte aus Mir Selbst. Aber Mir hat es der Menschen dieser Erde wegen wohlgefallen, aus Meiner unzugänglichen Mitte und aus Meinem unzugänglichen Lichte derart herauszutreten, daß Ich nun in ebenderselben Mitte und in ebendemselben Lichte, das auch den höchsten Engeln von Ewigkeit völlig unzugänglich war, Mich auf diese Erde begab und nun euch Menschen sogar von allen Seiten her wohl zugänglich bin und ihr Mein Licht wohl ertragen könnet.

3. Gott wurde durch Seine Liebe zu den Menschen auf die Erde gezogen

 [GEJ.09_052,02] (Jesus zu einem eifrigen Gottsucher über Sich Selbst:) "Siehe, soweit Ich den Mann kenne, so ist Er nach Meinem Erkennen eben derselbe Jehova, der schon mit Adam, Noah, mit dem Abraham, Isaak und Jakob, mit Moses und mit noch vielen andern Propheten geredet hat. Der Unterschied zwischen damals und jetzt besteht nur darin, daß Er, als der ewige Herr aller Kreatur, damals nur als der reinste Geist voll Liebe, Leben, voll der höchsten Weisheit, Macht, Kraft und Gewalt mit dem geweckten Geiste der Menschen geredet und Sich ihnen also geoffenbart hat. In dieser Zeit aber - wie Er das auch zu gar öfteren Malen durch den Mund der Propheten verheißen hat - hat es Ihm wohlgefallen, aus größter Liebe zu den Menschen dieser Erde, die Er zu Seinen Kindern erschaffen hat und ihnen auch schon zu Adams Zeit Selbst diesen Namen gab, Selbst das Fleisch anzuziehen und sie als ein sichtbarer Vater für Sich zu erziehen, auf daß sie ewig dort bei Ihm sein, leben und wohnen sollen, wo Er Selbst Sich ewig befindet und schafft und regiert die Unendlichkeit."
 [GEJ.03_183,18] Um das zu erreichen, mußte der Mensch zuvor noch tiefer und weiter von Dir getrennt werden; er mußte fehlen und fallen und dann erst in solcher höchsten Abgeschiedenheit von Dir höchst mühsam und unter allerlei Verlockungen und Beschwerden sich ganz von neuem zu sammeln anfangen und forschen nach Dir mit gedrücktem und reuigem Herzen.
 [GEJ.03_183,19] Als der also gefallene Mensch sich auf solche mühevolle Weise aus seiner tiefsten Tiefe wieder zu Dir emporgerichtet hatte, kamst Du ihm wieder entgegen, zeigtest ihm Dich abermals in einer schon um sehr vieles gediegeneren Form und ebenso auch umfangreicher in der den Menschen belehrenden Offenbarung, und machtest ihm die große Verheißung dessen, was Du nun vor unsern Augen ins vollste und gediegenste Werk gesetzt hast dadurch, daß auch Du dem Menschen ein vollkommenster Mitmensch würdest, auf daß er in alle zukünftigen Ewigkeiten als aller vollkommenst selbständig Dir gegenüberstehen könne und Du Selbst dadurch den größeren, herrlicheren und sicher seligeren Genuß hättest, Deinen Kindern nicht gleichfort als ein in aller Unendlichkeit ausgedehnter und dadurch nie schau- und fühlbarer Gott, Herr und Vater, sondern als ein schaubarer lieber Vater, den die Kinder lieben können, gegenüberzustehen, und alle die guten Kinder persönlich zu führen in alle Deine Wunderhimmel.
 [GEJ.03_183,20] Welche Seligkeit könnte das für einen unendlichen Gott auch sein, so Er wohl Seine lieben Kinder sehen könnte, diese Ihn aber nie irgend anders denn als ein unendliches Lichtmeer zu Gesichte bekommen könnten?! So aber hast Du den Menschen wohl die höchste Seligkeit bereitet und dadurch auch als wahrer, einziger und liebevollster Vater Deiner Kinder auch Dir Selbst!
 [GEJ.03_183,21] Denn welche Lust wohl könntest Du selbst an dem besten und herzensreinsten aller Deiner Kinder haben in dem sicher hellsten Bewußtsein, daß sie Dich ewig nie sehen und reden hören sollen?!
 [GEJ.03_183,22] Also, Deiner und der Menschen willen hast Du, o Herr, alles das getan, auf daß die Reinen in Dir glückseligst würden und Du in ihnen auch die höchste Wonne und Glückseligkeit genießen könntest!

4.Gottes Geist waltet, tiefer verborgen, auch in fremden Religionen.

[GEJ.01_134,17] Nehmt zum Überflusse noch hinzu die Religionen fremder Nationen, als zum Beispiel der Türken, der Parsen, Gebern, Hindus, Chinesen und Japaner! Wie sehr sind sie verschieden von der Religion, die Ich nur den Kindern aus dem Himmel aller Himmel gab, und doch waltet auch in ihnen, wennschon um vieles tiefer verborgen, derselbe Geist Gottes!

5. Sender und Gesandter

 [GEJ.08_085,20] Mein Reich aber wird nicht sein ein Reich von dieser Welt, sondern ein Reich einer andern Welt, die ihr noch nie erkannt habt; denn hättet ihr je jene Welt erkannt, so hättet ihr auch Mich erkannt, als Ich zu euch in den Tempel kam, und hättet ihr Mich erkannt, so hättet ihr auch Den erkannt, der Mich gesandt hat, von dem ihr saget, daß Er euer Gott sei. Aber der Vater, der Mich gesandt hat, hat Mich nicht also gesandt, wie man in der Welt einen Menschen aussendet, sondern also, daß hier der Sender und der Gesandte Eines sind! .
 [GEJ.08_085,21] Wer da glaubt, daß der Vater in Mir ist und Ich im Vater bin, der kann sagen, daß er den Vater und den Sohn gesehen und gesprochen hat; vom Erkennen aber kann erst dann die Rede sein, so Ich Mich jüngst vollends wieder in Meinem Reiche befinden werde und Ich über die, so an Mich glauben und Meine Worte behalten und nach ihnen leben und handeln, Meinen Geist ausgießen werde.

6. Rückerinnerung

Die Bedeutung und Entstehung der Erde
 [GEJ.04_106,01] (Der Herr:) "Ein Teil solcher aufgelösten Geister aber will noch auf irgendeinem Planeten den Weg des Fleisches durchmachen. Einige machen ihn auch in der Sonne durch, auf irgendeinem Gürtel, der ihnen natürlich am besten zusagt; nur auf diese Erde begeben sich höchst wenige, weil ihnen da der Weg des Fleisches zu beschwerlich vorkommt, denn hier müssen sie sogar alle Erinnerung an einen früheren Zustand aufgeben und ganz in ein von Anfang an neues Sein eintreten, was auf den anderen Planeten und Weltkörpern nicht der Fall ist.
 [GEJ.04_106,02] Denn fürs erste bleibt den eingefleischten Geistern dort stets eine traumartige Rückerinnerung an die früheren Zustände, und die Folge davon ist, daß die Menschen auf den anderen Planeten und Weltkörpern vom Grunde aus schon um vieles weiser und nüchterner sind denn auf dieser Erde. Aber dafür sind sie auch keines Fortschrittes in eine höhere Stufe des freien Lebens fähig. Sie gleichen, wie schon einmal berührt, mehr den Tieren dieser Erde, die schon von Natur aus für ihr Sein die gewisse Instinktbildung haben, worin sie stets eine große Fertigkeit und Vollendung an den Tag legen, so daß ihnen der Mensch mit all seinem Verstande gar manches nicht nachzumachen imstande wäre. Versuchet nun aber, ein Tier darüber hinaus zu unterrichten, und ihr werdet nicht viel Ersprießliches ihm beizubringen imstande sein!
 [GEJ.04_106,03] Wohl gibt es welche, die so viel Bildung annehmen, daß sie dann für eine höchst einfache und allergröbste Arbeit zur Not verwendet werden können, wie der Ochse zum Ziehen, das Pferd, der Esel und das Kamel zum Tragen, ein Hund zum Aufspüren, Jagen und Treiben; aber darüber hinaus werdet ihr ihnen nicht viel Weiteres beizubringen imstande sein, und mit der Sprache wird es schon gar nicht gehen. Die einfache Ursache liegt auch darin, daß eine stumpfe Rückerinnerung an ihre früheren Zustände die Tierseelen gleichfort noch wie ein Gericht gefangen hält und beschäftigt, und daß sie sonach in einer gewissen Betäubung leben.
 [GEJ.04_106,04] Allein bei allen Menschen dieser Erde tritt der sonst nirgends mehr vorkommende Fall ein, daß sie aller Rückerinnerung bar werden und daher eine ganz neue Lebensordnung und -bildung vom Anfange an beginnen, die also gestellt ist, daß mit ihr ein jeder Mensch bis zur vollsten Gottähnlichkeit emporwachsen kann.
 [GEJ.04_106,05] Darum kann aber auch nur eine solche Seele auf dieser Erde eingefleischt werden, die entweder aus einer Sonne, in der noch alle Urelemente beisammen sind, herstammt, alldort aber schon einen Fleischweg durchgemacht hat und somit alle jene Seelenintelligenzspezifika in sich faßt, die für die Vollendung eines höchsten Geisteslebens nötig sind, - oder eine Seele stammt unmittelbar von dieser Erde und hat zuvor alle die drei sogenannten Naturreiche durchgemacht von der plumpsten Steinmaterie durch alle Mineralschichten, von da durch die gesamte Pflanzenwelt und zuletzt durch die ganze Tierwelt im Wasser, auf der Erde und in der Luft.
 [GEJ.04_106,06] Man nehme aber hier ja nicht den Materienleib, sondern das in dessen Gehülse enthaltene seelisch-geistige Element; denn das Gehülse ist zwar auch seelisch- geistig in der weiteren Analyse, aber es ist in sich noch zu gemein, zu träge und zu plump und ist noch ein zu schwerer Ausdruck der Eigenliebe, der Selbstsucht, des Hochmutes und des trägsten, faulen Genusses der gierigsten, geizigen und todbringend zornigen Herrschsucht. Solche Materie muß erst durch ein vielfaches Verwesen und nur teilweises Übergehen in die reinere Seelenumhäutungs- und - bekleidungssubstanz aufgenommen werden; zur eigentlichen Seelensubstanz wird daraus wohl nie etwas verwendbar sein.
 [GEJ.04_106,07] Es gibt darum auf dieser Erde aber auch mehr verschiedene Gattungen von Mineralen, Pflanzen und Tieren als auf allen anderen Planeten und Sonnen, natürlich jedes für sich einzeln genommen. Alle zusammen würden wohl eine größere Gattungssumme herausbringen, aber auf einem jeden anderwärtigen Weltkörper einzeln gibt es im ganzen Schöpfungsraume nicht den hunderttausendsten Teil so vieler Gattungen wie hier auf dieser Erde in jedem ihrer drei Reiche. Eben darum ist aber auch nur diese Erde allein bestimmt, im vollwahrsten Sinne Gottes Kinder zu tragen.
 [GEJ.04_106,08] Wie und warum aber solches? Es hat mit dieser Erde eine höchst eigentümliche Bewandtnis. Sie gehört zwar nun als Planet zu dieser Sonne; aber sie ist, streng genommen, nicht so wie alle die anderen Planeten - mit Ausnahme des einen zwischen Mars und Jupiter, der aber aus gewissen bösen Gründen schon vor sechstausend Jahren zerstört worden ist oder eigentlich durch sich selbst und durch seine Bewohner zerstört wurde - aus dieser Sonne, sondern hat ihre Entstehung ursprünglich schon aus der Urzentralsonne und ist in einer gewissen Hinsicht ums für euch Undenkliche der Zeit nach älter denn diese Sonne. Doch hat sie eigentlich erst körperlich zu werden angefangen, nachdem diese Sonne schon lange als ein ausgebildeter Weltenklumpen den erstmaligen Umlauf um ihre Zentralsonne begonnen hatte, und hat aber dann ihr eigentlich Materiell- Körperliches dennoch hauptsächlich aus dieser Sonne an sich gezogen."

7. Willensfreiheit

 [GEJ.06_205,01] Sagte der Römer: "Wahrlich, Du bist ein Gott! Denn wärest Du nur ein Mensch mir gleich, nimmer möglich könntest Du so weise reden. Deine gestrigen Wunderzeichen bekommen erst durch diese Deine Worte, wie auch durch die heutigen im Tempel, die vollste Wahrheitsbestätigung. Viel haben wir schon in Rom von Dir sprechen hören; aber all dies Gerede ist dennoch nichts gegen diese Wirklichkeit. Aber jetzt essen und trinken wir wieder; denn das Vernommene ist endlos groß und tief, und wir müssen es erst ordentlich unter unser Verstandesdach bringen, auf daß wir dann fähig werden, etwas Weiteres von Deiner Gnade und Liebe zu vernehmen. Denn Du redest nicht, wie ein gewöhnlich vernünftiger Mensch da redet über ein kunst- und prachtvollstes Gebäude, sondern Du redest wie ein Baumeister, der das Gebäude von Grund aus selbst gebaut hat. Und darum heißt es, sich bei Deinen Reden wohl zusammennehmen und sie ordentlich von Punkt zu Punkt fassen und begreifen, so man daraus für sein Leben den wahren Nutzen ziehen will. Darum nun eine kleine Pause; etwas Brot und Wein wird uns das tiefere Begreifen erleichtern!"
 [GEJ.06_205,02] Darauf aßen und tranken die Römer wieder ganz wacker darauf los, und wir aßen und tranken auch. Auch die etlichen siebzig Männer und das gerettete Weib aßen und tranken nach Herzenslust, besprachen sich über Meine Worte an die Römer und auch über das Zeugnis, das Mir der Römer ganz offen und unverhohlen gegeben hatte.
 [GEJ.06_205,03] Auch Meine Jünger verwunderten sich heimlich sehr über den Verstand des Römers und sagten: "Da seht, wie bald kam dieser Stockheide ins klare, und die Juden da unten sehen noch immer den Wald vor lauter Bäumen nicht! Es ist doch wahrlich in hohem Grade merkwürdig, daß solche Menschen zu ihrem sogar irdisch größten Vorteile das allerhellste Licht des Lebens nicht freudigst erschauen wollen oder können!"
 [GEJ.06_205,04] Sagte einer der dreißig Judgriechen: "Oh, begreifen könnten sie das schon; aber sie wollen das nicht, weil sie der Meinung sind, daß sie dadurch ihr Ansehen, ihre großen Reichtümer und ihr gutes Leben verlieren. Und da können die Engel sichtbar aus den Himmeln herab zu ihnen kommen und ihnen sagen, daß unser Herr und Meister Christus sei, so werden sie das doch nicht annehmen aus eben dem Grunde, den ich soeben angeführt habe, - was ich wohl am besten weiß, da ich weiß, wie sie sich zur Zeit des frommen Hohenpriesters Zacharias benommen haben. Ich und viele andere sahen den Engel Gottes mit dem frommen Manne reden und waren in uns ganz vollkommen überzeugt, daß das eine wahre Erscheinung war; aber der unbegrenzte Hochmut der anderen Pharisäer und ihre Selbstsucht setzten sich über alle diese Wahrheit hinaus und erwürgten ihn gleich darauf zwischen dem Opferaltare und dem Allerheiligsten. Wie sie aber damals waren, so sind sie noch bis zur Stunde und würden sogar mit Jehova zu Mosis Zeiten einen Kampf aufgenommen haben, so sie damals gelebt hätten. Und das sind noch immer von Dir, o Herr, geduldete Priester und sogenannte Diener Gottes, während sie doch schon lange für den Satan zu schlecht wären!"
 [GEJ.06_205,05] Sagte Ich: "Lassen wir nun das; denn Ich habe ja soeben den Römern dargetan, wie von Mir aus alle Menschheit zum Leben erzogen wird, und die Priester sind ja auch Menschen. Aber so arg auch ihre freiwillige Starrheit ist, in allen Sünden zu verharren, so gibt sie euch aber dennoch einen klarsten Beweis, wie sehr von Gott aus des Menschen freier Wille als der einzige Keim zur Gewinnung des selbständigen, freien, ewigen Lebens der Seele geachtet und geschützt wird. Und weil er so geachtet und geschützt wird, so liegt eben darin auch der größte Beweis, daß Gott die Menschen nicht allein für diese Erde und für ihre kurze Lebenszeit geschaffen hat, sondern für ein ewiges, geistiges Leben, das aber eben nur durch die vollste Willensfreiheit der Seele in diesem kurzen Leibesleben vollkommen erreicht werden kann, - das aber auch verloren werden kann, so ein Mensch bis ans Ende in der freien Verstocktheit verharrt. Das heißt: es wird die Seele nimmer völlig aufhören, Seele zu sein; aber was für eine, das ist eine andere Frage. Denn jenseits läßt sich jene Vollendung nicht mehr erreichen wie in diesem Leben. Das Warum habe Ich euch schon oft gezeigt. So wir uns aber nun gestärkt haben werden, dann erst werden wir weitere Betrachtungen anstellen und von der großen Barmherzigkeit Gottes reden."

8. Gedanken und Träume wieder finden im Jenseits

 [HiG.01_40.07.24,04] Sehet, alles, was ihr euch nur immer gedacht und geträumt habt, jetzt denket und träumet und noch in alle Zukunft denken und träumen werdet, geht ewig nicht verloren. So, wie es in euch vorging - geradeso werdet ihr es einst getreu wesenhaft wieder finden und es also gleich als das Eurige erkennen und euch daran erfreuen oder betrüben. Das ist zu berühren nötig gewesen, um das Künftige eurem Verständnisse näher zu führen. Denn wer da nicht weiß und sieht, daß in ihm die ganze Schöpfung kreiset, lebt und webt, der kann auch nicht den Grund seiner Triebe, Begierden und Gedanken fassen.

9. Im Jenseits wird den Menschen die wahre Gotteslehre gelehrt

 [GEJ.01_081,10] … denn es handelt sich hier nicht so sehr um die allgemeinste Annahme Meiner Lehre auf dieser Erde, als vielmehr um die durch Meine gegenwärtige Darniederkunft und durch Mein Wort und Meine Lehre endlich einmal errichtete Brücke zwischen dieser materiellen und jener geistigen Welt, deren ewige Gefilde jenseits des Grabes liegen!  [GEJ.01_081,11] Wer Meine Lehre diesseits vollernstlich annehmen wird, der wird diese Brücke schon im Leibe überschreiten; wer aber auf der Erde Meine Lehre entweder lau, unvollständig oder auch gar nicht annehmen wird, der wird in großer Nacht in jener Welt anlangen, und es wird ihm sehr schwer werden, diese Brücke zu finden!
[GEJ.01_081,12] Den Menschen aber, die nie in den Stand kommen sollten, noch diesseits von Meiner Lehre etwas zu erfahren, werden jenseits Führer gegeben werden, die sie zu dieser Brücke leiten werden. Werden die von Meiner Lehre noch nichts wissenden Geister den Leitern folgen, so werden sie auch über diese Brücke kommen zum wahren ewigen Leben.
 [GEJ.08_016,13] Ganz welttümliche Menschen aber, die an keinen Gott glauben und dabei doch ein gesundes Leben bis in ihr hohes Alter genießen und am Ende auch eines schnellen und schmerzlosen Todes sterben, haben ihren Lebenslohn auch schon auf dieser Welt empfangen und werden im Jenseits sehr schwer je mehr einen zu gewärtigen haben. In der Gesellschaft solcher wird die äußerste Finsternis walten, und es wird sein viel Heulen und Zähneknirschen unter ihnen.
 [GEJ.08_016,14] Sagte der Magier: "Herr und Meister, wenn aber solche Menschen, die nun denn doch zumeist Heiden sind, nicht dafür können, daß sie von einem wahren Gott nie etwas vernommen haben und darum auch an keinen glauben konnten, so ist dann ein gar fürchterliches Fortbestehen ihrer Seelen im Jenseits doch eine zu arge Strafe! Ja, Menschen wie nun wir, die Gott wohl erkannt haben und an Ihn glauben müssen, weil Er vor ihnen sichtbar da ist und sie Selbst lehrt die Wege des Lebens, - wenn sie dennoch abfielen und Böses täten, verdienten dann wohl ein solches von Dir nun sehr erschrecklich ausgesprochenes Los im Jenseits; aber Menschen, die da nicht dafür können, daß sie nahezu mehr Tiere als Menschen auf der Welt waren, erscheinen vor meinem Verstande als unzurechnungsfähig, und eine jenseitige Strafe für ihre hier verübten bösen Taten scheint mit der göttlichen Ordnung und mit der der Liebe Gottes entstammenden Gerechtigkeit in keiner besonderen Harmonie zu stehen; denn wo jemand auf dieser Erde keinen Gott und somit auch Dessen Willen nicht kennt und kein anderes Gesetz hat als das nur, das ihm seine Natur und seine Leidenschaften vorschreiben, der kann ja dem ungekannten Willen Gottes gegenüber auch keine Sünde begehen und für dieselbe gestraft werden. Herr und Meister, siehe, da ist nun wieder ein noch finsterer Winkel in Meiner Seele, den Du mir noch gnädigst ein wenig heller erleuchten möchtest!"
 [GEJ.08_017,01] Sagte Ich: "Auch über diesen Punkt ist hier schon das Rechte und völlig Geeignete gesagt worden, und ihr habt das auch von Meinen Jüngern teilweise wohl erfahren; aber es geht euch mit dem Merken eben nicht am besten, und es ist darum in euch wieder so mancher Lebenswinkel ein wenig dunkel geworden. Aber so ihr leben werdet nach Meinem Worte, so werdet ihr in euch die Taufe des Geistes überkommen, welche da ist die wahre, innere Wiedergeburt des Geistes in eurer Seele. Dieser lebendigste Geist alles Lichtes und aller Wahrheit wird euch dann schon in alle Wahrheit leiten, und es wird dann auch alles helle werden in euch, was nun dunkel und finster ist.
 [GEJ.08_017,02] Das aber, was dir schon dein mehr geklärter Verstand sagt, daß es als von Gott also verordnet sicher ungerecht und unbillig wäre, kennt Gottes Liebe und Weisheit auch also und sicher noch um gar vieles heller: daß man den nicht strafen kann, dem man kein Gesetz zur Befolgung gegeben hat.
 [GEJ.08_017,03] Aber es besteht nun kein Volk irgend auf der ganzen Erde, das da ganz ohne alle Gesetze wäre. Denn Gott hat unter allen Völkern nach dem Bedürfnisse derselben weise Männer erweckt und berufen, und diese haben ihnen Gesetze gegeben und ihnen auch gesagt und gezeigt, daß es einen Gott gibt, der alles erschaffen hat und auch alles forterhält, leitet und regiert. Also lehrten die benannten weisen Männer die Menschen auch, daß Gott diejenigen, die die Gesetze befolgen, belohnen werde hier und jenseits, die Widersacher aber auch züchtigen und unnachsichtlich strengst bestrafen werde auch hier schon und gar sicher jenseits, weil die Seele des Menschen nach dem Tode des Leibes in einer anderen Welt der Geister fortlebe und nach ihrem Tun gerichtet werde.
 [GEJ.08_017,04] Siehe, solche Kunde hat jedes Volk erhalten, und wenn es diese zu vergessen beginnt, so wird es gleich von neuem wieder daran erinnert, teils durch abermals neu erweckte weise Männer und teils und stets aber durch das eigene Gewissen, und so kann sich da niemand, der einen Verstand und seine gesunden Sinne hat, so ganz entschuldigen, so er wider seine ihm bekannten Gesetze handelt. Wenn er aber jenseits ohnehin in den Zustand seiner Liebe und seines freien Willens kommen wird, so wird auch niemand Gott gegenüber sagen können, daß Er an diesem oder jenem irgend ungerecht gehandelt habe; denn einem Selbstwollenden geschieht kein Unrecht.
 [GEJ.08_017,05] Jeder Seele wird drüben das werden, was sie will. Ist es Böses, so wird sie zuvor darauf wohl aufmerksam gemacht, welche Folgen es notwendig haben wird. Wird sie sich daran kehren, so kann ihr bald und leicht geholfen werden; kehrt sie sich aber nicht daran, so wird ihr unbehindert belassen werden, also alles zu haben und zu genießen, wie sie es aus ihrer Liebe heraus will.

10. Seelen im Jenseits werden mit ihrer Vollkommenheit jung und schön

 [RB.02_243,01] Rede Ich: "O Weib! O Tochter! Dein Glaube ist groß und viel Liebe wohnt in deinem Herzen! Dir geschehe nach deinem Glauben und nach der Macht deiner Liebe! - Meine liebe Tochter, du stehst nun hungrig, durstig und nackt vor Mir. Denn das, mit dem du auf der Erde deine Seele gesättigt hast, war eine schlechte und magere Kost. Wärst du nicht in der ersten Zeit deines Erdenlebens im Geiste vorgenährt worden, und wäre deine Seele in das Kloakenleben des ekelhaftesten Gewürmes mit ganz stummem Geiste übergegangen, wärst du wohl verloren. Es wäre dann beinahe unmöglich geworden, dich je zu retten. Denn so unmöglich es ist, einen Fisch in der freien Luft am Leben zu erhalten, ebenso unmöglich ist es auch, Seelen, die sich selbst zum Pfützengeschmeiß hinab gelebt haben, in dem Lichtäther der Himmel am Leben zu erhalten. Denn wo der Drache lebt ein totes Leben, da lebt dem Tode auch sein Gewürm!
 [RB.02_243,02] Aber da du in deinem Geiste vorgenährt wurdest, war die nachträgliche Kloakenkost nicht vermögend, deine Seele ganz zu verderben. Denn die Vornahrung deines Geistes würzte nach Möglichkeit die elende Weltkost deiner Seele und benahm ihr das tötende Gift. Daß aber deine Seele bei solcher Kost sich kein Fett sammeln konnte, wirst du hoffentlich einsehen. Nun aber will Ich dir wegen deines Glaubens und deiner Liebe Nahrung aus den Himmeln und ein besseres Kleid geben, das wird dir zu einem besseren An- und Aussehen verhelfen. - Robert, schaffe Brot und Wein und ein neues Kleid her!"
 [RB.02_243,03] Als Ich solches ausspreche, ersieht Robert hinter sich eine Art Krämerbude mit Brot und Wein und einem Bündel, darin sich das verlangte Gewand befindet. Er bringt Brot und Wein und sein Weib Helena bringt das Bündel mit dem Gewand. Ich segne Brot und Wein und lasse es der Mathilde und dem Offizier verabreichen. - Als sie mit unaussprechlichem Dankgefühl mit dem Offizier das Brot und den Wein verzehrt, wird sie augenblicklich voller, bekommt ein schönes, jugendliches Aussehen und weiß sich aus lauter Dank nicht mehr zu helfen. Nun empfängt sie auch ein schönes, azurblaues Kleid mit purpurroter Verbrämung, das sie sehr schön ziert.
 [RB.02_243,04] Als Mathilde nun so wohl versorgt dasteht, beginnt sie laut zu weinen vor Dankbarkeit, Liebe und Seligkeit. Sie fällt, nun schon so schön wie eine Blume der Himmel, vor Mir auf ihre Knie nieder und sagt schluchzend: "O Du heiligster Vater! Mein Herz kann es nur fühlen, aber die matte Zunge nimmer aussprechen, was ich nun für Dich empfinde! Deine Liebe, Deine Gnade sind endlos groß! So weit aber nun das Gefühl dieses mir neu gegebenen und durch Deine Gnade neu erweckten Lebens reicht, empfinde ich Dich als die heilige, ewige, reinste Liebe! O Du lieber Vater! Dein heiligster Name Jesus werde geheiligt ewig, ewig, ewig!!" - Bei diesen Worten übermannt sie ihre Liebe zu Mir so mächtig, daß sie mit dem Gesicht ganz auf den Boden niedersinkt.

11. Wohin wir kommen

 [GEJ.04_152,14] In den ersten, den Weisheitshimmel kommen zumeist nur Seelen von allen anderen Weltkörpern, und von dieser Erde die Seelen jener weisen Heiden, die nach ihrer Erkenntnis wohl sehr gewissenhaft und gerecht gelebt haben, aber von Meiner Person auch jenseits nichts vernehmen wollen. Nehmen sie jedoch mit der Weile etwas an, so können sie wohl in den zweiten, also höheren oder auch Mittelhimmel aufgenommen werden; aber in den dritten, innersten und höchsten, den eigentlichen Liebe- und Lebenshimmel kommen sie nie und nimmer. Denn dahin werden nur jene kommen, die schon die volle Kindschaft Gottes erlangt haben.
 [GEJ.10_176,09] So wie dein Vater befinden sich im großen Jenseits schon zahllos viele der besseren Juden- und Heidengeister; wenn Ich aber in Kürze in Mein ewiges Ursein zurückkehren werde, dann wird auch all diesen besseren Juden und Heiden im Jenseits der rechte Weg zum vollkommenen, ewigen Leben gezeigt werden. Allen Bösen aber wird es auch ewig freistehen, sich entweder zu bessern und die Wege des Lichtes zu betreten oder in ihrem Bösen zu verbleiben und sich von ihm quälen zu lassen für ewig hin; denn was sie selbst wollen, darin widerfährt ihnen kein Unrecht.
 [GEJ.10_176,10] Und so wird jenseits des Guten Lohn Gutes sein, des Bösen aber Böses, und ein jeder wird nach der Ablegung seines Leibes sich befinden in seinem Jüngsten Tage, und Ich werde einen jeden auferwecken und ihm den Lohn geben aus ihm selbst, wie er war, gut oder böse.
 [GS.01_059,09] Der Vater nimmt unseren Hauptredner bei der Hand und spricht zu ihm: Siehe, in dieser Gegend da unten wohnen gewöhnlich Menschen, welche durch den alleinigen Glauben an Mich ein vollkommen gerechtes Leben geführt haben. Darunter sind zu allermeist die so genannten Protestanten und noch andere christliche Sekten. In dem weiteren Hintergrunde aber wohnen Heiden, die auf der Welt ihrem Glauben zufolge ein gerechtes Leben geführt und erst hier den Glauben an Mich angenommen haben. Dort, mehr in jenem Hintergrundsteile, der sich zwischen Mittag und Abend hinzieht, ist die Wohnung derjenigen katholischen Christgläubigen, welche sich teils römische, teils aber griechische Katholiken nennen, sich aber hier ohne Beschädigung ihres Lebens und ihrer Freiheit nicht völlig haben von ihren Irrtümern zu reinigen vermocht. Diese sind darum nicht etwa unselig, sondern sie genießen auch eine große Seligkeit, auch sind sie nicht etwa an ihre Gegend gebannt, sondern können nach einer tieferen Innewerdung des eigentlichen Grundwahren auch weiter vorwärts gelangen.
 [GS.01_059,10] Du möchtest wohl wissen, worin solch ein Irrtum besteht? Siehe, ein solcher Irrtum besteht darin: Wenn jemand aus Gottesfurcht den Glauben wie genötigt annimmt und dann diesem Glauben getreu lebt, kann er Gott nimmer so recht liebend erfassen, weil er Ihn zu sehr fürchtet. Diese übertriebene Gottesfurcht ist sonach der kleine Irrtum, und dieser ist, ohne Beschädigung des Lebens und der Freiheit, nicht so leicht hinauszubringen. Du denkst dir freilich: Wie kann der Allmächtige solches sprechen? Siehe, wo es sich um die völlige Freiheit eines Wesens handelt, da muß Ich Selbst mit Meiner Allmacht hübsch daheim bleiben. Denn würde Ich diese gebrauchen, so wäre es mit einem solchen augenblicklich gar, und Ich würde dann statt frei lebender, denkender, wirkender und handelnder Kinder lauter gerichtete Maschinen haben, die sich stets unerbittlich gezwungen, aber nimmer freiwillig nach Meinem Willen bewegen würden. Ich kann daher nur da von Meiner Allmacht Gebrauch machen, wo sie fürs erste im höchsten Grade notwendig ist und dabei aber fürs zweite dennoch nie den freien Geist in seinem Erkennen und Wollen beschränkt.
 [GS.01_059,11] So will Ich dir gleich ein Beispiel geben, auf welche Weise Ich von Meiner Allmacht Gebrauch mache.
 [GS.01_059,12] Was die naturmäßige Welt betrifft und was überhaupt die Gestaltung aller Geschöpfe anbelangt, so sind sie Werke Meiner Allmacht. Wenn dann die freien Geister zufolge Meines Wortes und des darnach geführten Lebenswandels das Leben aus Mir in sich aufgenommen haben, so wirket Meine Allmacht, daß alles das, was die frei gewordenen lebendigen Geister als nutz wirkend Gutes und Wahres in sich erkennen, sie also gleich reell zu ihrem freiwilligen Gebrauche im reichlichsten Maße erschauen und davon eben sogleich den freien Gebrauch machen können.
 [GS.01_059,13] Diese untere Gegend ist zumeist ein solches Werk Meiner Allmacht und entspricht in allem dem Glaubenswahren und daraus hervorgehenden Nutzwirkenden, wie solches sich im Inwendigsten dieser seligen Geister vorfindet. Und also ist es der Fall allenthalben, wo du deine Augen nur immer hinwenden willst, entweder über den ganzen endlosen Mittag hin oder über den ganzen Abend hin, wie auch über den ganzen Norden hin.
 [GS.01_059,14] Du fragst hier in deinem Gedanken: Ist denn solches nicht auch der Fall mit diesem ewigen Morgen? Nein, dieser steht unter einem ganz anderen Verhältnisse und ist in all seinen Teilen vollkommen unveränderlich fest also, wie eine jede naturmäßige Welt fest ist. Und die unerschütterliche Festigkeit des Morgens steht als inwendige ewige Grundfeste gegenüber der äußeren naturmäßigen Festigkeit. Der Grund davon aber liegt darin, weil fürs erste Ich Selbst in Meinem Wollen ewig unveränderlich bin; und was Ich einmal bestimmt gestaltet habe, das bleibt auch ewig also unveränderlich und bestimmt, wie unveränderlich und bestimmt Ich Selbst in Meinem ewigen Wollen bin.
 [GS.01_059,15] Fürs zweite aber ist diese Gegend darum eine unveränderlich feste, weil Meine Kinder, die hierher zu Mir kommen, zufolge ihrer großen Liebe zu Mir in ihrem Wollen und in ihrem Erkennen vollkommen eins sind mit Mir, oder, mit andern Worten gesagt, weil sie sich völlig bis auf den letzten Tropfen gedemütigt und zufolge ihrer Liebe zu Mir ihren Willen völlig hintangegeben und an dessen Stelle Meinen ewig lebendigen in sich aufgenommen haben.
 [GS.01_059,16] Daher auch wollen sie hier nichts anderes, als was Ich will. Mein Wille aber ist eine allerklarste, ewig fest bestimmte Darstellung des Guten und Wahren. Daher ist denn auch diese Gegend, in der Ich mit den Meinen wohne, eine vollkommen unveränderlich feste und ist in ihr nirgends eine Täuschung. Was du hier ansiehst, das ist auch vollkommen so von innen, wie von außen. Alle die Pflanzen, die Bäume, die Früchte, die Getreidefelder sind hier nicht bloß erscheinliche Entsprechungen, sondern sie sind vollkommene bestimmte Realitäten. Wenn du hier von einem Orte zum andern gehst, so kannst du deine Schritte zählen, und du wirst hin und her dieselbe Entfernung finden.
 [GS.01_059,17] Du fragst mich wohl, ob diese Festigkeit mit der Festigkeit der Welt etwas gemein hat? Die Festigkeit dieser Himmelswelt hat mit der Festigkeit der materiellen Welt durchaus nichts gemein, denn die Festigkeit der Welt ist ebenfalls nur eine scheinbare, und dauert für einen betreffenden Geist nur so lange, als er ein Bewohner der Materie ist, hat er aber die Materie verlassen, dann vergeht für ihn auch deren Festigkeit. Aber nicht also ist es hier; denn diese Festigkeit ist eine wahre Festigkeit und ist unveränderlich und unzerstörbar für alle Ewigkeiten der Ewigkeiten, weil sie ist ein vollkommener Ausdruck Meiner ewigen Vaterliebe!
 [GS.01_059,18] Du fragst, wie weit diese Gegend wohl geht? Mein lieber Freund, Bruder und Sohn! Diese Gegend, wie du sie gegen den Morgen hin erschaust, hat fürder ewig nimmer ein Ende und ist sonach so groß, daß, wenn auf allen unendlich vielen Weltkörpern ewighin Menschen geboren werden und alle kommen möchten in diese Gegend, so würden sie nach dem Verlaufe von tausend Ewigkeiten im Verhältnisse zu der Größe dieser Gegend noch nicht mehr betragen, als ein Sandkörnchen beträgt im Verhältnisse zu der Unendlichkeit des ewigen Raumes.
 [GS.01_059,19] Du fragst Mich nun wohl, wie Ich solches alles übersehen kann, und ob diejenigen, so von hier endlos weit gegen den tieferen Morgen hin wohnen, Mich wohl je zu sehen bekommen? - Mein lieber Freund, Bruder und Sohn! Auch solches will Ich dir sagen; denn Meinen Kindern soll nichts vorenthalten sein!


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